Wirtschaft weiter auf moderatem Wachstumspfad

Positive Signale aus der deutschen Wirtschaft

Der IMK-Indikator wechselt von Gelbrot auf Gelbgrün und weist eine Rezessionswahrscheinlichkeit für die deutsche Wirtschaft von 24,6 Prozent aus.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit ChatGPT
18.08.2026

Die deutsche Wirtschaft startet mit besseren Aussichten in die kommenden Monate. Die Auftragseingänge aus Ländern außerhalb der EU nehmen zu und die Exporte erholen sich leicht. US-Zölle, chinesische Industriepolitik und Energiepreisschocks belasten die Wirtschaft jedoch weiterhin.

Die konjunkturellen Aussichten für die kommenden Monate hellen sich auf und die deutsche Wirtschaft dürfte weiterhin moderat wachsen. Das signalisiert der monatliche Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von August bis Ende Oktober 2026 weist der Indikator eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 24,6 Prozent aus. Anfang Juli betrug sie für die folgenden drei Monate noch 26,8 Prozent. Zusätzlich ist die statistische Streuung im Indikator gesunken – von 10,2 auf 7,2 Prozent –, was auf eine geringere Verunsicherung der Wirtschaftsakteure hindeutet. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator schaltet deshalb von „gelb-rot“ (erhöhte konjunkturelle Unsicherheit) auf die günstigere Phase „gelb-grün“ (moderater Wachstumspfad).

Deutsche Wirtschaft raus aus der Rezession?

„Die konjunkturelle Stabilisierung ist angesichts der andauernden Kriege im Iran und der Ukraine durchaus bemerkenswert, aber auch mit Vorsicht zu betrachten“, sagt IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald über das Konjunkturbild. Tendenzen wie die zuletzt aufwärtsgerichteten Auftragseingänge aus Ländern außerhalb der EU an die deutsche Industrie und eine leichte Erholung der Exporte seien Indizien für die grundsätzliche erhebliche Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Forderung nach offensiver Industriepolitik

In Zeiten von US-Zöllen, aggressiver chinesischer Industriepolitik und politisch verursachten Energiepreisschocks „bräuchten die konjunkturellen Fortschritte auch politisch weiteren Rücken- und keinen Gegenwind“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Zwar zeigen die staatlichen Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung mittlerweile positive Effekte, doch aktuell sei laut Dullien mehr notwendig: „Damit uns nicht die Zeit wegläuft, braucht Deutschland schnell eine wirtschaftspolitische Wende hin zu einer offensiven und kraftvollen Industriepolitik. Ohne geht es in der aktuellen Weltlage einfach nicht.“ Die Krise der Wirtschaft und insbesondere der Industrie sei kein Problem mangelnder preislicher Wettbewerbsfähigkeit. „Versuche, die Wettbewerbsfähigkeit mit Lohnkürzungen oder Einschnitten bei den Sozialleistungen zu verbessern, gehen am Problem vorbei“, betont der Ökonom.

Forderungen für Schlüsselbranchen und Zukunftstechnologien

Wenn die chinesische Regierung beschließt, dass möglichst keine Autos westlicher Hersteller mehr in China verkauft werden sollen oder die chinesische Infrastruktur weitgehend ohne ausländische Technologie auskommen soll, „dann helfen ein paar Prozent niedrigere Lohnkosten in Deutschland wenig“, sagt Dullien. „Gefragt sind deshalb nun die konsequente Anwendung von Local-Content-Klauseln für europäische Produkte bei öffentlicher Beschaffung und staatlicher Förderung etwa von E-Autos, selektive Schutzzölle für Schlüsselbranchen und gezielte Förderung von Zukunftstechnologien.“

Finanzmarkt- und Stimmungsindikatoren hellen sich auf

Maßgeblich für den leichten Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit IMK IMK-Indikator sind vor allem Aufhellungen bei einigen Finanzmarkt- und Stimmungsindikatoren. Dazu zählen unter anderem ein geringerer Finanzmarkstress, den, das IMK anhand eines breiten Datenkranzes misst, und eine positive Entwicklung beim S&P Einkaufsmanagerindex, der erstmals seit März 2026 über die Expansionsschwelle kletterte. Einen stärkeren Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit verhindert hat ein weiterer Anstieg der Geldmarktzinsen, der nach Theobalds Analyse die Markterwartung widerspiegelt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in Folge des Energiepreisschocks im September den Leitzins erhöhen wird.

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