Der Schokoladenhersteller Ritter setzt seit Längerem auf neue Energiekonzepte. Dafür wird das Familienunternehmen jetzt als „GreenTech BW Spotlight“ ausgezeichnet – ein Projekt, das vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden‑Württemberg gefördert wird. „Mit unserer modernen Wärme- und Kälteversorgung zeigen wir, dass die industrielle Transformation konkret und wirtschaftlich machbar ist“, betont Asmus Wolff, Geschäftsführer Supply Chain bei Ritter.
Abwärme als Energiequelle in der Produktion
Auf dem Betriebsgelände im schwäbischen Waldenbuch nimmt Ritter fünf Großwärmepumpen in Betrieb und stellt damit die Wärmeversorgung nahezu vollständig auf ein hocheffizientes, CO2-sparendes System um. Zwei Wärmepumpen laufen bereits im Regelbetrieb, drei weitere kommen im Laufe des Jahres hinzu. Im Gegensatz zu den aus Privathaushalten bekannten Luft-Wasser-Wärmepumpen, bei denen die Umgebungsluft als Wärmequelle dient, nutzen die Wasser-Wasser-Großwärmepumpen bei Ritter die im Produktionsprozess entstehende Abwärme. Mit den fünf Wärmepumpen, die zusammen rund 12.000 MWh erzeugen, deckt Ritter künftig rund 90 Prozent seines Wärmebedarfs und ersetzt etwa 25.000 MWh Gas jährlich.
Nachhaltige Wärme und klimafreundliche Kälte
Die Umstellung auf Wärmepumpen ist Teil einer energetischen Gesamtstrategie, mit der Ritter die Wärme- und Kälteversorgung am Standort Waldenbuch modernisiert. Ein zentraler Baustein dafür war die Inbetriebnahme einer Hybrid-Kühlanlage. Diese ermöglicht nicht nur eine wasserarme Kühlung, sondern reduziert auch den Trinkwasserverbrauch um rund 20.000 m3 pro Jahr. Zudem schafft sie die Voraussetzung für eine optimale Abwärmerückgewinnung. Bei den Wärmepumpen wird Ammoniak als Kältemittel genutzt, ein natürliches Gas mit bestem Wirkungsgrad. Das sogenannte Global Warming Potential (GWP) von Ammoniak liegt bei null. Mit dem GWP wird angegeben, wie stark ein Kältemittel zur Erderwärmung beiträgt, wenn es in die Atmosphäre gelangt.
Klimaziele: Reduktion statt Kompensation
Mit den fünf Wärmepumpen wird Ritter rund 90 Prozent der CO2-Emissionen in Scope 1 einsparen. Damit ist der Schokoladenhersteller in Scope 1 und Scope 2 nahezu klimaneutral – und das ohne ausgleichende Klimazertifikate. Das Konzept zur Wärme- und Kälteversorgung ist somit ein wichtiger Schritt, um die eigenen, ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Im Rahmen der Science Based Targets Initiative (SBTi) hat sich Ritter verpflichtet, bis 2030 sämtliche Emissionen um 42 Prozent im Vergleich zu 2021 zu reduzieren und somit das 1,5-°C-Ziel der Vereinten Nationen zu erreichen.