Dirk Briese ist seit 2001 als Geschäftsführer von Trendresearch – Institut für Trend- und Marktforschung verantwortlich tätig. Dort verantwortet der Diplom-Kaufmann die Geschäftsentwicklung und die Erstellung und Durchführung von Due Diligence-Projekten sowie ausgewählten Gutachten und Exklusivstudien. Zudem ist er seit Dezember 2009 Geschäftsführer des Bundesverbands der Energiemarktdienstleister (BEMD e.V.).

Bild: Sebast1an Dreier

Marktforschung und Corona-Krise „Die Coronakrise wird zu einer starken Veränderung von Arbeitswelt und Prozessen führen.“

09.09.2020

Die zunehmende Unsicherheit infolge der Corona-Pandemie fördert den Bedarf an seriösen und fundierten Studien. Eine Langzeitprognose hinsichtlich der konkreten Folgen für die Energiewirtschaft ist aber auch für Marktforscher derzeit noch schwierig.

Dirk Briese ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 50 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Die Corona-Krise bringt für einen Marktforscher ganz eigene Herausforderungen mit sich – unter anderem wird die Erstellung von Prognosen und Szenarien komplexer. Auf der anderen Seite bieten sich aber auch Chancen. „Die Kunden haben mehr Zeit für Projekte, die sie schon immer mal machen wollten und die zunehmende Unsicherheit im Markt fördert natürlich den Bedarf an seriösen, fundierten und transparenten Studien“, sagt Dirk Briese, Geschäftsführer von Trendresearch. Das Institut für Trend- und Marktforschung hat kürzlich eine Studie erstellt, in der es auf rund 140 Seiten die verschiedenen negativen wie auch positiven Auswirkungen der Krise für die gesamte Wertschöpfungskette der Energiewirtschaft analysiert hat.

Verluste auf fast allen Stufen der Wertschöpfungskette

Bestandteil der Studie ist unter anderem ein Vergleich mit anderen Pandemien und Krisen. Die Marktforscher sehen hier kein Ereignis dieser Art, das sich so schnell global verbreiten konnte und beinahe die gesamte Weltwirtschaft zu Maßnahmen zwang. Heruntergebrochen auf die Energiewirtschaft haben die Marktforscher Verluste auf fast allen Stufen der Wertschöpfungskette ermittelt. Konkret lauten die Folgen: Durch den hohen Produktionsrückgang in der Industrie sinkt die Stromnachfrage, die Netze werden weniger ausgelastet, vorab beschaffte Energiemengen werden zurückgegeben und der Strompreis fällt, kurzfristig sogar ins Negative.

Zeitgleich gilt eine Branche als Profiteur der mit der Krise einhergehenden höheren Nachfrage nach digitalen Lösungen: die Energiemarktdienstleister. Hier attestieren die Studienautoren ein stärkeres Interesse an Robotik, Automatisierungsprozessen und Self Service oder Liquiditätsanalysen, sowie auch einen sehr kurzfristig hohen Bedarf an Home-Office- und Webkonferenz-Lösungen. Dies dürfte Briese freuen, ist er doch auch Geschäftsführer des auf diese Branche fokussierten Verbands BEMD.

Fragestellungen werden anspruchsvoller

Auch ein Marktforschungsunternehmen selbst muss sich jedoch mit immer digitaleren und flexibleren Prozessen auseinandersetzen. Zudem werden nach der Wahrnehmung des Trendresearch-Chefs die Fragestellungen anspruchsvoller, da die Kunden zunehmend über eine bessere eigene Informationsbasis verfügten. Auch deshalb geht Briese davon aus, dass für Marktforscher die Balance zwischen wettbewerbsfähigen Preisen und einem gesunden Geschäftsmodell mit motivierten Mitarbeitern immer schwieriger zu halten sein wird.

Nach über 22 Jahren umfasst die Datenbank des Trend- und Marktforschungsinstituts über 14 Millionen Daten – eine gute Basis für die inzwischen über 600 erstellten Studien in sich stark wandelnden Märkten. Zielbranche ist dabei neben der Energie- auch die Abfallwirtschaft. Hier untersucht Trendresearch aktuell in einer Studie über die Klärschlammentsorgung bis 2030 die durch Bauprojekte von Monoverbrennungsanlagen entstehenden möglichen Überkapazitäten am Markt. Für Briese ein erneuter Beweis dafür, dass es von Vorteil ist, schnell zu sein und schlanke Strukturen zu haben, um solche Projekte als erste umzusetzen und am Markt zu etablieren.

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