Sich überschneidende Prozesse mit ungeeignetem Toolset bedeuten enorme Abstimmungsaufwände. Darunter leiden neben der Effizienz auch die Mitarbeiter.

Bild: Aucotec

Parallele Projektarbeit Tool verringert Abstimmungsaufwand im Engineering

21.09.2020

Engineering-Prozesse immer stärker zu parallelisieren, ist längst erzwungene Realität. Ein Software-Entwickler will Planer nun befähigen, die simultane Kooperation in Maschinen- oder Anlagenbauprojekten deutlich effizienter zu beherrschen. Möglich machen soll es das agile Engineering.

Bislang büßen Unternehmen viel Zeit und Datenqualität in der Änderungsfalle ein, die dadurch entsteht, dass die notwendige Parallelisierung der Prozesse mit Toolketten versucht wird, die eigentlich nur für Wasserfall-Prozesse geeignet sind. „Den“ Wasserfall-Prozess gibt es sowieso schon lange nicht mehr. Kein Planer kann so lange warten, bis der vorherige Projektschritt ganz abgeschlossen ist. Also fängt er ohne die Ergebnisse der Nachbar-Disziplin in seinem Tool an.

Ebenso verfahren die anderen Fachbereiche. Das erfordert immer wieder interdisziplinäre Abgleiche. Dazu kommen unvermeidlich Korrekturen von außen durch veränderte Kundenwünsche oder Rahmenbedingungen, mit Auswirkungen auf alle Disziplinen.

So entsteht ein langwieriger, fehleranfälliger Kreislauf von Änderungsübertragungen. Noch komplizierter wird es bei parallelen „Wasserfällen“, wobei die neue Version eines freigegebenen Prozessschritts bearbeitet wird, während andere noch auf Basis einer früheren Freigabe weiterentwickeln.

Informationen fließen lassen

Doch das Wasserfallmodell ist nicht nur wegen zu langer Wartezeiten „out“, sondern auch, weil Wasser nun mal nicht bergauf, also nicht rückwärts fließt – und Toolketten nur einen vorgegebenen Ablauf unterstützen. Die Kooperationsplattform Engineering Base (EB) vereint sämtliche Kerndisziplinen der Maschinen- und Anlagenplanung in einem System. Ihr zentrales Datenmodell sorgt dafür, dass Änderungen jeder beteiligten Disziplin sofort für alle sichtbar sind und sich unmittelbar weiterbearbeiten lassen.

Um im Wasserbild zu bleiben: Das Modell ist wie ein Teich, in dem sich durch jeden neuen Wassertropfen Wellenkreise ausbreiten. Genauso erreicht jede Eingabe in EBs Single Source of Truth sofort jede Disziplin. Auf diese Weise lassen sich auch komplexe Szenarien beherrschen.

Keine Daten mehr „einfrieren“

EB ist nun mit einer Reihe von Neuerungen ausgestattet worden, die den nächsten Schritt, das agile Engineering, ermöglichen sollen. Neben dem etablierten Data Tracking mit kompletter Änderungshistorie, in dem sich individuell konfigurieren lässt, welche Änderungen man sehen möchte, gibt es etwa eine Rechtevergabe auf Attribut-Ebene. In ihr wird definiert, wer welchen Status sehen und bearbeiten darf.

Das funktioniert nur, weil bei EB Daten statt Dokumente im Zentrum stehen. Restriktive Rechte, die sich auf Objekte beziehen, sind hier nicht zielführend, da es jedes Objekt nur einmal gibt, aber verschiedene Disziplinen daran arbeiten, auch parallel. Ein Prozessingenieur bearbeitet eine Pumpe ebenso wie der Electrical-Experte, nur eben andere Aspekte.

Zudem sind die Daten und die gesamte Anlagenstruktur gegen versehentliche Änderungen geschützt. Das gilt unterhalb von Objekten ebenso wie nach oben („glue to parent“).

Diese disziplinübergreifende Sicherheit, die kein „Einfrieren“ von Daten erfordert, ermöglicht agiles Arbeiten. Durch sie werden Wartezeiten und Änderungs-Pingpong überflüssig, und die Modifizierung eines Anlagenbauprojekts während der Planungsphase ist jederzeit möglich. Was vor ein oder zwei Jahren angedacht war, muss so nicht zwangsläufig umgesetzt werden. Neue Erkenntnisse lassen sich im laufenden Prozess kontinuierlich und schnell umsetzen. Das Ergebnis: Die fertige Anlage ist State-of-the-Art, nicht vom vorletzten Jahr.

Zukunftsfähigkeit an der Agilität messen

„Agiles Engineering ist eine langfristige Strategie“, erklärt Reinhard Knapp, Leiter Global Strategies bei Aucotec. „Das ist natürlich kein Muss, EB schafft auch ohne Agilität effiziente Kooperation. Aber die Eignung eines Systems zu agilem Engineering ist heute der Gradmesser für seine Zukunftsfähigkeit.“

Wer aufgrund des steigenden Zeit- und Effizienzdrucks paralleler werden will, wer immer mehr Komplexität durch Industrie-4.0-Anforderungen wie die rasant wachsende Sensoren-Vielfalt bewältigen muss, wer wachsen und in eine Zukunft investieren will, von der man noch gar nicht genau wissen kann, wie sie aussehen wird, der wird laut Knapp mit Toolketten und Synchronisations-Plattformen bald an deren Grenzen stoßen. EB sei zurzeit das einzige System, das die Basis für agiles Engineering biete. „Da ist die Zukunft schon drin“, sagt Aucotecs Chefstratege.

Bildergalerie

  • Im klassischen Wasserfallmodell sind die Disziplinen separiert und die einzelnen Stationen warten auf Datenübergaben.

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  • Eine leichte Beschleunigung geht auf Kosten von Ressourcen und verursacht mehr Abstimmungsaufwand innerhalb der Disziplinen.

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  • Beim agilen Engineering gibt es eine unmittelbare Informationsweitergabe an alle Beteiligten durch ein zentrales Datenmodell und sicheres Änderungsmanagement.

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  • „Die Eignung eines Systems zu agilem Engineering ist heute der Gradmesser für seine Zukunftsfähigkeit“, ist Reinhard Knapp, Leiter Global Strategies bei Aucotec, überzeugt.

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