Für eine CO2-neutrale Stahlproduktion Wasserstoff anstelle von Erdgas

Die Zukunft der Industrie: CO2-neutrale Stahlproduktion mit Wasserstoff.

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11.04.2024

Das Unternehmen Spie plante und installierte ein wasserstoffbasiertes Energieversorgungsystem im Rahmen eines Pilotprojekts in der Stahlkaltbandproduktion für die Bilstein Group in Hagen. Das Projekt ermöglichte die kohlenstoffneutrale Wärmebehandlung von rund 100 Tonnen Kaltband in einer Haubenglühanlage.

Die Bilstein Group gehört zu den größten Kaltbandhersteller und verfolgt das Ziel, energieintensive Prozesse, wie die Wärmebehandlung bei der Produktion von flach gewalzten Stahlbändern, von Erdgas auf nachhaltigen Wasserstoff umzustellen.

Höchste Sicherheitsstandards erforderlich

In einer Haubenglühanlage werden mehrere Rollen Kaltband auf Temperaturen zwischen 500 und 800 °C erhitzt, bis die Stahlbänder die gewünschte Verformbarkeit zur Weiterverarbeitung, beispielsweise für Automotive-Anwendungen, erreicht haben. Die Umstellung dieses energieintensiven Prozesses von Erdgas- auf Wasserstoffbetrieb ist schwierig - auch durch die unterschiedlichen Dichten der Gase.

So sind bei der Verwendung von Wasserstoff im Vergleich zu Erdgas viel höhere Brenngasvolumenströme erforderlich, um dieselbe Leistung zu erreichen. Das Team von Spie Deutschland & Zentraleuropa aus dem Geschäftsbereich CityNetworks & Grids realisierte die Anlage zur Wasserstoffversorgung einer kompletten Heizhaube mit elf Brennern und in Summe 1800 kWh Wärmeleistung am Standort Hagen der Bilstein Group so, dass es keine Leistungseinbußen gab. Der Multitechnik- Dienstleister plante und installierte dafür mehrere Druckregelstrecken und etwa 250 m Rohrleitungssystem.

„Beim Umgang mit Wasserstoff gelten für uns höchste Sicherheitsstandards, da dieser hochexplosiv ist. Wir wussten, dass in der Spitze pro Stunde über 600 m3 Wasserstoff direkt aus einem Trailer in die Anlage strömen würden und konstruierten sie entsprechend so, dass sie diesem hohen Volumenstrom standhält“, sagt Heiko Prenger, Projektleiter bei Spie.

Passgenaue Lösungen bei engem Zeitplan entwickelt

Für die Realisierung der Anlage benötigte Spie nur zwei Monate. „Es hat uns sehr motiviert, dieses besondere Projekt, das einen großen Fortschritt in Bezug auf CO2-Neutralität für die Industrie bedeutet, in bester Zusammenarbeit mit unserem Auftraggeber und weiteren Partnern zu realisieren. So haben wir schnell und flexibel passgenaue Lösungen entwickelt und den Endtermin bei einem sehr engen Zeitplan gehalten“, sagt Heiko Prenger.

Und aus dem Schornstein kam während des Testlaufs statt CO2 nur Wasserdampf. Christian Hagenkord, Leiter Nachhaltigkeitsprojekte und Energieversorgung der Bilstein Group, zeigte sich zufrieden: „Das Projekt war ein voller Erfolg! Allein bei diesem Versuch konnten wir lokal rund 3700 kg CO2 vermeiden. Bisher gab es eine derartige Technik nur in experimentellem Rahmen.“

Klimafreundliche Industrieprozesse im Fokus

Das Unternehmen Spie ist bereits seit zehn Jahren für die Bilstein Group in anderen Projekten tätig. „Als multitechnischer Dienstleister setzen wir uns für eine klimafreundliche Zukunft ein. Klimaneutrale Industrieprozesse sind dabei ein wichtiger Bestandteil, gerade für energieintensive Industrien am Standort Deutschland.

Im Rahmen dieses Projekts konnten wir unsere Expertise in dieser zukunftsweisenden Technologie unter Beweis stellen und gleichzeitig erweitern“, sagt Peter Pfannenstiel, Leiter des Geschäftsbereichs CityNetworks & Grids von Spie Deutschland & Zentraleuropa.

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  • Die Stahlherstellung ist sehr energieintensiv. Dabei werden die Öfen mit herkömmlichen Erdgas betrieben. Doch auch hier könnte Wasserstoff eine Alternative sein.

    Die Stahlherstellung ist sehr energieintensiv. Dabei werden die Öfen mit herkömmlichen Erdgas betrieben. Doch auch hier könnte Wasserstoff eine Alternative sein.

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