Inhouse oder externes Monitoring?

Zustandsüberwachung für Wind: Vorteile und Herausforderungen

Zustandsüberwachung von Windenergieanlagen verlangt Sensorik, Datenaufbereitung und Schwingungsanalyse. Betreiber stehen vor der Frage, ob sie diese Aufgabe selbst übernehmen oder auslagern.

Bild: iStock, michellegibson
13.09.2026

Produktivität und Verfügbarkeit entscheiden über die Rentabilität von Windenergieanlagen. Betreiber sind deshalb bestrebt, die Wartung zu verbessern, um höchste Zuverlässigkeit zu niedrigsten Kosten zu erreichen. Mit einer Zustandsüberwachung können Wartungsentscheidungen unterstützt, potenzielle Kosteneinsparungen identifiziert und unvorhergesehene Betriebsausfälle vermieden werden. Heißt dies jedoch, dass Betreiber ein entsprechendes Monitoring selbst aufbauen müssen?

Selbst machen oder einen Dritten beauftragen? Vor dieser Frage stehen Entscheider immer dann, wenn eine neue Aufgabe außerhalb der Kernkompetenz des Unternehmens liegt. Eine pauschale Antwort darauf gibt es selten, denn die perfekte Lösung ist allzu oft von vielen Faktoren abhängig. So ist es auch bei der Zustandsüberwachung.

Herausfordernde Aufgabe

Das Zustandsmonitoring von Windenergieanlagen ist eine komplexe Kunst. Sensoren unterschiedlichster Couleur sind an ausgewählten Stellen des Antriebsstrangs, der Rotorblätter und des Turms angebracht. Sie liefern kontinuierlich eine Fülle von Rohdaten. Aber ohne Aufbereitung sind diese Daten wertlos. Denn nur durch aufbereitete Daten lassen sich die zahlreichen möglichen Auswirkungen kleiner Veränderungen im Laufe der Zeit auf bestimmte Sensormesswerte sichtbar machen, interpretieren und potenzielle Folgen abschätzen.

Hinzu kommt, dass Condition-Monitoring-Analysten mit immer komplexeren Berechnungsverfahren arbeiten, um vorherzusagen, was eine Änderung der Messdaten für die Windkraftanlage bedeutet. Diese Algorithmen werden anhand jahrelanger Daten von einer Vielzahl unterschiedlicher Windturbinentypen trainiert und laufend überprüft.

Komplexes Zusammenspiel

Neben der Hard- und Software zur Überwachung sowie einem geeigneten Visualisierungswerkzeug braucht es das notwendige Fachwissen: Dazu gehört vor allem Experten-Know-how in der Schwingungsanalyse. Das bedeutet jedoch nicht nur eine Ausbildung auf fortgeschrittenem Niveau, sondern auch, dass man über einen langen Zeitraum mit einer Vielzahl von Anlagen gearbeitet hat, um die tatsächliche Bedeutung und Signifikanz von Veränderungen in den Daten zu verstehen. Ist der Analyst überdies mit dem zu überwachenden Turbinentyp vertraut, ermöglicht dies präzisere Aussagen darüber, welche Ausfallmechanismen am wahrscheinlichsten sind. Gleichzeitig hilft es bei der Beurteilung, ob und gegebenenfalls welche Abhilfemaßnahmen entweder vor Ort oder durch einen tiefergehenden Remote-Eingriff durchgeführt werden können.

Inhouse oder extern?

Betreiber mit einer großen und perspektivisch wachsenden Anzahl von Turbinen suchen zur Überwachung ihrer Anlagen meist nach Inhouse-Lösungen. Sind es hingegen nur wenige zu kontrollierende Systeme, kann ein kompletter Service durch einen externen Partner die bessere Lösung sein. Monitoring-Experten übernehmen im Auftrag des Betreibers alle Zustandsüberwachungsprozesse und geben Empfehlungen an das Team, das für die Planung der Wartungsmaßnahmen vor Ort zuständig ist.

Individueller Unterstützungsgrad

Denkbar sind jedoch auch hybride Modelle, bei denen der Betreiber den gewünschten Grad der Unterstützung durch den externen Anbieter selbst definiert. Denn vielleicht fehlt nur ein Puzzleteil zur konsequenten und kompletten Eigenleistung – wie ausreichende Ressourcen, Infrastruktur und Werkzeuge oder entsprechendes Fachwissen.

Eine erhebliche Entlastung der eigenen Ressourcen kann beispielsweise durch ein Outsourcing des Daten-Screenings erreicht werden. Bachmann Monitoring bietet dazu beispielsweise einen Service an, der das Hosting der Daten sowie die täglichen Routineprozesse zur Überprüfung der Datenqualität und die Beseitigung von Fehlalarmen umfasst: Nur neue Informationen über den Maschinenzustand werden an das Support-Team des Betreibers weitergeleitet. Darüber hinaus kann ein zertifiziertes Schulungsangebot dem Team des Betreibers helfen, die erforderlichen technischen Kenntnisse der Schwingungsanalyse zu erwerben.

Wollen Betreiber jedoch eine eigene Überwachung etablieren, ohne selbst in die dafür notwendige, kostenintensive IT-Infrastruktur investieren zu müssen, bietet sich das reine Daten-Hosting an: In einer Cloud-Lösung übernehmen die Betreiber die volle Verantwortung für ihre eigene Zustandsüberwachung. Falls sie zu einem späteren Zeitpunkt auch das Hosting ihrer Daten selbst übernehmen wollen, bietet der Anbieter die notwendige Unterstützung einschließlich Lizenzpaketen und technischem Support an.

Zuverlässig in Partnerschaft

Die Entscheidung, Condition Monitoring ins eigene Haus zu holen, ist komplex, und es gibt keine Einheitslösung für alle. Für einen Betreiber, der die Kontrolle über die Zustandsüberwachung seiner Windenergieanlagen behalten möchte, könnte eine Hybridlösung die bestmögliche Option sein. Bei spezialisierten Anbietern kann er dabei auf die transparente Überwachung seiner Anlagen und hohe Datensicherheit vertrauen. Der Betreiber sollte dabei einen kompletten Zugang zu allen Monitoring-Daten erhalten, damit er einen vollständigen Überblick zum Status seiner Anlagen bekommt, seine eigenen Entscheidungen treffen und seine eigene Überwachungsstrategie umsetzen kann. In besonders schwierigen Fällen sollte er jedoch die Möglichkeit haben, auf die Beratung und Unterstützung seines Dienstleistungspartners zurückzugreifen.

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  • Visualisierungswerkzeuge wie forsiteSCADA ermöglichen einen umfassenden Blick auf den gesamten Windpark und die einzelnen Anlagen.

    Visualisierungswerkzeuge wie forsiteSCADA ermöglichen einen umfassenden Blick auf den gesamten Windpark und die einzelnen Anlagen.

    Bild: Bachmann electronic

  • Turbine, Triebstrang, Turm und Gründung sowie Rotor, das sind die Komponenten, an denen die Betriebsparameter einer Windanlage überwacht werden können.

    Turbine, Triebstrang, Turm und Gründung sowie Rotor, das sind die Komponenten, an denen die Betriebsparameter einer Windanlage überwacht werden können.

    Bild: Bachmann electronic

  • Spezialisierte Unternehmen bieten Dienstleistungen und Expertise rund um das Thema Zustands- und Strukturüberwachung an. Je nach gewünschtem Unterstützungsgrad können die einzelnen CMS-Dienste zu einem Überwachungs- und Beratungspaket kombiniert werden.

    Spezialisierte Unternehmen bieten Dienstleistungen und Expertise rund um das Thema Zustands- und Strukturüberwachung an. Je nach gewünschtem Unterstützungsgrad können die einzelnen CMS-Dienste zu einem Überwachungs- und Beratungspaket kombiniert werden.

    Bild: Bachmann electronic

  • David Futter leitet die Abteilung Condition Monitoring Consultancy bei der Bachmann Monitoring in Rudolstadt. Der Spezialist für Schwingungsanalyse und Zustandsüberwachung ist Physiker und Ingenieur sowie Mitglied in Normenausschüssen beim BSI und im ISO-Norm-Committee.

    David Futter leitet die Abteilung Condition Monitoring Consultancy bei der Bachmann Monitoring in Rudolstadt. Der Spezialist für Schwingungsanalyse und Zustandsüberwachung ist Physiker und Ingenieur sowie Mitglied in Normenausschüssen beim BSI und im ISO-Norm-Committee.

    Bild: Bachmann, walser-image

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