Bild: Endress+Hauser

Branntweinsteuer ermitteln Alkoholmenge bei der Getränkeherstellung zollkonform erfassen

06.03.2018

Mit einer maßgeschneiderten Lösung von Endress+Hauser ist die Überkinger GmbH in der Lage, die verarbeiteten Alkoholmengen lückenlos zu erfassen und zu dokumentieren. So kann die zu entrichtende Branntweinsteuer korrekt ermittelt werden.

Ein roter Brunnen mit zwei Schalen, aus dem eine Quelle hervorsprudelt, ziert das Wappen der Gemeinde Bad Überkingen. Dieses Wappen verrät auf den ersten Blick, was ihre Lage am Fuße der Schwäbischen Alb auszeichnet: der besondere Reichtum an Mineral- und Heilwässern in dieser Gegend. Überkinger machte diese Wässer im gesamten süddeutschen Raum bekannt. Das heutige Portfolio umfasst außerdem zusätzlich Bio-Limonaden, Spirituosen, Perlwein, Energy-Drinks sowie alkoholische Mixgetränke und wird auch international vertrieben. Für die Herstellung der Mixgetränke suchte man nach einer Lösung zur innerbetrieblichen Alkoholmengenerfassung. Damit soll lückenlos von der Anlieferung per Tankzug über die Ausmischung bis zur Abfüllung die Erfassung und Dokumentation der Alkoholmengen sichergestellt werden.

Zur Ermittlung der verarbeiteten Alkoholmengen und des Schwunds reichte dem Zoll die existierende Erfassung über den Durchfluss in der Annahme und der Abgleich mit den Füllprotokollen nicht mehr aus. Zur Klärung auftretender Differenzen gestaltete sich die Schwundermittlung sehr mühselig und zeitintensiv. Ursachen für Schwund sind Restmengen in der Anlage, die sich produktionstechnisch nicht vermeiden lassen, Alkoholverdunstung, Dosenplatzer beim Abfüllen oder Fehlproduktionen. Ist der Schwund nicht dokumentierbar, können im Extremfall Branntweinsteuerforderungen auf ein Unternehmen zukommen, die existenzbedrohend sein können. Die Alkoholmengenerfassung muss sich daher engmaschig über die Produktion verteilen und ohne hohen Personalaufwand durchführbar sein.

Genaue Alkoholmengenerfassung

In den Jahren 2013 und 2014 flossen Investitionen von mehreren Millionen Euro in die PET-Anlage, eine neue Dosenabfülllinie und eine Glasabfüllanlage. Damit steht in Bad Überkingen eine der modernsten Abfüllanlagen Europas, die maximale Flexibilität bei der Wahl des Gebindes und der Etikettierung bietet. Durch das starke Wachstum im Segment der alkoholhaltigen Mischgetränke entwickelte sich Überkinger zum größten Verbrauchssteuerbetrieb im Verantwortungsbereich des Hauptzollamts Ulm. Die angelieferten Alkoholmengen werden seit vielen Jahren über ein Coriolis-Massedurchflussmessgerät Promass 80F erfasst. Während des Abtankens wird der Primasprit von 96 % vol auf 45 % vol verdünnt, um ihn explosionsungefährlich einlagern zu können. Ein zweiter Promass 80F dosiert die entsprechende Wassermenge zu. Als Multiparametergerät kann der Promass neben der Masse auch die Dichte miterfassen und so den Alkoholgehalt ermitteln. Zum Aufbau eines Systems zur innerbetrieblichen Alkoholmengenerfassung setzte der Getränkespezialist erneut auf die bewährte Zusammenarbeit mit Endress+Hauser.

Die Lösung besteht aus vier Promass F 100, welche die aus dem Tanklager entnommenen Alkoholmengen in vier Richtungen zur Ausmischung erfassen: je einmal zum kontinuierlichen Mixer für die Dosen- und Glasabfüllung, einmal in den Sirupraum, wo Produkte schubweise im Tank ausgemischt werden können sowie zu einer sich noch im Aufbau befindlichen Abfüllanlage für Spirituosen. Die Hauptleistung des Promass F 100 liegt in der genauen Berechnung des Alkoholgehaltes. Überkinger wählte die in der Alkoholindustrie übliche Angabe in Volumenprozent bezogen auf die Temperatur 20 °C. Um hier im geforderten Genauigkeitsbereich von 0,5 bis 1,0 % vol zu liegen, wurde der im Gerät hinterlegte Algorithmus auf die vorliegenden Ausgangsbedingungen von 35 bis 50 % vol bei 15 bis 35 °C optimiert.

Die Rohmesswerte und die berechneten werden mittels 4…20 mA HART an einen Bildschirmschreiber Memograph M weitergeleitet. Hier werden die Daten manipulationssicher und passwortgeschützt für jede einzelne Charge gespeichert. Diese chargenbezogene Protokollierung wird vom Anlagenfahrer am Mixer über einen Schalter, der am Digitaleingang des Memographen angeschlossen ist, gestartet und gestoppt. Eine Lampe vor Ort signalisiert: Messung läuft. Ferner veranlasst er über die Netzwerkanbindung den automatischen Ausdruck des Chargenprotokolls in der Leitzentrale. Dieses enthält die verarbeitete Alkoholmenge in Masse und Volumen, die Alkoholkonzentration bezogen auf die tatsächliche Mediumstemperatur und auf die berechnete Bezugstemperatur von 20 °C sowie Datum und Produktionszeit der Charge. Damit sind die Alkoholmengenverbräuche in der gesamten Produktion rückverfolgbar dokumentiert.

Fazit: genauer geht nicht

Das Jahr 2017 wird für Überkinger das erste Abrechnungsjahr nach diesem vom Zoll anerkannten Verfahren der innerbetrieblichen Alkoholmengenmessung sein. Eine Eichfähigkeit war für die Lösung nicht möglich. Interne Testmessungen haben aber ergeben, dass die Genauigkeit des Systems höher ist als die Vorgaben der eichamtlichen Vorschriften.

„Für uns ist die Schwundanalyse heute sehr einfach geworden. Da nun alle Alkoholverbrauchsdaten aus der Produktion auf Knopfdruck vorliegen, benötigen wir jetzt nur noch 30 Sekunden für diese Aufgabe“, erläutert Holger Frey, Leiter des Zollbüros bei Überkinger. Und für Markus Geiger, Leiter Instandhaltung Elektrotechnik, war das Projekt wieder ein Beweis für die gute Betreuung durch Endress+Hauser.

Bildergalerie

  • Zwei Promass 80F sind für die Alkoholmengenerfassung und Verdünnung in der Tankwagenannahme verantwortlich.

  • Der Promass F 100 erfasst die aus dem Tanklager entnommenen Alkoholmengen und berechnet die Alkoholkonzentration.

  • Im Bildschirmschreiber Memograph M werden alle Daten zentral gesammelt, gemanagt und weitergeleitet.

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