In den letzten zwölf Monaten erlebten 75 Prozent der Betriebe in der kunststoffverarbeitenden Industrie kritische Liquiditätsengpässe, davon 58,5 Prozent eher und 17,5 Prozent sehr kritische. Das geht aus einer Umfrage von Close Brothers Factoring aus Mainz unter 200 Unternehmen der Branche hervor. Für die kommenden zwölf Monate erwarten zudem 81,5 Prozent der Befragten eine überwiegend kritische Liquiditätslage. Im Detail sehen 61,5 Prozent eine eher kritische und 20 Prozent eine sehr kritische Situation voraus.
Als Ursache für die zurückliegenden Liquiditätsprobleme nannten 25 Prozent der betroffenen Unternehmen vor allem Umsatzrückgänge aufgrund sinkender Nachfrage. Am zweithäufigsten – von 22,5 Prozent der Befragten – wurden Zahlungsverzögerungen als wesentlicher finanzieller Belastungsfaktor genannt. Hohe Energiekosten, die sie nicht vollständig oder nur verzögert weitergeben konnten, folgten mit 20,5 Prozent der Nennungen an dritter Stelle. 17,5 Prozent der Unternehmen machten zudem Zahlungsausfälle besonders stark zu schaffen.
Offene Forderungen: 69 Prozent melden Ausfälle
Die Umfrage zeigte zudem, dass 199 von 200 Unternehmen beim Begleichen offener Forderungen mit Problemen konfrontiert waren: 10,5 Prozent der Befragten erlebten Zahlungsausfälle und -verzögerungen, 30,5 Prozent nur Verzögerungen und 58,5 Prozent nur Ausfälle. Anders ausgedrückt waren 41 Prozent der Unternehmen von verspäteten Zahlungen betroffen und ganze 69 Prozent mussten sogar Forderungsausfälle hinnehmen.
Die Befragung ergab außerdem, dass 82 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr auf zusätzliche Finanzierungsmaßnahmen zurückgriffen, um ihre Zahlungsfähigkeit zu stärken. Am häufigsten wurden Darlehen von Kreditinstituten in Anspruch genommen, nämlich von 42 Prozent der Befragten. Jeweils 30,5 Prozent entschieden sich außerdem für Factoring oder den Verkauf von Anlagegütern an Händler oder andere Nutzer. Darüber hinaus schalteten 28 Prozent der Betriebe Anwälte und Inkassodienste ein. 25,5 Prozent nutzten Sale-and-Lease-back-Modelle zur Steigerung ihrer Liquidität.
Risikolage bleibt angespannt
In derselben Umfrage wurde auch ein Ausblick auf die kommenden zwölf Monate gegeben. Hier zeigt sich, dass eine große Mehrheit der Kunststoffverarbeiter – 81,5 Prozent – einen weiterhin hohen Liquiditätsdruck erwartet: 61,5 Prozent rechnen mit einer eher kritischen und 20 Prozent sogar mit einer sehr kritischen Liquiditätslage. Weitere 18 Prozent rechnen mit einer eher unkritischen Situation. Nur ein Betrieb von 200, also 0,5 Prozent, erwartet keinerlei Probleme hinsichtlich seiner Zahlungsfähigkeit.
Als einen der voraussichtlich größten finanziellen Belastungsfaktoren für die kommende Zeit betrachten 29,5 Prozent der Betriebe Zahlungsverzögerungen. Für 28,5 Prozent zählen sinkende Umsätze aufgrund rückläufiger Nachfrage und für 27 Prozent hohe Transportkosten zu den Hauptgefahren für ihre Liquiditätslage. 24 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten zudem, dass sie Zahlungsausfälle erheblich belasten werden.
Factoring und Anlagegüterverkauf im Fokus
Um ihre Liquidität gezielt zu stabilisieren, planen 81,5 Prozent der Unternehmen konkrete Maßnahmen. 37 Prozent dieser Betriebe möchten dabei auf Factoring setzen, 35 Prozent auf den Verkauf von Anlagegütern an Händler oder andere Nutzer und 30 Prozent auf Sale-and-Lease-Back. 29,5 Prozent beabsichtigen außerdem, ihre Lage mit einem konsequenteren Forderungsmanagement inklusive juristischer Unterstützung zu verbessern, und 27,5 Prozent mithilfe von Darlehen von Kreditinstituten.
„Wie sich zeigt, gewinnen Zahlungsausfälle und vor allem Zahlungsverzögerungen für immer mehr kunststoffverarbeitende Unternehmen nochmal an Bedeutung mit Blick auf ihre Liquidität“, so Detlef Küßner, Geschäftsführer von Close Brothers Factoring. „Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass der regelmäßige Verkauf von Forderungen inzwischen das beliebteste Instrument ist, um die eigene Zahlungsfähigkeit zu verbessern. Wir bemerken diese Entwicklung auch selbst. Seit etwa Oktober letzten Jahres ist die Nachfrage nach unserem Factoring-Angebot stark gestiegen.“
Factoring: Effekte auf Liquidität und Eigenkapitalquote
Factoring kann Unternehmen, insbesondere bei wachsenden oder gleichbleibenden Umsätzen, erhebliche Vorteile bieten. Durch den regelmäßigen Verkauf von Forderungen an einen Dienstleister wie Close Brothers Factoring lässt sich nicht nur die eigene Liquidität sichern, sondern auch die Eigenkapitalquote erhöhen. Das kann wiederum mögliche Darlehenskosten senken. Zudem ist man nicht von der Bank abhängig und die Zahlungseingänge sind zuverlässig. Im Einkauf können Betriebe dank der regelmäßigen und planbaren Zahlungseingänge außerdem größere Warenmengen mit kürzeren Zahlungszielen und somit zu besseren Konditionen erwerben. Im Verkauf wiederum können sie mit längeren Zahlungszielen punkten, da der Finanzdienstleister alle Forderungen direkt und zeitnah begleicht. Zudem wird die Buchhaltung entlastet, wenn der Finanzdienstleister das Mahnwesen und das Debitorenmanagement übernimmt.