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Onboarding, Schulung und Entwicklung KI in der betrieblichen Praxis: Personaler skeptisch

Kann man KI beispielsweise die Entdeckung von Talenten überlassen? Personalleiter stehen dem Einsatz entsprechender Technologien noch ambivalent gegenüber.

Bild: iStock, claudenakagawa
22.11.2023

Der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz in der Arbeitswelt ist nach Überzeugung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nicht mehr aufzuhalten. Doch zurzeit muss KI noch einige Ressentiments überwinden: Laut einer Befragung von Personalleitern durch das ifo-Institut äußert die große Mehrheit der Verantwortlichen Bedenken.

Spätestens 2035 werde es keinen Arbeitsplatz mehr geben, der nichts mit KI-Anwendungen zu tun habe, prognostizierte Heil vor Kurzem im Vorfeld der Eröffnung des Projekts „KI-Studios – KI-Erlebniswerkstätten für die partizipative Gestaltung betrieblicher KI-Anwendungen“. Gut eingesetzt könne KI dafür sorgen, dass die Arbeitswelt humaner wird, sich Arbeitsunfälle verhindern lassen und Arbeit insgesamt gesund ist, meint Bundesarbeitsminister Heil. Zudem soll KI nach seiner Einschätzung dabei helfen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Deshalb fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die Verbreitung und aktive Mitgestaltung von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt. Am 12. September eröffnete Heil ein erstes stationäres KI-Studio im PionierHUB des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in München und schickte ein KI-Infomobil auf Unternehmenstour durch Deutschland. Die Eröffnung dieses ersten KI-Studios soll den Beginn eines umfassenden Programms zur Information von Unternehmen und Beschäftigten über die Möglichkeiten und Grenzen der Technologie markieren, wie Heil ankündigte.

„Ich möchte, dass KI ganz selbstverständlich in der betrieblichen Praxis eingesetzt wird“, sagt der Minister. „Es geht darum, die Potenziale von Künstlicher Intelligenz für Beschäftigte und Unternehmen voll auszuschöpfen. Mithilfe des Projekts KI-Studios bringen wir nun KI in Deutschland auf die Straße.“

Vorbehalte von Personalleitern

Derweil macht die aktuelle Randstad-ifo-Personalleiterbefragung deutlich, dass der Einsatz von KI in den Unternehmen noch auf Vorbehalte stößt, die verhindern, die Potenziale Künstlicher Intelligenz etwa im Bereich Human Resources zu nutzen. Denn laut der Erhebung bestehen bei 86 Prozent der deutschen Personalverantwortlichen Bedenken gegenüber dem KI-Einsatz in ihrem Unternehmen.

Am häufigsten mit 62 Prozent gaben die Personaler in der Befragung fehlendes Know-how als Grund für ihre Zurückhaltung an. Rechtliche Aspekte sind demnach für 48 Prozent ein Thema. Weitere Bedenken beziehen sich auf fehlendes Vertrauen in die Künstliche Intelligenz (34 Prozent), den großen Aufwand, den die Implementierung nach sich zieht (19 Prozent) sowie hohe Kosten (18 Prozent). Bei rund einem Viertel der Befragungsteilnehmer stellt fehlende Akzeptanz ein Problem dar. Und für 22 Prozent ist durch KI kein Mehrwert ersichtlich.

Derzeit nutzen laut der Untersuchung 18 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI in mindestens einem Unternehmensbereich, weitere 35 Prozent haben dies geplant. Im HR-Bereich hingegen kommt KI erst in rund fünf Prozent der Unternehmen zum Einsatz, geplant haben dies knapp ein Viertel der Betriebe. 70 Prozent der befragten Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz weder zum aktuellen Zeitpunkt ein, noch haben sie dies in Planung.

Chancen für die KI machen die Personalverantwortlichen insbesondere in der Rekrutierung aus, dem Bewerbermanagement und in der Automatisierung von Personalprozessen, wie ifo-Forscherin Johanna Garnitz erläutert. Dem Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Personalplanung im Unternehmen messen die Befragten aber eher geringe Bedeutung bei: 84 Prozent gehen davon aus, dass KI in den kommenden fünf Jahren keinen Einfluss auf die Personalplanung haben wird. Und 13 Prozent planen für die nächsten fünf Jahre mit weniger Personal aufgrund des Einsatzes von KI.

Potenziale in der Automatisierung

Das größte Potenzial sehen die Befragten im Bereich der Automatisierung. Hiermit ist das Automatisieren von Personalprozessen gemeint, etwa Verträge, Gehälter und Benefits betreffend. 19 Prozent der Befragungsteilnehmer gaben an, hier ein hohes Potenzial zu verorten, 31 Prozent ein mittleres. Allerdings spricht sich über ein Viertel für kein Potenzial in diesem Bereich aus.

Auch in der Rekrutierung und im Bewerbermanagement erwarten die Befragten Potenzial für die KI: 14 Prozent schätzen dieses als hoch ein, 37 Prozent als mittel. Auch hier sieht rund ein Viertel der Unternehmen kaum Entwicklungsmöglichkeiten.

Derweil spricht im Leistungsmanagement, etwa was die Bewertung von Mitarbeitenden sowie Prognosen betrifft, eine Mehrheit von 31 Prozent der KI ein niedriges Potenzial zu, 28 Prozent sehen gar keins. Und in der Personalentwicklung sieht ebenfalls die Mehrheit von jeweils 30 Prozent niedriges oder kein Potenzial. Auch im Aufgabenfeld der Mitarbeiterbindung steht die Mehrheit der Befragten dem Einsatz von KI ambivalent gegenüber.

Nur mit KI wettbewerbsfähig?

Nach Einschätzung von KI-Fachleuten, etwa aus dem Software-Unternehmen SAP, kann die Einführung von KI im Personalwesen hingegen jeden Aspekt der modernen Belegschaft verbessern, von der Einstellung und Schulung bis hin zur Steigerung des Mitarbeiterengagements und der Mitarbeiterbindung. Die größten Vorteile von KI im Personalwesen sollen sich demnach bei der Gewinnung der besten Talente, beim sogenannten Onboarding, bei der fortlaufenden Schulung des Personals, bei der Unterstützung der Mitarbeitermotivation und -bindung sowie bei der Mitarbeiterbewertung und Karriereentwicklung ergeben. Erhebliche Vorteile kann KI demnach auch im Hinblick auf die Optimierung der HR-Budgets bringen. Grundsätzlich soll die Einführung von KI und modernen HR-Technologien einen starken ROI ermöglichen sowie die Resilienz und Rentabilität verbessern.

Derweil betont das Bundesarbeitsministerium die Bedeutung von KI als Schlüssel zur Sicherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit, zur Bewältigung des Fachkräftemangels und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Daher fördert es die Verbreitung und aktive Mitgestaltung von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt. Es gelte, deren Chancen zu nutzen und Risiken zu vermeiden, sagt Bundesarbeitsminister Heil.

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