Jörg Freitag, General Manager Siemens Power Supplies: „Der Fokus bei der Entwicklung der Stromversorgung lag auf universellem Einsatz, attraktiven Anschaffungskosten sowie einer in diesem Segment einzigartigen Funktionalität und Usability.“

Bild: Siemens

Interview über Allrounder-Netzgerät mit Zustandsüberwachung „Check-up auf einen Blick“

08.03.2019

Eine Stromversorgung muss zuverlässig ihren Dienst verrichten. Denn gibt es Probleme, kann die ganze Anlage stillstehen. Bei der neuen Serie Sitop PSU6200 von Siemens sorgt ein integrierter Diagnosemonitor für hohe Transparenz und Sicherheit. Außerdem überzeugt der Allrounder durch attraktive Preise und hohe Usability, wie Jörg Freitag, General Manager Siemens Power Supplies und Thorsten Herbert, Leitung Produktmanagement Siemens Power Supplies, im Gespräch mit der A&D erläutern.

Was waren die Beweggründe für die Entwicklung der neuen Serie Sitop PSU6200?

Freitag:

Die neue Serie ist eine Reaktion auf aktuelle Kundenanforderungen, wie beispielsweise schmale Baugröße, optimierter Wirkungsgrad und hohe Robustheit. Außerdem bieten wir mit der Sitop PSU6200 erstmals umfassende Diagnosemöglichkeiten im Standardsegment und eine Push-in-Anschlusstechnik. Der Fokus bei der Entwicklung der Stromversorgung lag auf universellem Einsatz, attraktiven Anschaffungskosten sowie einer in diesem Segment einzigartigen Funktionalität und Usability.

Sie beschreiben die PSU6200 als Allrounder. Was sind dennoch die typischen Einsatzgebiete der 12-V- und 24-V-Varianten?

Herbert:

Der Schaltschrank- und Maschinenbau sind natürlich die primären Einsatzgebiete der PSU6200. Im Endeffekt bietet sich die Serie aber überall dort an, wo Kunden viel Wert auf die kompakten Abmessungen und auf Effizienz legen. Und bei Effizienz meinen wir neben der Leistungselektronik auch die Montagefreundlichkeit sowie die einfache Projektierung.

Der Eingang der PSU6200 ist mit AC 120-230 V und DC 110-250 V sehr universell ausgelegt. Decken Sie damit aus Ihrer Erfahrung heraus alle wichtigen Versorgungsquellen ab?

Herbert:

Ja, damit decken wir alle einphasigen Stromnetze weltweit ab. Mit dem DC-Bereich unterstützen wir zum Beispiel auch noch batteriebetriebene Systeme. Kunden, die Ihre Maschinen und Schaltschränke international vertreiben, müssen sich bei Verwendung der PSU6200 also keine Gedanken über die Stromversorgung machen.

Einfache und werkzeuglose Montage wird gerade im Schaltschrankbau zunehmend wichtig. Wie unterstützt das die PSU6200?

Freitag:

Richtig, die Montage darf nicht viel Zeit kosten! Deswegen ermöglichen wir eine werkzeuglose Verdrahtung durch Push-in-Klemmen, und die Montage an der Hutschiene erfolgt durch simples Einschnappen. Die eindeutige Klemmenbeschriftung reduziert auch mögliche Fehler bei der Verdrahtung.

Viel Wert wurde bei der Entwicklung der PSU6200 auch auf eine hohe Ausfallsicherheit gelegt. Wie resistent ist die Stromversorgung gegenüber Unter- und Überspannungen?

Herbert:

Die PSU6200 kann AC-Überspannungen bis zu einem Maximum von 300 V für 30 s gefahrlos abfedern. Und bei Unterspannungen wird der sichere Betrieb selbst bis 85 V noch aufrechterhalten. Damit verhindern wir Ausfälle in extrem asymmetrisch belasteten Netzen. Ein weiterer Aspekt, auf den wir großen Wert gelegt haben, ist die Festigkeit gegenüber kurzzeitigen Überspannungsimpulsen. Diese werden durch Schalthandlungen oder auslösende Sicherungen verursacht. Unsere Stromversorgung kann 2 kV symmetrische und 4 kV asymmetrische Überspannungsimpulse sicher überstehen – mit einer Dauer von mehreren Mikrosekunden.

Überspannung ist ein Thema, aber was passiert bei kurzfristigen Spannungsausfällen?

Freitag:

Für diese Fälle gibt es einen internen Pufferspeicher, der eine volle Periodendauer von 20 ms überbrückt. Optional lässt sich jede PSU6200 mit unserem externen Puffermodul PSE201U erweitern. Dann sind 20 A Stromstärke über einen Zeitraum von bis zu 400 ms möglich. Wer bis in den Stundenbereich Spannungsausfälle kompensieren will, kann natürlich auf unsere USVs wie die UPS1600 zurückgreifen.

Gerade bei Einschaltvorgängen treten oft hohe Lastspitzen auf. Welchen Überstrom kann die PSU6200 liefern?

Herbert:

Die Stromversorgungen ermöglichen eine Überlastfähigkeit von 150 Prozent für bis zu 5 s. Steigt die Überlast weiter und sinkt die Ausgangsspannung auf 15 V, dann geht das Netzgerät zum Selbstschutz in den Hiccup-Modus. Mit unseren Stromversorgungen wollen wir immer ein Rundumschutzkonzept anbieten, damit der Betrieb maximal störungsfrei abläuft. So lassen sich auch zwei PSU6200 im Redundanzmodus betreiben und über zwei verschiedene Quellen speisen – beispielsweise ein Netzgerät wird über AC und das zweite über DC versorgt. Und über Selektivitätsmodule werden Störungen einzelner Verbraucher wie Kurzschlüsse abgesichert – alles lässt sich modular kombinieren.

Eine Besonderheit der PSU6200 ist der integrierte Diagnosemonitor. Was zeigen die LEDs dem Anwender für Zustände an?

Herbert:

Damit wird dem Anwender auf einen Blick angezeigt, ob alles im grünen Bereich ist! Leuchtet die oberste LED grün, so sind alle Ausgangsspannungen in Ordnung. Die vier LEDs darunter signalisieren wie ein Equalizer das Niveau der Auslastung in den Stufen 30, 60 und 90 Prozent. Erst darüber haben wir eine Signaländerung von grün auf orange und der Betreiber sieht, der Strombedarf wächst in einen erhöhten Bereich und er kann handeln. Schaltschrankbauer oder Projekteure sehen dank des Diagnosemonitors auch bei der ersten Inbetriebnahme sofort, ob alles richtig dimensioniert wurde und die Leistungsreserve eingehalten wird. Die PSU6200 bietet damit einen Mehrwert für Kunden, der einzigartig in seiner Klasse ist.

Dann gibt es auch eine LED zur Anzeige der Restlebensdauer. Welche Faktoren spielen hier eine Rolle?

Herbert:

Vereinfacht ausgedrückt summieren wir hier die Betriebsstunden der Stromversorgung auf. Und bei Erreichen von 90 Prozent der errechneten Lebensdauer – deutlich über zehn Jahre bei industrietypischen Anwendungen – schaltet die LED von grün auf gelb um.

Die PSU6200 bietet auch eine Diagnoseschnittstelle. Welche zusätzliche Information erhalten Anwender darüber?

Freitag:

Über den digitalen Eingang einer SPS lassen sich alle Informationen wie Strom, Spannung, Temperatur und Status auslesen. Das funktioniert auch mit Steuerungen, die nicht von Siemens kommen. Für unsere Simatic S7 bieten wir zusätzlich einen kostenfreien Funktionsbaustein für die Datenauswertung an, und Faceplates sorgen für die schnelle Visualisierung – beispielsweise in SCADA-Systemen.

Die neuen Stromversorgungen erfüllen bereits die für voraussichtlich 2020 geplante EMV-Norm für DC-Ausgänge. Welche Vorteile haben Kunden davon?

Herbert:

Die Anforderungen an EMV steigen stetig und wir wollen unsere Geräte so früh wie möglich darauf vorbereiten. Der Nutzen für den Kunden ist natürlich, dass auch seine Maschine, sein Schaltschrank oder seine Anlage EMV-Normen einhalten müssen. Und je geringer unsere EMV-Werte sind, desto einfacher machen wir es natürlich dem Kunden, seine Vorgaben einzuhalten.

Wie differenziert sich die neue Sitop PSU6200 vom Wettbewerb?

Herbert:

Das ist die Summe der Einzeleigenschaften, die unsere PSU6200 einzigartig auf dem Markt macht. Die Kombination an Wirkungsgrad, Baubreite, Ausfallsicherheit, Diagnosefähigkeit und Modularität finden Sie in dieser Leistungsklasse einfach nirgends.

Freitag:

Hinzu kommt ganz klar die einfache Usability, die dem Anwender in der täglichen Arbeit viel Zeit und Geld spart. Und wenn das Automatisierungsumfeld im TIA-Portal projektiert wird, erleichtert das nochmals die Auswahl und Dimensionierung der Stromversorgung. Außerdem lässt sich die PSU6200 dann auch per Mausklick direkt kaufen.

Wann sind die Stromversorgungen der PSU6200-Familie lieferfähig?

Freitag:

Wir liefern die Stromversorgungen seit Februar 2019 aus. Durch die Produktion der PSU6200 in unseren Werken in Österreich und Rumänien realisieren wir schnelle Reaktionszeiten. Dadurch kann die Auslieferung innerhalb kürzester Zeit nach der Bestellung erfolgen.

Weiterführende Informationen zur PSU6200-Familie lesen Sie in unserer Titelstory der A&D-Ausgabe 3.2019.

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