Uniper setzt zunehmend auf die Erzeugung grüner Gase.

Bild: Uniper; iStock, bymuratdeniz
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Grünes Gas für die Energiewende Klimaschutzpotenziale im Energiemix

03.09.2019

Nicht nur erneuerbare Energien auch der Switch von Kohle auf Erdgas wirkt sich positiv auf die CO2-Emissionen aus. Bei Uniper will man diesen Weg konsequent gehen und setzt dabei zunehmend auf die Erzeugung grüner Gase. Im Vertrieb schlägt sich dies ebenso wie die Digitalstrategie nieder.

Welche Potenziale im Switch von Kohle auf Erdgas in der Stromerzeugung liegen, ließ sich sehr gut im Juni beobachten. Laut einer Analyse des Fraunhofer ISE emittierten die deutschen konventionellen Kraftwerke 33 Prozent weniger CO2 als im Vorjahresmonat. Verantwortlich für den Brennstoffwechsel von Braunkohle zu Gas war eine Kombination aus erhöhten Kosten für CO2-Zertifikatspreise, niedrigeren Börsenstrompreisen – unter anderem aufgrund hoher Anteile erneuerbaren Stroms – sowie niedrigen Gaspreisen. Unter diesen Bedingungen wurde die Stromerzeugung aus Braunkohle sehr schnell unwirtschaftlich. Konkret sank im Juni die Nettostromerzeugung aus Braunkohle um 38 Prozent auf 7 TWh und die aus Steinkohle um 41 Prozent auf 2,6 TWh. Dagegen steigerten Gaskraftwerke ihre Produktion aufgrund der geringeren Brennstoff- und Zertifikatskosten um 62 Prozent auf 3,7 TWh.

Ersatz von Kohle durch Erdgas

Damit darf sich der Geschäftsführer von Uniper Energy Sales, Gundolf Schweppe, bestätigt fühlen, wenn er sagt: „Kein anderer Energieträger wie Erdgas senkt kurzfristig so viel CO2 pro Euro wie der Ersatz von Kohle durch Erdgas. Gaskraftwerke produzieren dreimal mehr Energie pro emittierter Tonne CO2 als Braunkohlekraftwerke.“

Erhebliches Potenzial sieht Schweppe auch im Wärmemarkt, wo mit der Umrüstung auf effiziente Brennwertkessel schnell und sozialverträglich CO2 eingespart werden könnte. Und Erdgas sei in der Lage, anders als andere konventionelle Energieträger, einen grünen Entwicklungspfad zu gehen. Dabei hat er neben Biogas insbesondere Power-to-Gas (PtG) im Blick – als aktuell einzige langfristige Speicheroption für Wind- und Sonnenenergie.

Vorzeigeprojekte für Grünes Gas

Uniper selbst engagiert sich in verschiedenen Vorzeigeprojekten. So hat man bereits 2013 im brandenburgischen Falkenhagen die nach eigenen Angaben international erste Demonstrationsanlage zur Speicherung von Windstrom im Erdgasnetz errichtet. Die PtG-Anlage mit einer Leistung von zwei MW erzeugt mittels alkalischer Elektrolyse bis zu 360 Nm3/h. Im Mai 2018 ging eine zusätzliche Methanisierungsstufe in Betrieb. Dabei wird der grüne Wasserstoff mit CO2 aus einer Bio-Ethanol-Anlage zu synthetischem Erdgas umgewandelt. Die Anlage produziert mittlerweile pro Tag bis zu 1.400 m3 an grünem Gas.

Seit kurzem testet Uniper die Proton Exchange Membrane(PEM)-Elektrolyse in einer weiteren PtG-Anlage in Hamburg-Reitbrook. Partner des Projekts mit einer Erzeugungskapazität von 290 Nm3/h grünem Wasserstoff sind Thyssenkrupp Industrial Solutions, der Verband DVGW und das Karlsruher KIT. Im Vergleich zu herkömmlichen Elektrolyseuren sind hier die Energieverluste geringer: Der Wirkungsgrad der PEM-Anlage liegt bei 70 Prozent. Zudem weist der erzeugte Wasserstoff einen höheren Reinheitsgrad auf, sodass die sonst häufig notwendige aufwändige Reinigung entfällt.

Und auch beim Fuel-Switch macht man Nägel mit Köpfen. So werden am Kraftwerk Scholven bei Gelsenkirchen die steinkohlegefeuerten Energieerzeugungsanlagen in der Zukunft durch erdgasbefeuerte ersetzt. Damit verringern sich die CO2-Emissionen um 40 Prozent. Langfristig könnte das Kraftwerk zudem mittels grünem Gas aus PtG-Anlagen oder Bioerdgas immer klimafreundlicher betreiben werden. Die Arbeiten zum Bau der GuD-Anlage mit zwei Gasturbinen und einem Dampfkessel werden voraussichtlich bis 2022 abgeschlossen sein. Dabei reduziert die Umstellung auf Gas nicht nur deutlich die CO2-Emissionen, sondern auch den Lärm, da das Gas künftig per Pipeline angeliefert wird.

Zudem hat Uniper vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet den Zuschlag zum Bau eines 300-MW-Gaskraftwerks in Irsching bei Ingolstadt erhalten. Die Anlage wird von Uniper gebaut und betrieben und soll ab dem 1. Oktober 2022 in besonderen Notsituationen als „Sicherheitspuffer“ in der Stromversorgung bereitstehen. Als sogenanntes „besonderes netztechnisches Betriebsmittel“ wird sie nicht dem Markt zur Verfügung stehen, sondern kurzfristig einspringen, wenn die Systemsicherheit gefährdet ist.

Grüne Energieprodukte

Geschäftsführer Schweppe ist sich sicher: „Im zweigeteilten Energiemarkt braucht es Unternehmen wie Uniper, die die Aufrechterhaltung einer stabilen Versorgung garantieren.“ Dabei geht man bei Uniper Energy Sales auch in der Energiebeschaffung neue Wege. Der dominierende Trend sind laut Schweppe grüne Energieprodukte. So habe man 2018 erstmals zehn Millionen Herkunftsnachweise (HKN) aus Wasserkraft verkauft – doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch die Nachfrage nach Biogas zeigt laut Schweppe, dass das Thema Klimaschutz verstärkt in deutschen Unternehmen angekommen ist. Allein Uniper Energy Sales lieferte 2018 rund 900 GWh Biomethan an Industrieunternehmen und Stadtwerke. Der Vorteil so Schweppe: „Die Unternehmen sparen nicht nur CO2 sondern auch Kosten, denn sie müssen weniger CO2-Zertifikate erwerben.“ Zudem erfüllten sie die Anforderungen aus den eigenen Nachhaltigkeitsstrategien, ohne dass sie dafür in teure neue Technologien investieren müssten. Der Geschäftsführer ist überzeugt: „Die Nachfrage nach grünem Gas wird weiter zunehmen und ist klar Teil der Lösung für das Gelingen der Energiewende.“

Digitalstrategie im Vertrieb

Doch auch bei der Digitalisierung geht man bei Uniper neue Wege (siehe Interview). Schweppe verweist hier auf eine von Uniper selbst in Auftrag gegebene Studie. Danach sind digitale Kanäle – Einkauf per E-Mail oder via digitalem Beschaffungsportal – die von Energieeinkäufern aus der Industrie mit rund 62 Prozent bereits am häufigsten genutzte Option – Tendenz steigend. Die Erwartung liegt hier vorrangig in der Kostenersparnis. „Wir verfolgen das Anliegen, den Beschaffungsprozess für Einkäufer immer weiter zu optimieren und setzen uns daher intensiv mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinander“, berichtet der Geschäftsführer. Hier stehe insbesondere die Vereinfachung von Prozessen im Vordergrund: „Digitale Kanäle müssen aktuell und interaktiv sein und Beschaffungsprozesse beschleunigen“, skizziert er die Anforderungen.

Die Lösungen

Konkret bietet Uniper in diesem Bereich aktuell drei digitale Lösungen an: Uniper Digital, Uniper Direkt und Energiepreis-Online. Die Online-Plattform Uniper Digital ermöglicht es EVU und Industriekunden, zum einen ihren Energiebezug zu verwalten und zum anderen Energieeinkauf und -handel zu koordinieren. Mit Uniper Direkt hat man einen der ersten Energie-Onlineshops für Industrie und Mittelstand entwickelt, mit dessen Hilfe auch RLM-Kunden ihre Energie online beschaffen können. Dieses Modell stellt Uniper als volldigitalisierten Whitelabel-Vertriebskanal unter dem Namen Energiepreis-Online seit einiger Zeit auch Stadtwerken und Energieversorgern zur Verfügung. Schweppe verweist hier auf die Vorreiterrolle seines Arbeitgebers: „Mittlerweile folgen weitere Energieunternehmen unserem Beispiel und bringen vergleichbare Plattformen auf den Markt. Damit holt der B2B-Sektor nach, was im B2C-Geschäft bereits seit Jahren Verwendung findet.“

Bildergalerie

  • Bereits seit 2013 speichert die PtG-Anlage im brandenburgischen Falkenhagen Windstrom im Erdgasnetz.

    Bild: Uniper

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