Michael Wahl absolvierte zuerst eine Ausbildung als Elektriker und später an der FH Trier ein Studium als Elektroingenieur. Danach arbeitete er bei ABB, wo er als Projektleiter das erste Windenergieprojekt realisierte. Mit dem Ziel nur im Bereich der erneuerbaren Energie zu arbeiten, gründete er 1999 zusammen mit dem Diplomkaufmann Torsten Szielasko die Gesellschaft für Alternative Ingenieurtechnische Anwendungen, kurz Gaia.

Bild: Tobias Schwerdt

Grüne Energien als stabilisierende Faktoren „Die Genehmigungsdauer bei Windenergieprojekten hat sich mehr als verdoppelt“

17.09.2020

Die Länder dürfen von der durch die Bundespolitik festgelegten 1.000 Meter Abstandsregelung für die Windkraft abweichen. Jetzt hänge es von ihnen ab, ob Anlagen, die demnächst aus dem EEG ausfallen, durch wenige neue, leistungsstärkere und leisere Anlagen ersetzt würden, sagt der Geschäftsführer des Planungsbüros Gaia.

Michael Wahl ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 50 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Seine Bestandsaufnahme der Energiewende fällt vernichtend aus: „Ein Sammelsurium von teilweise unausgegorenen Maßnahmen zu Verhinderung der Klimakrise“, klagt Michael Wahl. Um das Ganze wieder geradezurücken, schlägt der Gaia-Geschäftsführer drastische Maßnahmen vor. So ist er der Meinung, dass die „Verursacher des Klimawandels“, die großen Industriekonzerne und Energieversorger, sich ihrer Verantwortung stellen müssen. Anstatt der Kohleindustrie 4,35 Milliarden Euro im Rahmen des Kohleausstiegsgesetz zu überlassen, empfiehlt Wahl, das Geld in Klimaschutz, in Forschung für klimafreundliche Technologien oder in die Förderung erneuerbarer Energien zu investieren.

Der Chef des unabhängigen rheinland-pfälzischen Planungsbüro für Wind und PV-Anlagen in fast allen Größenordnungen fordert eine rasche Nachfolgeregelung für die Post-EGG-Anlagen: „Bereits Ende dieses Jahres fallen Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 4000 MW und Solaranlagen mit weiteren 114 MW Leistung aus der EEG-Förderung aus. Um eine große Lücke zu vermeiden und die Ausbauziele der Erneuerbaren in den kommenden Jahren nicht zu gefährden, ist es wichtig, dass die Regierung klare Rahmenbedingungen festlegt, um einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Windenergie- und PV-Anlagen zu ermöglichen oder zu repowern.“ Seinen Beitrag zur Energiewende leistet beispielsweise eine über 230 Meter hohe Windenergieanlage von Gaia in Mainz, die Strom für fast 10.000 Menschen erzeugt. Oder eine PV-Anlage in Maxdorf, eine Gemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis, mit einer Leistung von fast 3 MW und einer Stromerzeugung für 3000 Menschen. Auch die Firmenzentrale des Lambsheimer Unternehmens, ein Gebäude der ehemaligen Kofferfabrik Goldpfeil, erwirtschaftet mehr Energie als sie selbst benötigt. Dafür sorgen in dem Altbau aus dem Jahr 1904 entsprechende Bausanierungsmaßnahmen und die Kombination aus Photovoltaik, BHKW und Wärmepumpe.

Schwieriges Marktumfeld

Dabei wird das Marktumfeld für die Planungsbüros durchaus schwieriger. „Die Dauer bis ein Windenergieprojekt genehmigt ist, hat sich im Vergleich zu unseren ersten Projekten vor 20 Jahren mehr als verdoppelt“, sagt Wahl. Damals hatte es rund 2 Jahren gedauert, heute sind es im Durchschnitt etwa 5 Jahre. Hinzu kommt das Nachwuchsproblem. „Qualifizierte und motivierte Fachkräfte sind entscheidend“, sagt Wahl. Im Bereich der erneuerbaren Energien sind vor allem Elektrotechniker und Ingenieure von Bedeutung. Aber gerade in diesen Fachrichtungen sind entsprechende Mitarbeiter stark gefragt, so die Beobachtung des Elektroingenieurs.

Als seinen größten beruflichen Schritt bezeichnet Wahl die Gründung des Unternehmens mit heute rund 50 Mitarbeitern, obwohl dies nicht problemlos war. „Eine Firma mit wenig Führungserfahrung aufzubauen, bedeutet Wachstumsschmerzen“, sagt der Geschäftsführer. Im Rückblick kommt er zum Schluss, dass die Begleitung durch einen vertrauten Mentor wahrscheinlich die bessere Option gewesen wäre. Gelernt hat er trotzdem in dieser Zeit, dass das Bauchgefühl nicht der schlechteste Ratgeber ist, allerdings auch nicht der alleinige Maßstab bei Entscheidungen. Dieses hilft ihm auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Nach Wahls Einschätzung ist die Krise noch lange nicht vorbei. Dabei komme seinem Unternehmen jedoch der Umstand zugute, dass man es gewohnt ist, über längere Zeiträume zu planen. Auch wenn diese im aktuellen Projektgeschäft gerne etwas kürzer ausfallen dürften.

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