Die Rotorblätter sind die am stärksten beanspruchten Komponenten einer Windkraftanlage. Neben Wind- und Eigenlasten wirken auch Blitzeinschlag und Vereisung permanent auf ihre Struktur ein. Schäden können nicht nur die Stillstandzeiten und Kosten erhöhen, sondern auch die Sicherheit gefährden.
Rotorblätter erreichen inzwischen Längen von über 140 m, wodurch das Risiko von Materialschäden, Eisansatz und teuren Ausfällen steigt. Mit BLADEcontrol NXT stellt Weidmüller Monitoring Systems eine neue Rotorblattüberwachung vor.
Rotorblatt-Monitoring wird zur Schlüsseltechnologie
In der Branche sind mit Condition Monitoring und Structural Health Monitoring längst zwei etablierte Methoden im Einsatz. Das Herzstück von BLADEcontrol NXT ist die metallfreie Daten- und Energieübertragung per Lichtwellenleiter. Diese sorgt für:
Vollständige elektrische Isolation und verbesserten Blitzschutz
Höhere Flexibilität bei der Sensorplatzierung
Mehr Genauigkeit in der Datenerfassung
An zwei Positionen pro Rotorblatt messen MEMS-Sensoren Bewegungen in allen sechs Freiheitsgraden. Optional erfassen Mikrofone zusätzlich akustische Signale, sodass selbst kleinste Rissbildungen oder Faserschäden erkannt werden können.
Mit Früherkennung Millionen sparen
Ein einziger Blattschaden kann schnell mehrere Hunderttausend Euro kosten. Hinzu kommen die Aufwendungen für Krane, Transport und Stillstandzeiten. Durch die hochauflösende Echtzeit-Datenerfassung und intelligente Algorithmen ermöglicht BLADEcontrol NXT eine Früherkennung, die das Schadensrisiko massiv reduziert und Wartungsintervalle planbarer macht. Weidmüller beziffert das Einsparpotenzial im Vergleich zu herkömmlichen Reparatur- und Ausfallkosten auf bis zu den Faktor 30.
Konkret bedeutet das: Bei einer Offshore-Anlage der 12-MW-Klasse beläuft sich der Ertragsausfall pro Tag auf circa 18.000 Euro. Im vorliegenden Fall konnte die Stillstandzeit aufgrund der präventiven Schadensdetektion um 50 bis 70 Tage reduziert werden – verglichen mit einem potenziellen Blattverlust.
Transparente Datenanalyse mit WebVis
Für Betreiber und Serviceteams ist eine transparente Aufbereitung der Messdaten von zentraler Bedeutung. Mit dem Condition-Monitoring-System BLADEcontrol werden selbst kleinste strukturelle Veränderungen an Rotorblättern durch hochsensible Sensorik zuverlässig erfasst – noch bevor sich daraus kritische Schäden oder Ausfälle entwickeln können.
Die browserbasierte Plattform WebVis stellt diese Informationen übersichtlich dar, ermöglicht die Echtzeitverfolgung des Rotorblattzustands, erleichtert die Identifikation kritischer Ereignisse und unterstützt fundierte Wartungsentscheidungen – unabhängig von Standort und Endgerät. Damit ergänzt WebVis die Hardware ideal, indem es für Transparenz und schnelle Handlungssicherheit sorgt. Zusätzlich bietet Weidmüller Monitoring Systems einen umfassenden Monitoring-Service an, der auf einer kontinuierlichen, datenbasierten 24-Stunden-Überwachung der Rotorblätter beruht.
Ein Vorteil in Offshore-Windparks
Aufgrund ihrer Größe und der rauen Umgebungsbedingungen stellen Offshore-Anlagen besondere Anforderungen an die Überwachung. Dank der optischen Übertragung und der Möglichkeit, Sensoren tief im Blatt zu positionieren, ist BLADEcontrol NXT speziell für diesen Einsatz prädestiniert. Bereits heute sind über 7.000 Weidmüller-Systeme weltweit im Betrieb. Mit der neuen Generation sollen vor allem große Turbinen im Bereich von 5 bis 7 MW profitieren.
BLADEcontrol NXT ist Teil einer umfassenden Monitoring-Strategie. Neben der Rotorblattüberwachung entwickelt Weidmüller weitere Systeme, beispielsweise BOLTcontrol für die Bolzenbruchdetektion oder TwinCap für die Blattlagerüberwachung. Künftig sollen sich diese Systeme modular kombinieren lassen – für mehr Transparenz, höhere Sicherheit und reduzierte Investitionskosten.
Monitoring neu gedacht
Mit BLADEcontrol NXT bringt Weidmüller eine Lösung auf den Markt, die weit über die klassische Eiserkennung hinausgeht. Mithilfe von optischer Datenübertragung, erweiterter Sensorik und Echtzeitanalyse werden Rotorblätter präziser, zuverlässiger und wirtschaftlicher überwacht – ein entscheidender Schritt für die Zukunft großer Onshore- und Offshore-Windparks.