An einem ruhigen Forschungsstandort nördlich von Berlin steht etwas Bemerkenswertes bevor. In den Wäldern der Brandenburger Schorfheide, wo Wissenschaftler die Nutzung geothermischer Wärme erforschen, werden Green Therma und das Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ Potsdam) eine neue Technologie testen. Die Art und Weise, wie auf geothermische Wärme aus tiefen Quellen zugegriffen wird, eine der mächtigsten, aber noch zu wenig genutzten erneuerbaren Energien, kann sich dadurch grundlegend verändern.
Im Jahr 2026 wird an diesem Standort die weltweit erste Installation des DualVac-Vakuumrohr-Verfahrens von Green Therma erfolgen. Diese neuartige Technologie der Tiefengeothermie ist darauf ausgelegt, Wärme aus mehr als 3 km Tiefe mit minimalen Wärmeverlusten zu transportieren. Erstmals kommt dabei eine kontinuierliche Vakuumisolierung zum Einsatz, wie sie in modernsten industriellen Anwendungen verwendet wird, und zwar in einem koaxialen Geothermiesystem mit nur einem Bohrloch. Sollte sich die Technologie wie erwartet bewähren, könnte sie die Effizienz von Tiefengeothermie-Anlagen deutlich steigern und erneuerbare Wärmequellen an Standorten erschließen, die bisher als zu schwierig oder zu kostspielig galten.
Ein neues Kapitel in der Geothermie
Für Green Therma ist diese Demonstrationsanlage das Ergebnis jahrelanger Vorbereitungen. Die patentierte Heat4Ever-Lösung des Unternehmens, deren Kernstück DualVac bildet, basiert auf einer einfachen Idee: Tiefe geothermische Wärme ist überall vorhanden, wir benötigen lediglich bessere Werkzeuge, um sie effizient zu gewinnen. In Zusammenarbeit mit dem GFZ Potsdam, Deutschlands renommiertem nationalen Forschungszentrum der Geowissenschaften, wird diese Idee nun unter realen geothermischen Bedingungen in die Praxis umgesetzt.
„Dieses Projekt stellt einen Meilenstein in der Technologie zur Gewinnung geothermischer Energie dar“, sagt Jørgen Peter Rasmussen, Gründer und CEO von Green Therma, und fährt fort: „Durch die Demonstration der Leistungsfähigkeit der DualVac-Isolierung an der Geothermieforschungsplattform des GFZ Potsdam in Groß Schönebeck machen wir einen essenziellen Schritt hin zu einer globalen, effizienten und skalierbaren Nutzung tiefer geothermischer Wärme.“
Die Anlage wird Tiefen von über 3 km erreichen, wo die Temperaturen bei über 100 °C liegen. Im Laufe eines einjährigen Tests wird das System vermessen, überwacht und auf Herz und Nieren geprüft. Die dabei gewonnenen Daten können die Nutzung der Tiefengeothermie als lokale, zuverlässige und klimaneutrale Wärmequelle beschleunigen.
Wo Wissenschaft und Industrie aufeinandertreffen
Für das GFZ Potsdam ist dieses Projekt ein weiteres Beispiel dafür, wie Forschungsinfrastrukturen die Energiewende in der Praxis vorantreiben können. „Die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung ist unerlässlich für die Entwicklung geothermischer Lösungen der nächsten Generation“, ergänzt Prof. Dr. Ingo Sass, Leiter der Sektion Geoenergie am GFZ Potsdam. Sie liefert uns zudem neue Erkenntnisse für die Weiterentwicklung unseres Forschungsstandorts. Partnerschaften wie diese sind entscheidend für den Fortschritt der Geothermie.“
Die Zusammenarbeit ist Teil der europäischen TRANSGEO-Initiative, in der Partner aus fünf europäischen Ländern gemeinsam erforschen, wie bestehende Bohrungen für die Gewinnung und Speicherung geothermischer Wärme genutzt werden können. „Wir entwickeln Strategien, um Bohrlöchern ein zweites Leben zu geben. Die hier gewonnenen Erkenntnisse können dazu beitragen, die Geothermie in Regionen auszubauen, die skalierbare, saubere Wärme benötigen“, so Projektleiter Prof. Dr. Hannes Hofmann.
Ein Schritt hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung
Die Wärmeversorgung zählt in ganz Europa und darüber hinaus nach wie vor zu den Sektoren, die sich am schwierigsten dekarbonisieren lassen. In vielen Regionen fehlt es im Winter an ausreichendem Wind- oder Solarpotenzial und Infrastrukturmaßnahmen können Jahrzehnte dauern. Die Tiefengeothermie bietet eine Alternative: stabile, stets verfügbare und wetterunabhängige erneuerbare Energie – Tag und Nacht, zu jeder Jahreszeit.
Sollte sich das DualVac-System bewähren, könnte es die Hürden für den Einsatz tiefer Geothermie in Städten, Industriegebieten und kalten Klimazonen deutlich senken. Es stellt nicht nur einen technologischen Meilenstein dar, sondern auch eine neue strategische Option für Länder, die eine sichere, fossilfreie Wärmeversorgung umsetzen wollen. Mit dieser Demonstration gehen Green Therma und das GFZ Potsdam einen wichtigen Schritt in Richtung einer Zukunft, in der die Wärme unter unseren Füßen eine skalierbare Lösung für den weltweit wachsenden Energiebedarf darstellt.
Projektübersicht:
▶ Projektname: Heat4Ever-Testprojekt
▶ Technologie: DualVac Vakuumrohrverlegung (koaxiales Geothermiesystem)
▶ Tiefe: ~3,2 km
▶ Standort: Groß Schönebeck , Deutschland
▶ Zeitplan: Vollständige Inbetriebnahme voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2026
▶ Partner: GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften und Green Therma ApS