Europa träumt, während der Rest der Welt handelt

Net Zero braucht keine Visionen

Schneider Electric GmbH

Der Global Autonomous Maturity Report von Schneider Electric zeigt, dass die Umsetzungslücke, Industrien messbare Emissionsmengen und Wettbewerbsfähigkeit kostet.

Bild: Gemini, publish-industry
30.06.2026

Allein mit Ambitionen lässt sich keine einzige Tonne CO2 einsparen. Eine autonome Betriebsführung ist für Netto-Null unverzichtbar, doch Europa setzt sie am wenigsten um. Anderswo laufen Anlagen bereits ohne Menschen, sodass die Lücke immer weiter wächst.

Schneider Electric hat die europäischen Ergebnisse seines Global Autonomous Maturity Report veröffentlicht. Dieser basiert auf einer Befragung von 400 Führungskräften aus der Energie- und Chemieindustrie in zwölf Ländern und vier Regionen. Die Ergebnisse zeigen einen entscheidenden Wendepunkt in der Kernfrage der europäischen Klimastrategie auf. Die Region, deren Vertreter am stärksten davon überzeugt sind, dass autonome Betriebsabläufe für die Netto-Null-Bilanz unverzichtbar sind, ist gleichzeitig am weitesten davon entfernt, diese in großem Maßstab einzuführen.

Netto-Null oder Wettbewerbsverlust

Für schwer zu dekarbonisierende Industrien, die rund 40 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen, ist diese Lücke in wettbewerbsrelevanten Megatonnen messbar. Während das globale Rennen zur Dekarbonisierung der Industrie an Fahrt aufnimmt, wächst für Europa das Risiko, durch die zögerliche Einführung KI-gestützter autonomer Betriebsführung an industrieller Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren – genau in einer Phase, in der eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Industrie immer mehr miteinander verbunden ist.

KI-gestützte Autonomie beschleunigt die Dekarbonisierung auf eine Weise, die mit klassischen Investitionszyklen für Hardware nicht erreichbar ist: Sie reduziert ungeplante Stillstände, steigert die Energieeffizienz in gesamten Anlagen und verkürzt die Zeitspanne zwischen Zielsetzung und Umsetzung. Jedes Jahr, in dem die Einführung verzögert wird, führt zu zusätzlichen Emissionen, die sich nicht mehr ausgleichen lassen.

„Europas Führungsrolle beim Klimaschutz ist unbestritten, doch Ambitionen allein führen nicht zu Ergebnissen“, sagt Devan Pillay, President, Heavy Industries Segment bei Schneider Electric. „Autonome Betriebsführung ist einer der wirksamsten Hebel, um die Industrie schnell und im großen Maßstab zu dekarbonisieren. Das Risiko besteht nicht darin, stillzustehen, sondern darin, zu langsam voranzukommen, während andere an Fahrt gewinnen. Die Chance für die Industrie besteht darin, jetzt zu handeln und diesen Moment in einen Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.“

KI und Klima: Von Ambitionen zur Verantwortung

Der Bericht macht einen klaren Zusammenhang zwischen dem Reifegrad der Automatisierung und der Emissionsbilanz deutlich. Anlagen mit einem höheren Automatisierungsgrad erzielen nachweislich bessere Ergebnisse in Bezug auf die Energieintensität, die Prozesseffizienz und die Scope-1-Emissionen. Für den europäischen Energie- und Chemiesektor, der einem hohen regulatorischen Druck ausgesetzt ist und verbindliche Ziele für die Jahre 2030 und 2050 erfüllen muss, entwickelt sich die autonome Betriebsführung zunehmend zu einem strategischen Hebel für den Klimaschutz.

Die Studie verdeutlicht zudem, dass es innerhalb Europas unterschiedliche Beweggründe gibt: Während Führungskräfte in weiten Teilen Europas vor allem Produktivitätssteigerungen (30 Prozent) und Wettbewerbsvorteile (ebenfalls 30 Prozent) als zentrale Treiber nennen, stehen im Vereinigten Königreich Kostenreduktion und Profitabilität (48 Prozent) stärker im Fokus.

In Deutschland liegen die Vorteile autonomer Technologien in den von Entscheidern vorangetriebenen Leistungssteigerungen begründet. Am wichtigsten ist die Priorisierung durch die Unternehmensführung (40 Prozent), was darauf hindeutet, dass Autonomie von der obersten Führungsebene aktiv als strategische Notwendigkeit gefördert wird. Dicht dahinter folgt die Verbesserung der Arbeitssicherheit (36 Prozent), was einen starken Fokus auf Risikominderung bei gleichzeitiger Modernisierung der Betriebsabläufe unterstreicht. Die Steigerung der Produktivität (32 Prozent) vervollständigt die Top 3 und unterstreicht, dass deutsche Unternehmen Autonomie als Mittel betrachten, um neben sichereren Arbeitsumgebungen auch greifbare Effizienzsteigerungen zu erzielen.

Deutsche Entscheidungsträger wissen genau, was nötig ist, um Autonomie zu erschließen; und dies wird zunehmend durch Technologie vorangetrieben. Über die Hälfte (52 Prozent) nennt KI und maschinelles Lernen als wichtigsten Wegbereiter, dicht gefolgt von offener, softwaredefinierter Automatisierung (48 Prozent). Gleichzeitig heben mehr als ein Drittel (36 Prozent) die entscheidende Bedeutung von fortschrittlicher Prozesssteuerung und -optimierung hervor, um Teams das Selbstvertrauen und die Fähigkeit zu geben, unabhängiger zu arbeiten.

Jessica Bethune, Vice President Industrial & Process Automation DACH bei Schneider Electric, sagt dazu: „Deutschland zeigt exemplarisch, worauf es in Europa jetzt ankommt: Autonome Technologien müssen von der strategischen Priorität zur industriellen Praxis werden. Führung, Sicherheit und Produktivität sind dabei die entscheidenden Hebel, denn hier entsteht der konkrete Mehrwert. Mit KI, Machine Learning und offener, softwaredefinierter Automatisierung kann Deutschland eine zentrale Rolle dabei spielen, Europas Net-Zero-Ziele schneller und wirtschaftlich tragfähig Realität werden zu lassen.“

Von der Forschung in die Praxis

Die Dynamik nimmt zu: Sechs von zehn europäischen Führungskräften beschreiben den Fortschritt bei der Einführung autonomer Systeme in ihrem Unternehmen als rasant und mit weiter zunehmender Geschwindigkeit. Da Europa beim autonomen Reifegrad jedoch hinter allen anderen großen Regionen zurückliegt, ist eine schnellere und breitere Umsetzung keine Option, sondern Voraussetzung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Das bedeutet, dass Unternehmen, die eine autonome Betriebsführung frühzeitig einführen, die Chance haben, wettbewerbsfähiger zu werden. Ein richtungsweisendes Projekt wurde diese Woche im Rahmen der London Climate Action Week angekündigt. Es zeigt, welchen Nutzen KI-gestützte Autonomie in der Praxis liefert. Im Vereinigten Königreich wurde eine weltweit erste unbemannte Offshore-Anlage realisiert. In Zusammenarbeit mit Bilfinger wurde EcoStruxure Automation Expert (EAE) von Schneider Electric in das Steuerungssystem einer neuartigen, unbemannten, schwimmenden Anlage für Öl und Gas integriert. Dadurch wird die permanente Anwesenheit von Menschen in einem der gefährlichsten Betriebsumfelder der Branche überflüssig.

Regionaler Überblick: Europa im Vergleich zur Welt

▶ Autonomer Reifegrad: Europas Anteil von 25 Prozent vollständig autonomer Anlagen liegt unter dem globalen Durchschnitt von 31 Prozent.

▶ Einführungstempo: Sechs von zehn europäischen Befragten beschreiben ihre Einführung als „schnell und sich beschleunigend“ und liegen damit über dem globalen Durchschnitt

▶ Klimadringlichkeit als Treiber: Europa nimmt eine einzigartige Vorreiterrolle ein, indem es Umweltaspekte, und nicht nur wirtschaftliche Aspekte, als Hauptgrund für die Weiterentwicklung autonomer Betriebsführung genannt wird.

Methodik

Der Global Autonomous Maturity Report wurde von Schneider Electric in Zusammenarbeit mit Censuswide und Development Economics erstellt und durch Einschätzungen des unabhängigen Energiemarktanalysten Gaurav Sharma ergänzt. Die Studie basiert auf einer Befragung von 400 leitenden Führungskräften aus der Energie- und Industriebranche in 12 Ländern in Nordamerika, Europa, Asien und den Golfstaaten. Zusätzlich wurden Desk Research sowie Stakeholder-Interviews im globalen Energie- und Chemiesektor durchgeführt.

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel