Während sich Juwi und Windwärts um die technische wie kaufmännische Betriebsführung kümmern, ist das Metier von MVV die Stromvermarktung und das von VSB die Wartung von Enercon-Anlagen.

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Komplettpaket für die Zeit nach der Sicherheit Post-EEG – was nun?

27.11.2020

MVV Energie und die beiden Entwickler und Betriebsführer von Erneuerbare-Energien-Projekten Juwi und Windwärts haben ihre Post-EGG-Lösung in dem gemeinsamen Produkt MVV 20 plus gebündelt.

„Die Entwicklung eines gemeinsamen Post-EEG-Produktes ist die logische Konsequenz aus dem vorhandenen Knowhow unter dem Dach der MVV“, sagt Stefan Sewckow. Der Geschäftsführer der MVV Trading betont, dass das neue Angebot die jahrelange Erfahrung der beiden Entwickler und Betriebsführer von Erneuerbare-Energien-Projekten Juwi und Windwärts mit der Kompetenz bei der Stromvermarktung von MVV Trading vereint. Das neue Produkt für Post-EEG-Anlagen fasse dabei viele einzelne Weiterbetriebskomponenten zusammen – vom Schnittstellenmanagement über den Betriebsführungsvertrag und die Stromvermarktung, bis zur Wartung der Anlagentechnik und den notwendigen Rahmenversicherungen.

Die Aufgabenverteilung ist logisch: Während sich Juwi und Windwärts um die technische wie kaufmännische Betriebsführung kümmern, ist das Metier von MVV die Stromvermarktung und das von VSB die Wartung von Enercon-Anlagen. Laut Sewckow handelt es sich beim Dresdener Unternehmen um einen erfahrenen Kooperationspartner für den technischen Service, der die Instandhaltung bei gleicher Qualität kostenreduziert durchführe. „Damit können wir einen Kostenvorteil an unsere Kunden weitergeben“, betont der Geschäftsführer des Mannheimer Energieunternehmens, das gleichzeitig der Mutterkonzern der beiden Betreiberfirmen ist.
Sewckow macht aber deutlich, dass sich der Service nicht auf Enercon-Anlagen beschränkt. „Wir möchten mit MVV 20 Plus alle Betreiber ansprechen, unabhängig vom Anlagentyp“, erläutert er. Für andere Hersteller arbeite man auch mit anderen Dienstleistern zusammen. Diese Flexibilität gilt auch für Enercon-Anlagen. Standortabhängig kooperiere man auch dort mit anderen Serviceunternehmen.

Der Vorteil für Anlagenbetreiber ist für Sewckow eindeutig: Neben der Bündelung von Dienstleistungen würden Risiken der Weiterbetriebszeit abgenommen. Hinzu komme, dass es statt vieler einzelner, nur noch einen zentralen Ansprechpartner gibt, der sich um alle wirtschaftlichen Belange des Windparks kümmert. Zudem erfolgt die Abrechnung über die erbrachte Leistung in Euro pro Megawattstunde, jeweils zum Monatsende, wobei die Dynamik eine Begrenzung bei längeren Stillständen findet. „Das sichert unseren Kunden die nötige Liquidität für einen wirtschaftlich erfolgreichen Weiterbetrieb ihres Bestandsparks“, so der Geschäftsführer.
Ein weiterer Vorteil: Die Kosten für Schnittstellenmanagement und Wartung sind für die Kunden ertragsabhängig gestaltet. Was das genau bedeutet erläutert der Handelsexperte so: „Die Umsätze unserer Kunden sollen möglichst immer die Kosten übersteigen. Auch bei Abregelungen erhalten MVV 20 plus-Kunden die volle Kompensation.“

Zwei Drittel weniger Einnahmen

Betreiber von Post-EEG-Windenergieanlagen müssen scharf kalkulieren. Nach Sewckows Einschätzung kann man pauschal davon ausgehen, dass man verglichen mit der EEG-Vergütung mit zwei Drittel weniger Einnahmen rechnen muss. Um vor dieser Einnahmesituation noch schwarze Zahlen zu schreiben, seien Betreiber gefordert, nicht nur einen guten PPA-Vertrag für die Post-EEG-Zeit abzuschließen, sondern auch die Betriebskosten zu optimieren. „Über diese beiden Hebel lässt sich der Profit steuern“, so Sewckow.

Weitere wesentlichen Faktoren für die Wirtschaftlichkeit sind neben dem Windstandort, der technische Zustand der Anlage und die Vergütung für den erzeugten Strom. Die Kosten für Wartung, Versicherungen, Service und Betriebsführung kommen obendrauf. „Bei einer optimierten Betriebsweise liegt hier aber auch Einsparpotenzial. Dieses zu heben ist Bestandteil von MVV 20 Plus“, sagt der MVV-Trading-Chef.

Dabei ist es wichtig alle Faktoren im Blick zu behalten. „Wir analysieren und bewerten jeden Anlagenstandort individuell und zwar nicht nur im Hinblick auf die mögliche Vergütung für den erzeugten Strom, sondern eben auch im Hinblick auf ein verändertes Betriebs- und Wartungskonzept. Das unterscheidet uns von allen anderen Produkten im Markt“, unterstreicht der Geschäftsführer.

Ein Schnellcheck der Anlagen ergänzt das Angebot. Damit wird der technische Zustand entsprechend der vorliegenden Gutachten und Wartungsdokumentationen überprüft. So lassen sich etwaige Ausfallrisiken schnell beurteilen, erläutert Sewckow: „Wir überprüfen die Kosten, welche für Wartung, Service, Betriebsführung oder Pacht anfallen und stellen diesen den zukünftigen Einnahmen gegenüber. Der Anlagenbetreiber bekommt damit schnell und auf einen Blick seine künftige Erlössituation vorgestellt.“

Sauberer Grünstrom aus der Region

Und wie attraktiv ist das Geschäft mit 20-Plus-Windenergieanlagen für Dienstleister wie MVV, Juwi oder Windwärts? Konkrete Aussagen macht der Geschäftsführer hier nicht. Er verweist wie bei vielen neuen Produkten auf die Anfangsinvestitionen für die Entwicklung und die Markteinführung. Bei MVV sei man davon überzeugt, durch die erfolgreiche Vermarktung von sauberem Grünstrom aus regionaler Erzeugung in den kommenden Jahren die getätigten Investitionen zurückverdienen zu können. Für 2021 plant man mit einer Anzahl zwischen 50 und 250 Anlagen. Aufgrund der unterschiedlichen Leistungen der Anlagen zwischen 500 und 1.500 kW ergibt sich so eine Gesamtleistung von bis zu 250 MW.

Und wie sieht es mit vergleichbaren PV-Projekten, die ja ebenfalls reihenweise ab dem kommenden Jahr aus der EEG-Förderung laufen? Sewckow adressiert einen wesentlichen Unterschied darin, dass bei einer Windkraftanlage der Schaden einer Großkomponente das wirtschaftliche Aus für das Projekt bedeuten kann. Im Gegensatz dazu sind die einzelnen Komponenten einer PV Anlage wesentlich günstiger. Zudem komme es im Bereich der PV Anlagen sehr selten zu einem Schaden einer Großkomponente, wie etwa dem Ausfall eines Transformators, betont der Geschäftsführer.

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  • Das neue Produkt für Post-EEG-Anlagen fasst einzelne Weiterbetriebskomponenten zusammen – vom Schnittstellenmanagement über den Betriebsführungsvertrag und die Stromvermarktung, bis zur Wartung der Anlagentechnik und den notwendigen Rahmenversicherungen.

    Bild: Juwi

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