Der Stromausfall in Berlin hat vielen Menschen noch einmal deutlich gemacht, wie selbstverständlich sie eine stabile Energieversorgung betrachten und wie schnell sie im Alltag fehlt, wenn sie plötzlich nicht mehr vorhanden ist. Gleichzeitig wirft das Ereignis eine grundlegende Frage auf: Wie widerstandsfähig ist unser Stromsystem in einer zunehmend dezentraleren und elektrifizierteren Welt eigentlich?
Energie-Resilienz braucht neue systemische Ansätze
Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien, der steigenden Netzbelastung und der fortschreitenden Elektrifizierung von Mobilität und Wärme rückt die Stabilität der Energieversorgung in den Fokus – und das nicht als theoretisches Zukunftsthema, sondern als ganz praktische Herausforderung. Und das nicht als theoretisches Zukunftsthema, sondern als ganz praktische Herausforderung.
In diesem Zusammenhang gewinnt ein Ansatz an Aufmerksamkeit, über den bislang vor allem Fachkreise diskutiert haben: das bidirektionale Laden. Dabei geht es um die Möglichkeit, Elektrofahrzeuge perspektivisch nicht nur als Stromverbraucher zu nutzen, sondern auch Energie in Gebäude oder in das Stromnetz zurückzugeben. Das Ziel ist klar: Es sollen zusätzliche Flexibilitäten geschaffen, Lastspitzen abgefedert und die Stromnetze widerstandsfähiger gemacht werden. Ob und wie schnell dies im Alltag umgesetzt wird, ist allerdings eine andere Frage.
Compleo Charging Solutions richtet seine Ladeinfrastruktur vor diesem Hintergrund konsequent weiter aus. Gemeinsam mit Kostal arbeitet das Unternehmen an übergreifenden Systemansätzen, die die Bereiche Ladeinfrastruktur, Energie und Mobilität enger miteinander verzahnen sollen. Der Anspruch ist dabei kein kurzfristiger Effekt, sondern eine langfristige Perspektive: Bidirektionales Laden als Bestandteil integrierter Energiesysteme und damit als möglicher Baustein für die Energie- und Mobilitätswende.
Baustein für resilientere Energie- und Mobilitätssysteme
„Bidirektionales Laden ist kein kurzfristiges Kriseninstrument, sondern ein langfristiger Systembaustein für die Energieversorgung von morgen“, sagt Dr. Björn Dietrich, CEO von Compleo Charging Solutions. „Unsere Aufgabe als Ladeinfrastruktur-Anbieter ist es, die technologische Grundlage dafür zu schaffen, dass Elektrofahrzeuge perspektivisch zur Stabilisierung von Stromnetzen beitragen können – im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien, stationären Speichern und bestehenden Netzen.“
Dabei sei eine realistische Einordnung entscheidend. Bidirektionales Laden ersetzt weder zentrale Netzinfrastrukturen noch klassische Notstromlösungen. Vielmehr gehe es darum, dezentrale Flexibilitäten kontrolliert, sicher und regulatorisch sauber nutzbar zu machen. Neben der Ladeinfrastruktur spielen dabei auch geeignete Fahrzeuge, tragfähige Geschäftsmodelle und klare gesetzliche Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle. Ohne dieses Zusammenspiel bleibt das Thema schnell theoretisch.
„Resilienz entsteht nicht durch eine einzelne Technologie“, so Dietrich weiter. „Sie entsteht durch das Zusammenspiel vieler Komponenten. Bidirektional nutzbare Ladeinfrastruktur kann dabei ein wichtiger Hebel sein, aber immer nur als Teil eines Gesamtsystems.“ In den kommenden Jahren dürfte sich das bidirektionale Laden Schritt für Schritt im Markt etablieren. Bereits heute entstehen erste, noch punktuelle Anwendungen und Geschäftsmodelle. Mittelfristig werden diese an Bedeutung gewinnen und müssen daher bereits jetzt bei strategischen Vorhaben in Energie- und Mobilitätskonzepten berücksichtigt werden.