Andreas Hennecke, MBA, ist Produktmarketingmanager bei Pepperl+Fuchs und verantwortlich für digitale Kommunikation in der Prozessautomation. Vor seiner Anstellung bei Pepperl+Fuchs war er in den Bereichen Entwicklung, technischer Support, Engineering und Marketing in Deutschland und international tätig. Andreas ist Botschafter für Ethernet-APL: den Physical Layer, der die durchgängige, barrierefreie Kommunikation im Feld von Prozessanlagen ermöglicht. Er ist Mitglied des Beirats der Profibus Nutzerorganisation: Profinet und Profibus International.

Bild: Pepperl+Fuchs

Andreas Hennecke, Pepperl + Fuchs Das Smartphone ist das neue Multimeter

18.11.2021

Veränderung kommt, wenn der erwartete Aufwand geringer ist als der zu erwartende Nutzen. Dies gilt besonders für die Prozessindustrie: Änderungen in Technik, im Denken und Handeln haben weitreichende Konsequenzen, weswegen neue Technologien ein hohes Maß an Einfachheit und Robustheit sowie einen Mehrwert bieten müssen. Wird Ethernet-APL diesen Lackmustest bestehen? Schafft diese Technologie die Digitalisierung des Felds und damit den Upgrade des Multimeters?

Vor 70 Jahren erlernten Techniker nur widerwillig den Umgang mit einem neumodischen Messgerät, dem Multimeter. Damit lassen sich Stromschleifen sehr einfach vor Ort diagnostizieren: einfach, robust, zuverlässig. Digital ist das nicht. Das Feld der Prozessanlage gehört zu den „dunklen Flecken“ auf der Landkarte der Digitalisierung.

Und hier kommt die Expertise von Pepperl+Fuchs ins Spiel: wir leisten Technologien und Lösungen an den Stellen Vorschub, an denen sie unpraktisch, unmöglich oder unprofitabel erscheinen. Der Advanced Physical Layer (Ethernet-APL) bringt Ethernet in das Feld der Prozessanlage. 2021 findet er seine Veröffentlichung in Standards und steht damit allen Marktteilnehmern zur Verfügung – ein lang ersehnter Höhepunkt in einer mittlerweile zwölf Jahre andauernden Entwicklung.

Für einen mittelständischen Lieferanten der Prozessindustrie wie Pepperl+Fuchs ist die Definition und Schaffung eines Physical Layers, der weltweit Akzeptanz finden soll, eine große Herausforderung. Dieses Ziel ist nur durch Kollaboration erreichbar: mit zwölf Herstellern, mit denen man gemeinsam Probleme löst und technische Verbesserungen vorwärts treibt; und mit Anwendern, die ihre Bedürfnisse und Praxis einbringen.

Ethernet-APL bildet die Brücke für praxiserprobte Protokolle, durchgängig bis in die entferntesten Winkel einer Anlage. Apps auf Smartphone, Tablet und PC können direkt und parallel auf Instrumentendaten zugreifen. Den Anwendern erschließen sich dadurch ganz neue Möglichkeiten: Dokumentation direkt vom Gerät einsehen, Datenstände synchronisieren, Diagnosen erfassen, Parametrierung anpassen und noch viele weitere Szenarien. Das hohe Potential zeigt sich bereits in dem großen Interesse von Verbänden wie der NAMUR oder der Open Process Automation Foundation.

Und der Lackmustest? Anwender können sich ab jetzt selbst ein Bild hinsichtlich Einfachheit, Robustheit und Zuverlässigkeit machen. Ethernet-APL ist Ethernet: die Technologie, mit der wir im Büro und mittlerweile daheim selbstverständlich umgehen. Ethernet-APL bringt Bekanntes aus der Installation von Kabel und Klemme, Kommunikation und Stromversorgung über eine Zweidrahtleitung bis zum Explosionsschutz. Diese Eigenschaften versprechen Bekanntheit im Umgang. Das über die Jahrzehnte liebgewordene Multimeter erfährt jetzt sein Upgrade zum Smartphone.

Von Ethernet-APL erhoffe ich mir, dass dies die gemeinsame Datenautobahn wird, auf die Anwender und Lieferanten gleichermaßen aufsetzen werden. Der Nutzen durch bessere Daten, smarte Apps und damit verbunden hohe Sicherheitsstandards und Qualität in allen Aspekten ist enorm.

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