Prof. Rahman Jamal ist Business & Technology Fellow im Spitzenmanagement von National Instruments und an den strategischen Geschäfts- und Technologie-Entscheidungen beteiligt. Er studierte Elektrotechnik und hat eine Gastprofessur an der Chinesisch-Deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften an der Tongji-Universität in Shanghai.

Bild: National Instruments

Kommentar Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

28.08.2019

Disruptive Trends wie autonome Fahrzeuge, 5G oder das Internet of Things stellen unsere existierenden Ökosysteme auf den Kopf. Um das volle Potenzial dieser Megatrends auszuschöpfen, bedarf es einer grundlegenden Neuausrichtung bei automatisierten Mess- und automatisierten Testverfahren.

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Prof. Rahman Jamal war mit diesem Beitrag im E&E-Kompendium 2019/2020 als Macher der Elektronikwelt vertreten.

Neben autonomen Fahrzeugen und dem Mobilfunk über den neuen Kommunikationsstandard 5G ist das Internet der Dinge (IoT) einer der wichtigsten disruptiven technischen Trends. Insbesondere seine industrielle Ausrichtung hat dabei das Potenzial, vorhandene Ökosysteme gewaltig zu erschüttern – man denke an Smart Production (Stichwort Industrie 4.0), Smart Mobility (Stichwort autonome Fahrzeuge) oder Smart Health (Stichwort Telemedizin und Ferndiagnose), um nur einige zu nennen. Viele Studien belegen diesen Trend, etwa die von IHS Markit, der zufolge 50 Prozent der zwischen 2015 und 2025 implementierten Geräte solche für das industrielle IoT sein sollen.

Testsysteme sind noch nicht vernetzt

Immer mehr Firmen wenden sich also dem IoT zu, um Fertigungsprozesse zu optimieren und den Automatisierungsgrad zu steigern. So verwundert es nicht, dass auch Testabteilungen in immer mehr Unternehmen verteilt sind, etwa in über den ganzen Globus verstreuten Fertigungsstätten. Doch hierbei ergeben sich durchaus diverse Herausforderungen:

Viele der verteilten Testsysteme sind nur dürftig vernetzt oder verwaltet. Oft ist es nur schwer nachzuvollziehen, welche Software auf welcher Hardware ausgeführt wird, wo die einzelnen Systeme sich befinden oder gar wie es mit deren Leistung, Auslastung und Gesundheitszustand aussieht.

Eine weitere Herausforderung ist es, die Unmengen an von vernetzten Systemen generierten Daten richtig zu konsumieren. Dabei liegt genau in diesen Daten der geschäftliche Nutzen des IoT. Doch zum einen gibt es eine Vielzahl an Formaten und -quellen. Zum anderen werden die Daten oft in Silos gespeichert und es gibt dafür kaum standardisierte Verfahren. Folglich sind sie und die damit verbundenen wertvollen Einsichten nicht allen Phasen des Produktlebenszyklus zugänglich.

Web-Funktionalität rückt in den Vordergrund

Zudem geht der Trend immer mehr weg von reinen Desktop-Anwendungen hin zu solchen mit Web-Funktionalität und Apps für mobile Geräte. Dies für Tests umzusetzen, kann sich ebenfalls schwierig gestalten. So ist etwa die Datenverarbeitung direkt am Prüfling (DUT) nötig, damit die großen Mengen an Messdaten bewältigt und Gut-/Schlecht-Entscheidungen in Echtzeit getroffen werden können. Lokales Bedienpersonal muss mit den Prüfsystemen und dem DUT interagieren.

Gleichzeitig soll das Unternehmen via Fernzugriff Ergebnisse einsehen und sich über den Betriebsstatus informieren können. Häufig werden deshalb eigene Architekturen für die zentrale Verwaltung von Software entwickelt. Die Folge: Die Unternehmen müssen ihre benutzerspezifische Architektur aufrechterhalten, was Ressourcen bindet, die dann wiederum nicht für gewinnbringendere Aufgaben zur Verfügung stehen.

Hier greift SystemLink, das National Instruments kürzlich vorgestellt hat und das die Vernetzung, Bereitstellung und Verwaltung verteilter Systeme von NI und Drittanbietern über eine zentrale Oberfläche ermöglicht, auf die von überall aus zugegriffen werden kann. Anwender können somit Software über das Netzwerk konfigurieren und verteilen, den Zustand und die Leistung von Geräten und Anlagen überwachen, Alarme verwalten und Anwendungsparameter anzeigen lassen. Auch lässt sich die Datenübertragung an benutzerdefinierte Dashboards und Remote-Bedienoberflächen automatisieren.

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