Durch eine ausgiebige Verifizierung der Dekarbonisierungmaßnahmen schaffen Unternehmen Vertrauen bei Kunden und Investoren.

Bild: iStock, Anne Czichos

Klimaschutz nachweisen Unabhängige Verifizierungen belegen CO2-Einsparungen

19.09.2022

Der Druck auf die produzierende Industrie steigt, Emissionen zu belegen und einzusparen. Wer freiwillig seinen Carbon Footprint offenlegt, hat einen Wettbewerbsvorteil, bevor die Nachweise verpflichtend werden. Etablierte Normen machen Zahlen zu den CO2-Abgaben objektiv vergleichbar. Verifizierungen machen die Berechnungen transparent. Das schafft Vertrauen gegenüber Kunden und Partnern.

Effektiv CO2-Sparen kann aber nur, wer den aktuellen Status kennt. Dann lassen sich auch kurzfristig zählbare Reduktionen umsetzen. Bei der Berechnung klimaschädlicher Emissionen kommt die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick. Für schnelle Erfolge sollten Unternehmen vor allem die sogenannten Scope 1 und Scope 2-Emissionen (siehe Infokasten) in den Blick nehmen, das heißt die direkten Emissionen des Unternehmens sowie die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom oder Fernwärme.

Der erste Schritt muss dann sein, Transparenz zu schaffen und den Ist-Zustand zu ermitteln. Vor allem bei der Energieeffizienz der eigenen Anlagen oder durch den Einsatz von „grünem“ Strom lassen sich oft leicht Emissionen vermeiden.

Fakten schaffen…

Kohlendioxid (CO2) ist das bekannteste Treibhausgas (THG). Häufig ist deshalb nur von CO2-Emissionen beziehungsweise dem Carbon Footprint oder CO2-Fußabdruck die Rede. Die Begriffe sind jedoch synonym zu verstehen. Die Berechnung von THG-Emissionen erfolgt dementsprechend auch meist in Tonnen CO2-Äquivalent. Weitere relevante THG sind Methan (CH4), Lachgas (N2O), wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW) und Schwefelhexafluorid (SF6).

Standards helfen, den THG-Ausstoß korrekt zu ermitteln und zu dokumentieren – Basis für den Aufbau eines wirkungsvollen, unternehmensinternen Klimamanagements und dem Nachweis von Einsparungen und Optimierungen. Die meisten Normen haben als zentrales Element die THG-Erklärung. Sie muss die THG-Bilanz enthalten oder zum Beispiel auch einen Plan für ein Klimaschutzprojekt. In jedem Fall müssen das verwendete Quantifizierungsmodell und die Grenzen der Untersuchung benannt sein.

…und belegen

Den Wert der Berechnungen und selbst ermittelten Zahlen steigern Unternehmen, wenn sie die Qualität der Berechnungsmethode, die korrekte und normkonforme Anwendung sowie die Ergebnisse unabhängig bestätigen lassen. Akkreditierte Stellen, wie TÜV Süd, gleichen dazu die Angaben und Berechnungsmodelle mit den gültigen Normen und Regeln ab und prüfen sie auf Plausibilität und Vollständigkeit.

Aussagen und Maßnahmen zu den ökologischen Auswirkungen der Unternehmenstätigkeiten lassen sich so verifizieren und validieren. Damit werden sie transparent und objektiv vergleichbar. Die Validierung bewertet ob Annahmen, Beschränkungen und Verfahren zu Aussagen über zu erwartende Umweltauswirkungen plausibel sind. Sie bewertet Prognosen über künftige Ergebnisse.

Die Verifizierung hingegen bezieht sich auf tatsächlich ermittelte Daten und stellt deren Richtigkeit fest. Sie bestätigt reale, historische Daten. Validierung und Verifizierung zielen also auf die unabhängige Überprüfung und Bestätigung quantitativer Behauptungen oder Erklärungen. Die abschließende Validierungs- beziehungsweise Verifizierungsaussage gilt nur in Verbindung mit der THG-Erklärung und innerhalb deren Grenzen.

Validierungen und Verifizierungen sind aussagekräftiger und belastbarer als Zertifizierungen. Zertifizierungen bestätigen, dass ein Produkt oder Prozess bestimmte Anforderungen erfüllt. Die Verifizierungen hingegen bestätigt reale, detaillierte Daten zum Carbon Footprint. Eine Verifizierung erfolgt in fünf Schritten:

  1. Ein Kick-Off-Meeting dient dazu, den Prüfgegenstand zu definieren und einen groben Zeitplan zu machen.

  2. Die Prüfplanung umfasst die strategische und die Risiko-Analyse.

  3. Die Prüfung der THG-Erklärung auf Normkonformität beinhaltet ein Audit und auch eine Überprüfung der Datengrundlage, der Dokumente und Nachweise.

  4. In der Nachbearbeitung erstellt TÜV Süd einen vorläufigen Prüfbericht, fordert gegebenfalls noch fehlende Unterlagen ein oder weist auf notwendige Korrekturen hin.

  5. Der detaillierte Verifizierungsbericht schließt die Prüfung ab.

Nach zwei bis vier Wochen ist die Verifizierung abgeschlossen.

Onlinehandel macht Druck auf Zulieferer

Die Coronapandemie leistete dem ohnehin wachsenden internetbasierten Versandhandel Vorschub. Gleichzeitig fordern Politik und Kunden zunehmend Nachhaltigkeitskonzepte von der Branche. Handelsplattformen reichen diese Ansprüche bisweilen an Ihre Zulieferer ab – zum Beispiel an die Hersteller von Verpackungsmaterial. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Papier und Karton bietet diese Branche aktuell große Einsparpotenziale. Konkrete Zahlen zum CO2-Fußabdruck und den Maßnahmen zur Dekarbonisierung sind ein Wettbewerbsvorteil. Onlinehändler können so mit einem klimawirksamen Versand werben.

Ein Hersteller von Papiermaschinen ließ seine THG-Emissionen von TÜV Süd bestätigen. Innerhalb von einem Monat lag der Verifizierungsbericht vor. Nach lediglich kleinen Korrekturen der Berechnungen bestätigte TÜV Süd die Einsparungen der THG-Emissionen des Unternehmens. Damit erhielt die Geschäftsführung konkrete Zahlen zur Dekarbonisierung. Kunden, Gesellschaftern und dem Kapitalmarkt gegenüber kann die Unternehmensleitung die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsstrategie handfest belegen.

Fazit

Je präziser das Anwendungsszenario modelliert wird, desto genauer können die Emissionen beziehungsweise Einsparmaßnahmen bestimmt werden. Die Verifizierung der Zahlen durch eine anerkannte Stelle ist der belastbare Nachweis. Damit schaffen Unternehmen Vertrauen bei Kunden und Investoren. Gleichzeitig erhalten sie eine gute Grundlage, um die Effizienz ihrer Produktion zu steigern.

Infokasten 1: Scopes der Emissionen

Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) unterteilt Treibhausgasemissionen in drei Kategorien, sogenannte Scopes:

  • Scope 1 umfasst alle direkten Emissionen durch Produktionsanlage oder zum Beispiel auch den Fuhrpark.

  • Scope 2 erfasst die indirekten Emissionen aus extern erzeugtem und eingekauftem Strom, Dampf, Wärme und Kälte.

  • Scope 3 betrifft die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette und damit alle sonstigen indirekten Emissionen. Eingerechnet werden hier auch die Emissionen aus der Herstellung und dem Transport eingekaufter Güter, dem Franchisebetrieb, der Auslieferung oder Abfallentsorgung. Das GHG Protocol ist eine private transnationale Standardreihe zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen und der verbreitetste Standard für Treibhausgasbilanzen.

Infokasten 2: Normative Grundlagen

Die Verifizierungen von TÜV Süd basieren auf den ab 2019 veröffentlichten Normen DIN EN ISO 14064, 14067 und 17029. Die DIN EN ISO 14064 und 14067 regeln mit einem allgemein anwendbaren systematischen Ansatz die quantitative Bestimmung und Berichterstattung von Emissionen.

  • Teil 1 der DIN 14064 enthält Spezifikationen zur Ermittlung von THG-Emissionen von Unternehmen („Corporate Carbon Footprint“).

  • DIN 14064-2 bezieht sich auf die Projektebene, also auf die Umweltauswirkungen einzelner Prozesse beziehungsweise deren Änderungen („Emissionsreduktionsprojekte“).

  • Die DIN 14067 schließlich formuliert entsprechende Anforderungen für THG-Erklärungen von Produkten („Product Carbon Footprint“).

  • Die DIN EN ISO 14064-3 enthält Spezifikationen für die Validierungen beziehungsweise Verifizierungen und beschreibt den Ablauf dieser Prüfungen.

  • Die DIN EN ISO 17029 formuliert allgemeine Anforderungen an Verifizierungsstellen für Umweltinformationen.

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