Wind und Batteriespeicher als Taktgeber

Wie sich hybride Energieversorgung für Industriebetriebe rechnet

Windenergie und Batteriespeicher können Industrieunternehmen direkt mit Strom versorgen und Netzbezug, Netzentgelte sowie CO2-Emissionen senken.

Bild: Enercon; iStock, Liudmila Chernetska
13.09.2026

Für produzierende Unternehmen bietet sich neben der Netzbeschaffung die direkte Versorgung mit erneuerbaren Energien als Option, um sich gegen volatile Strommärkte abzusichern. Die Kombination aus Windkraft und Batteriespeicher ist dabei ein marktfähiges Modell, das Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und Planbarkeit vereint.

Die Energieversorgung ist einer der kritischen Standortfaktoren für Industrieunternehmen. Der Bedarf an günstiger, verlässlicher und grüner Energie steigt stetig. Die direkte Versorgung mit erneuerbaren Energien ist für Unternehmen heute eine attraktive Alternative oder Ergänzung zur klassischen Netzbeschaffung. Je nach Standort und Energiebedarf ergänzt Windenergie bestehende Beschaffungsstrategien oder übernimmt einen wesentlichen Teil der Stromversorgung. Die Stromerzeugung erfolgt direkt auf dem Werksgelände (On-Site), auf nahegelegenen Flächen (Near-Site) oder über externe Standorte (Off-Site). Unternehmen bleiben weiterhin an das öffentliche Netz angeschlossen und beziehen darüber fehlende Strommengen oder vermarkten Überschüsse. Wird Strom über eine Direktleitung geliefert, lassen sich zusätzlich Netznutzungskosten reduzieren.

Flexible Finanzierung und intelligente Speichernutzung

Unternehmen können Erzeugungsanlagen entweder selbst finanzieren und als eigene Energie-Assets betreiben oder auf Pacht- sowie Power-Purchase-Agreement-Modelle (PPA) zurückgreifen. Bei Letzteren übernimmt ein Projektpartner Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb der Anlage. Das Unternehmen bezieht den Strom zu vertraglich fixierten Konditionen, ohne eigene Investitionen in die Erzeugungsanlage tätigen zu müssen. Dies schont die Liquidität für das Kerngeschäft. Langfristige Stromlieferungen gewähren eine hohe Preissicherheit und langfristig verlässliche Planbarkeit der künftigen Energiekosten.

In Kombination mit einem Batteriespeicher kann Windenergie ihr Potenzial für die industrielle Eigenversorgung noch besser entfalten. Der Speicher gleicht die zeitliche Differenz zwischen Stromerzeugung und Verbrauch teilweise aus, indem er überschüssige Energie aufnimmt und bei Bedarf wieder bereitstellt. So erhöht er die Eigenverbrauchsquote und reduziert den Strombezug aus dem Netz. Gleichzeitig kann er Lastspitzen abfedern, die erforderliche Netzbezugsleistung verringern und dadurch Einsparpotenziale bei den Netzentgelten erschließen. Ergänzend ermöglicht der Speicher eine marktpreisorientierte Fahrweise, indem er Strom bei niedrigen Preisen lädt und bei höheren Preisen wieder bereitstellt.

Industriestromlösungen in der Praxis

Der Windenergieanlagenhersteller Enercon bietet für Unternehmen eine schlüsselfertige Industriestromlösung auf Basis von Windenergie an. Bei der Erweiterung um Batteriespeicher profitieren Unternehmen von der Hybridlösung Wind+ Storage, die Windenergieanlagen, Batteriespeicher, ein eigenes Umspannwerk und einen Hybrid Controller miteinander verbindet. Letzterer sorgt für die Netzintegration und das reibungslose Zusammenspiel von Windenergieanlage und Batteriespeicher. Die Lösung ist modular ausgelegt und kann weitere erneuerbare Erzeugungsformen wie Photovoltaik einbinden.

Je nach Lastprofil der Industrieunternehmen unterscheiden sich die Resultate, die sie mit der Direktversorgung über Wind und Batteriespeicher erreichen können. Für einen Maschinenbaubetrieb im Zweischichtbetrieb mit 40 GWh Jahresverbrauch hat Enercon den Nutzen beispielhaft modelliert: Mit einer Investition in Windenergieanlage, Direktleitung und Batteriespeicher in Höhe von 25 Millionen Euro kann der Maschinenbauer einen Autarkiegrad von 73 Prozent erreichen. Mehr als jede zweite erzeugte Kilowattstunde fließt dabei direkt in die Produktion (52 Prozent Eigenverbrauch). Mit einem PPA-Preis von 6,4 ct/kWh erzielt das Projekt 10 Prozent Rendite und amortisiert sich nach zwölf Jahren. Entscheidend ist jedoch der Lastgang: Je besser Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammenpassen, desto höher sind Eigenverbrauch und Autarkie. Bei anderen Verbrauchsprofilen können deshalb die Rendite und Amortisationsdauer deutlich variieren.

Wie sich eine Industriestromlösung auf der Basis von Windenergie auszahlt, zeigt das Werk von Thyssenkrupp Steel in Hagen-Hohenlimburg. Im Sommer 2024 wurden vier moderne Enercon E-138 EP3 Windenergieanlagen in der Nähe des Stahlwerks in Betrieb genommen. Eine drei Kilometer lange Leitung verbindet die Windenergieanlagen mit dem internen Stromnetz des Werks und ermöglicht eine direkte Stromversorgung, ohne diese Mengen ins öffentliche Netz einzuspeisen. Der Windpark erzeugt etwa 55 GWh pro Jahr. Damit kann er etwa 40 Prozent des Strombedarfs des Standortes decken, wobei die Erzeugung und Abnahme des Stroms Schwankungen unterliegen. Dieser Anteil an erneuerbaren Energien führt zu einer Reduktion der CO2-Emissionen um circa 11 Prozent und macht das Projekt zu einer zentralen Säule des Dekarbonisierungsprozesses der Anlage.

Vom Lastprofil zur Investitionsentscheidung

Um von Beginn an wirtschaftliche und technische Planungssicherheit zu gewährleisten, startet Enercon bei seinem End-to-End-Ansatz vor der Projektentwicklung mit einer fundierten Potenzialanalyse. Diese umfasst das Standortscouting, einen Genehmigungs-Quick-Check sowie die detaillierte Prüfung der regulatorischen und kommerziellen Machbarkeit inklusive der passgenauen Dimensionierung des Batteriespeichers. Alle zentralen Parameter – vom prognostizierten Energieertrag über Investitionssummen bis hin zu möglichen PPA-Preisen – münden direkt in eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und eine transparente Entscheidungsvorlage.

Erst danach folgen Entwicklung und Planung, Bau und Infrastruktur sowie Betrieb und Service. Mit dem Ziel einer möglichst langen Lebensdauer der Turbine koordiniert Enercon die Projektbeteiligten, bietet für den Windpark Wartung und Service mit garantierter Verfügbarkeit und bindet für die Betriebsführung professionelle Partner ein. So wird aus Wind und Batterie ein tragfähiges Versorgungskonzept. Für Industrieunternehmen zählt am Ende nicht die bloße Maximierung technischer Kennzahlen wie der Erzeugungs- und Speicherkapazität, sondern ein intelligentes Gesamtsystem, das Erzeugung, Verbrauch, Finanzierung und Vermarktung passgenau auf den jeweiligen Standort abstimmt.

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  • Je nach Standort und Energiebedarf kann Windenergie bestehende Beschaffungsstrategien ergänzen oder einen wesentlichen Teil der industriellen Stromversorgung übernehmen.

    Je nach Standort und Energiebedarf kann Windenergie bestehende Beschaffungsstrategien ergänzen oder einen wesentlichen Teil der industriellen Stromversorgung übernehmen.

    Bild: ENERCON

  • Die Kombination von Windenergie und modernem Batteriespeicher erhöht die Eigenverbrauchsquote, senkt die verbleibenden Netzentgelte für den Reststrombezug und unterstützt die Marktpreisoptimierung.

    Die Kombination von Windenergie und modernem Batteriespeicher erhöht die Eigenverbrauchsquote, senkt die verbleibenden Netzentgelte für den Reststrombezug und unterstützt die Marktpreisoptimierung.

    Bild: ENERCON

  • Enercon Windturbine E-175 EP5 E2.

    Enercon Windturbine E-175 EP5 E2.

    Bild: ENERCON

  • Dr. Andreas Henig, Executive Vice President Business Unit Wind bei Enercon.

    Dr. Andreas Henig, Executive Vice President Business Unit Wind bei Enercon.

    Bild: Dr. Andreas Henig, Enercon

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