Die Industriestrompreise sind in Deutschland deutlich höher als in vielen anderen Ländern. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland kaum überraschend über dem EU-Durchschnitt. Noch viel günstiger ist der Strom in den USA, wo Unternehmen im Schnitt mit nur circa 8 US-Cent pro Kilowattstunde weniger als die Hälfte bezahlen müssen. Deutsche Industrieunternehmen leiden unter diesen hohen Kosten und sind im internationalen Vergleich deshalb weniger wettbewerbsfähig. Umso wichtiger ist es für Industrieunternehmen, Energieverschwendung zu reduzieren. Sie komplett zu verhindern und komplett effizient zu arbeiten, ist nahezu unmöglich. Viele Unternehmen wissen jedoch nicht, wie viel Energie sie tatsächlich verschwenden. Doch mit etwas Know-how, einem Wartungsplan und einigen intelligenten Messgeräten lässt sich die Energieverschwendung aktiv erkennen und bekämpfen.
Stromsparen – einfacher gesagt als getan
Im Prinzip ist Energiesparen einfach: Man senkt den Energieverbrauch und damit auch direkt die Kosten für die verschwendete Energie. Fest steht, dass sich die Energieeffizienz in Unternehmen mit der richtigen Strategie stark optimieren lässt, was enorme Summen an sonst verschwendeten Energiekosten einsparen kann. In der Praxis ist das Vorhaben allerdings alles andere als einfach, denn die meisten Energieverschwender sind buchstäblich unsichtbar. Wie also genau findet und quantifiziert man Energieverschwendung?
Proaktive Wartungsmaßnahmen
Energieverschwendung ist mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Um sie sichtbar zu machen, muss man sich aktiv mit entsprechenden Methoden, Prozessen und Messgeräten auf die Suche machen. Organisatorisch bedeutet dies, ein Programm zur proaktiven Wartung für elektrische Geräte zu erstellen. In der Praxis benötigt man dafür nur einige wenige Messinstrumente. Dazu zählen Werkzeuge wie etwa Stromzangenmessgeräte, Netzqualitätsanalysatoren, Wärmebildkameras und akustische Bildgeber. Die Investitionen in einfach zu nutzende Messgeräte, mit denen Prüfungen durchgeführt werden können, sind bereits für kleinere Unternehmen erschwinglich. Will man später tiefer in die Materie einsteigen, um beispielsweise gefundene Energieverschwender genauer zu bewerten, kann die Investition in fortschrittlichere Instrumente sinnvoll sein.
Energieverschwendung im Schaltschrank identifizieren
Wo Strom fließt, kann auch seine Effizienz gemessen werden. In den meisten industriellen Betrieben ist dies der Schaltschrank. In vielen Fällen reicht ein einfaches Stromzangenmessgerät aus, um zu überprüfen, wie viel Strom ein Gerät oder Schaltkreis verbraucht. Will man darüber hinaus herausfinden, welche Geräte nicht effizient arbeiten, ist ein dreiphasiger Stromlogger das ideale Werkzeug. Neben diesen beiden Geräten bietet sich für die Prüfung der Effizienz von Schaltschränken auch die Nutzung von Wärmebildkameras an. Solche Kameras werden oft genutzt, um über thermische Muster Ungleichgewichte in Motoren zu identifizieren. Die Kameras können jedoch auch Erwärmungsmuster an Verbindungen identifizieren, die auf schlechte Kabelverbindungen hinweisen. Wenn eine bestimmte Komponente nicht normal funktioniert, wird sie als kalt angezeigt, während Komponenten heiß angezeigt werden, die unter übermäßiger Belastung arbeiten. Für eine umfassendere Analyse bietet ein dreiphasiger Netzqualitätsanalysator eine echte Bewertung des Ausmaßes der Energieverluste, indem er den Stromfluss auf einzelnen Leitungen innerhalb eines Schaltschranks analysiert. Diese Netzqualitätsanalysatoren können nicht nur den Neutralstrom messen, sondern verfügen oft auch über einen Energieverlustrechner, der eine hochpräzise Schätzung der Energieeffizienz liefert.
Druckgaslecks mit Akustikkameras sichtbar machen
Doch elektrische Geräte sind nicht die einzigen Schuldigen, die Energie verschwenden. Einer der größten Bereiche der Energieverschwendung in industriellen Umgebungen sind nicht notwendigerweise elektrische Geräte, sondern undichte Druckluftsysteme. Eine durchschnittliche Anlage verliert etwa 30 Prozent der von ihr erzeugten Druckluft. Zwar sind Lecks unvermeidlich und lassen sich nie vollständig beseitigen, aber die Möglichkeit, die meisten davon durch regelmäßige Wartung zu identifizieren und zu beheben, bietet eine der größten Chancen für Energieeinsparungen. Durch den Betrieb eines Luftkompressors mit maximaler Effizienz könnte sein Energieverbrauch beispielsweise um bis zu 40 Prozent gesenkt werden.
Druckgaslecks sind mit bloßem Auge unsichtbar und in lauten Werkhallen kaum hörbar – doch eine einfache Akustikkamera kann sie sichtbar machen. Ein solches Gerät ermöglicht die schnelle und sichere visuelle Erkennung von Druckgaslecks, sodass der Techniker nicht nur die Ursachen identifizieren, sondern auch deren Größe vergleichen und so Prioritäten für Reparaturen setzen kann. Fortgeschrittenere Modelle können sogar berechnen, wie viel Strom pro Jahr durch ein bestimmtes Leck verloren geht. Akustikkameras sind zwar teurer als Wärmebildkameras, bieten aber das Potenzial für größere Einsparungen.
Wartung zu einer festen Einrichtung machen
Der erste Schritt, um gegen Energieverschwendung vorzugehen, ist der Entschluss eine aktive Wartungsstrategie zu etablieren. Ausgerüstet mit einigen wenigen Werkzeugen wie einem Stromzangenmessgerät, einem Stromlogger, einer Wärmebild- und einer Akustikkamera, können sich Teams strategisch auf die Suche nach Energieverschwendern im Unternehmen machen. Diese Geräte sind weder komplex noch teuer und amortisieren sich in sehr kurzer Zeit allein schon durch Stromeinsparungen. Die Wartungsstrategie verlängert jedoch auch die Lebensdauer von Anlagen, wodurch Geld gespart wird und gleichzeitig die Anlagen mit der höchstmöglichen Effizienz betrieben werden können.
Fazit: Energieverschwendung mit proaktiver Wartungsstrategie senken
Es ist unwahrscheinlich, dass Strompreise in naher Zukunft günstiger werden. Um kurz- und mittelfristig international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen effizienter arbeiten. Eine aktive Wartungsstrategie für industrielle Geräte hat jede Menge Potenzial, den Energieverbrauch in Unternehmen zu senken. Mit einer durchdachten Strategie und einigen grundlegenden Werkzeugen können Techniker und Ingenieure ihre Unternehmen mit relativ einfachen Methoden und geringen Investitionen effizienter, nachhaltiger und kostengünstiger machen.