Experten-Interview mit Conrad Electronic

„Smart beschaffen, sicher messen“

Conrad Electronic SE

Harald Lehner, Categorymanager Voltcraft Messtechnik, und Susanne Storch, Senior Expert Test & Measurement, beide Conrad Electronic.

Bild: Conrad Electronic
02.03.2026

Der rasante Technologiewandel und die damit verknüpften Anforderungen verändern die Messtechnik. Susanne Storch und Harald Lehner von Conrad Electronic beleuchten im Interview aktuelle Markttrends und Kundenbedürfnisse und sprechen über Messtechniklösungen und digitale Beschaffungsprozesse. Zudem erklären sie, wie sich Conrad Electronic als Lösungsanbieter im Bereich Messtechnik positioniert.

Sponsored Content

Wie schätzen Sie die aktuelle Bedeutung des Messtechnik-Marktes ein, insbesondere für die Industrie?

Susanne Storch:

Die Vorschriften für Industriebetriebe werden immer detaillierter und umfangreicher. Als Beschaffungspartner ist es unsere Aufgabe, unsere Kunden bei der Bewältigung dieser Aufgabe zu unterstützen. Um alle Vorschriften einzuhalten und dabei effizient und unkompliziert zu arbeiten, führt kein Weg an moderner Messtechnik vorbei: Mit ihr lässt sich automatisiert, Cloud-basiert und ortsunabhängig arbeiten, die Ergebnisse gehen per Mail direkt zu Kunden und auch Abrechnungsprozesse werden dadurch wesentlich einfacher.

Inwiefern haben sich die Anforderungen der Kunden an Messtechnik in den letzten Jahren verändert?

Harald Lehner:

Die Anforderungen haben sich massiv gewandelt. Und zwar weg von rein punktuellen Messungen hin zu Werkzeugen, die für Hochspannung, regenerative Energien und die digitale Vernetzung (Bluetooth-Kommunikation und Datenloggen per App) optimiert sind. Mit veralteten, nicht kalibrierten Geräten können unsere Kunden ihren Dokumentationspflichten nicht nachkommen. Conrad verfügt über ein seit Jahrzehnten gewachsenes Lieferantennetzwerk und eigene Entwicklungsexpertise im Bereich Messtechnik. Auf unserer Plattform sind also alle namhaften Hersteller, darunter auch die starke Marke Voltcraft, mit ihren Neuheiten vertreten.

Conrad Electronic bietet ein sehr breites Sortiment an Messtechnik. Wie stellen Sie sicher, dass Unternehmen die passenden Lösungen für ihre Anwendungen finden?

Susanne Storch:

Um ein Sortiment nicht nur breit, sondern zielgruppenorientiert aufzustellen, müssen wir die Brücke zwischen technischer Spezifikation und dem Arbeitsalltag unserer Kunden schlagen. „Nah am Kunden“ bedeutet in der Messtechnik, die Pain Points im Feld zu verstehen. Hierzu bekommen wir auf Messen direkt die Rückinfo vom Kunden, um unser Sortiment kontinuierlich zu optimieren. Auch durch Gespräche mit Lieferanten und dem Außendienst bekommen wir Anforderungen zurückgespielt. Diese Infos nutzen wir für einen kundenorientierten Einkauf und kommunizieren die Anforderungen auch an unsere Lieferanten.

Stichwort digitale Beschaffung: Wie unterstützt Conrad seine Kunden beim Einkauf von Messtechnik, insbesondere großen Firmen mit sehr komplexen Beschaffungsprozessen?

Susanne Storch:

Unser Ziel ist es, die Beschaffung von technischem Bedarf für unsere Kunden effizienter, transparenter und an die spezifischen Bedürfnisse der Kunden angepasst zu gestalten. Die Conrad Sourcing Platform bietet daher eine Reihe von E-Procurement-Lösungen, die „Maverick Buying“ am Einkauf vorbei verhindern, Kostenkontrolle ermöglichen und sicherstellen, dass ausschließlich freigegebene und konforme Messtechnik beschafft wird. On top setzen wir nach wie vor auf individuelle Beratung, um professionelle Unterstützung bei der Auswahl der richtigen Messtechnik zu bieten, die oft spezialisiertes Wissen erfordert. Und wir ermöglichen unseren Kunden verschiedene Kalibrierdienstleistungen im Rahmen ihres Einkaufsprozesses oder auch in Form von Rekalibrierung vorhandener Geräte im Conrad-Labor sowie bei unserem Partner Testo.

Viele Unternehmen streben heute eine vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) an. Welche Rolle spielt Messtechnik dabei und wie hilft Conrad seinen Kunden in diesem Bereich?

Harald Lehner:

Predictive Maintenance ist die Königsdisziplin der Messtechnik. Sie nutzt kontinuierliche Datenströme, um Ausfälle vorherzusehen, bevor sie passieren – statt erst zu reparieren, wenn die Maschine bereits steht. Bei Conrad unterstützen wir unsere Kunden durch die Fokussierung auf folgende Themen: Erstens Smart Instruments, also Messgeräte mit Datenlogger- und Datenexport-Funktion. Zweitens Multisensoren, die mehrere Größen gleichzeitig messen können. Und drittens Software-Schnittstellen, also Messwerkzeuge, die ihre Daten einfach und schnell an übergeordnete Instandhaltungssysteme übergeben können.

Energieeffizienz ist ein großes Thema. Welche Messtechnik-Lösungen empfehlen Sie, um Energieverbrauch zu messen und zu optimieren?

Harald Lehner:

Im Zuge stetig steigender Energiekosten und strenger Umweltauflagen hat die Messtechnik zur Steigerung der Energieeffizienz eine zentrale strategische Bedeutung erlangt. Netzqualitätsanalysatoren ermöglichen es, Blindleistung zu erkennen und Maßnahmen zur Kompensation einzuleiten. Stromzangen spüren unerwartet hohe Ströme auf. Wärmebildkameras detektieren Energieverluste an Gebäuden und Dämmung. Und last, not least können Energiekostenmessgeräte bei der Überwachung kleinerer Verbraucher unterstützen.

Wie stellt sich Conrad auf branchenspezifische Anforderungen ein? Gibt es Schwerpunkte, zum Beispiel Messtechnik für die Automobilindustrie, für die Elektronikfertigung, für Elektronikentwickler oder für Energieerfassung beziehungsweise Energiemonitoring?

Susanne Storch:

Als Distributor haben wir den Vorteil, mit vielen Lieferanten in Kontakt und damit immer am Puls der Zeit zu sein. Wir bieten also einen „Lösungskasten“, der sich flexibel an die spezifischen regulatorischen und technischen Hürden der jeweiligen Branche anpasst. Unternehmen im Bereich Energie und Versorgung stellen wir Geräte mit höchster Sicherheitszertifizierung (CAT IV) und Werkzeuge für die Netzqualitätsanalyse zur Verfügung. Automotive und eMobility unterstützen wir mit HV-Messleitungssätzen und Messgeräten, die für die Arbeit an Batterien und Invertern zugelassen sind. Und für Maschinenwartung und Anlagenbau vertreiben wir kompakte Wärmebildkameras, um die Hotspots im Schaltschrank zu finden und so einen Stopp der Anlage zu vermeiden.

Wie sieht Conrad Electronic die weitere technologische Entwicklung in der Messtechnik?

Harald Lehner:

Die technologische Entwicklung der Messtechnik im Jahr 2026 lässt sich als der Übergang von der passiven Dokumentation zur aktiven Prozesssteuerung beschreiben. Die Hardware wird intelligenter und vernetzter. Messsysteme erkennen Trends und „beraten“ die Maschine oder die Servicetechniker*innen proaktiv: Ein Oszilloskop etwa zeigt nicht nur eine Wellenform, sondern identifiziert automatisch die Art der Störung etwa eine Signalverzerrung durch Oberwellen. Und bei Multimetern oder Stromzangen ist es möglich, die Messreihen über eine Software und mit KI-Unterstützung auszuwerten und zu analysieren.

Praxisbeispiel: Messtechnik mit Kunden-Mehrwert

Ein Hersteller von Hightech-Maschinen für die Pharmaindustrie stand immer wieder vor der Herausforderung, die Ursache für den Ausfall der von ihm produzierten Maschinen zu finden. Insbesondere wenn die Maschinen im Ausland eingesetzt wurden, war das problematisch. Aufgrund auf Garantie laufender Reparaturansprüche mussten Mitarbeitende des Herstellers manchmal wochenlang zum Kunden reisen, um den Fehler zu identifizieren. Unser Außendienst brachte daraufhin die Akustikkamera Fluke ii915 zu einem Kundenbesuch mit, um sie in der Produktion zu demonstrieren. Der Kunde war zunächst skeptisch; vor Ort konnte jedoch gezeigt werden, dass mit dieser Spezialkamera die Ursache schnell gefunden werden konnte: Es war ein defektes Lager in einem brandneuen und sehr teuren Elektromotor. Im Anschluss wurde ein Gegentest an einem funktionsfähigen Motor durchgeführt. Ein Kollege aus dem technischen Support von Conrad diagnostizierte daraufhin noch weitere defekte Motoren. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um ein generelles Problem seitens des Motorenlieferanten handelte. Der Mehrwert für unseren Kunden: Einfache Fehleridentifikation vor der Auslieferung der Maschinen, weniger Garantieleistungen, weniger Kosten und ein auf lange Sicht optimierter Produktionsprozess.

Zur Titelstory!

Bildergalerie

  • Zuverlässige Signalanalyse für den industriellen Einsatz: Ein Oszilloskop von Voltcraft visualisiert Spannungsverläufe in Echtzeit und unterstützt die schnelle Diagnose in Produktion und Instandhaltung. Ideal für Qualitätssicherung, Prozessüberwachung und die Prüfung von Steuerungs- und Antriebssystemen.

    Zuverlässige Signalanalyse für den industriellen Einsatz: Ein Oszilloskop von Voltcraft visualisiert Spannungsverläufe in Echtzeit und unterstützt die schnelle Diagnose in Produktion und Instandhaltung. Ideal für Qualitätssicherung, Prozessüberwachung und die Prüfung von Steuerungs- und Antriebssystemen.

    Bild: Tom Bruner

  • „Wir müssen die Brücke zwischen technischer Spezifikation und dem Arbeitsalltag unserer Kunden schlagen“, bekräftigt Susanne Storch, Senior Expert Test & Measurement, Conrad Electronic.

    „Wir müssen die Brücke zwischen technischer Spezifikation und dem Arbeitsalltag unserer Kunden schlagen“, bekräftigt Susanne Storch, Senior Expert Test & Measurement, Conrad Electronic.

    Bild: Conrad Electronic

  • „Conrad verfügt über ein seit Jahrzehnten gewachsenes Lieferantennetzwerk und eigene Entwicklungsexpertise im Bereich Messtechnik“, sagt Harald Lehner, Categorymanager Voltcraft Messtechnik, Conrad Electronic.

    „Conrad verfügt über ein seit Jahrzehnten gewachsenes Lieferantennetzwerk und eigene Entwicklungsexpertise im Bereich Messtechnik“, sagt Harald Lehner, Categorymanager Voltcraft Messtechnik, Conrad Electronic.

    Bild: Conrad Electronic

  • Der ideale Partner für unterbrechungsfreie Strom- und Spannungsmessungen: Die VC-771 PV ist die erste Stromzange von Voltcraft, die extrem hohe Ströme und Spannungen, wie sie beispielsweise in PV-Anlagen auftreten, präzise messen und Daten loggen kann.

    Der ideale Partner für unterbrechungsfreie Strom- und Spannungsmessungen: Die VC-771 PV ist die erste Stromzange von Voltcraft, die extrem hohe Ströme und Spannungen, wie sie beispielsweise in PV-Anlagen auftreten, präzise messen und Daten loggen kann.

    Bild: Conrad Electronic

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel