Geopolitische Lieferausfälle treiben Nachfrage nach deutscher Chemie

Hormus-Blockade bringt deutsche Chemie in Schwung

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Die deutsche Chemieindustrie profitiert derzeit von geopolitisch veränderten Lieferströmen und steigender Nachfrage.

Bild: iStock, scanrail
03.09.2026

Das Geschäftsklima der Chemieindustrie verbessert sich deutlich. Doch die Branche profitiert vor allem von geopolitisch veränderten Lieferströmen. Ob daraus ein nachhaltiger Aufschwung entsteht, hängt auch von den Standortkosten ab.

Das Geschäftsklima in der Chemieindustrie hat sich im August sprunghaft verbessert. Der Index stieg auf minus 2,4 Punkte, nach minus 26,3 Punkten im Juli. Erstmals seit vier Jahren schätzen die Unternehmen die Geschäftslage sogar positiv ein. Der Saldo stieg auf plus 11,6 Punkte nach minus 14,6 Punkten im Juli. Auch die Geschäftserwartungen hellten sich deutlich auf: von minus 37,2 auf minus 15,5 Punkte. „Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus und die dadurch ausgelösten Lieferausfälle in Asien erhöhen die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen aus deutscher Produktion“, sagt Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.

Da sich geopolitisch keine Entspannung abzeichnet, rechnen die Unternehmen mit einer Fortsetzung dieser Sonderkonjunktur. Ihre Produktionspläne deuten auf eine Ausweitung der Fertigung hin. Auch das Exportgeschäft gewinnt weiter an Schwung: Der entsprechende Saldo stieg auf plus 10,1 Punkte, nach minus 22,7 Punkten im Juli. Zugleich hat sich die Versorgungslage etwas entspannt: Im dritten Quartal berichteten nur noch 13,8 Prozent der Chemieunternehmen von Materialknappheit, während es im zweiten Quartal noch jedes dritte Unternehmen war. Die strukturellen Probleme wie hohe Energie- und Standortkosten belasten die Branche jedoch weiter. Die Unternehmen rechnen daher trotz der Belebung mit weiterem Personalabbau. „Mittelfristig könnten allerdings die staatlichen Infrastruktur- und Investitionsprogramme die Nachfrage nach chemischen Vorleistungen stützen, sofern die angekündigten Projekte zügig umgesetzt werden“, sagt Wolf.

Erholung oder nur eine geopolitische Atempause?

Die Zahlen treffen damit auf eine Branchendebatte, die derzeit zwischen Erholung und Atempause schwankt. Auch der Verband der Chemischen Industrie stellt die Frage, ob die ersten positiven Signale bereits eine Trendwende markieren oder lediglich eine vorübergehende Sonderkonjunktur widerspiegeln. Als Gründe für die Belebung nennt der VCI unter anderem veränderte geopolitische Rahmenbedingungen und Handelsströme.

Neue Lieferströme könnten den Markt verändern

Die aktuelle Belebung ist daher mit Vorsicht zu bewerten. Sie beruht wesentlich auf einer geopolitisch bedingten Verschiebung der Lieferströme. Da sich derzeit keine Entspannung abzeichnet, rechnen die Unternehmen damit, dass dieser Nachfrageimpuls zunächst anhält. Hält die Blockade länger an, könnte sie jedoch nicht nur kurzfristige Effekte haben. Abnehmer dürften ihre Lieferketten stärker diversifizieren und vermehrt auf europäische oder deutsche Anbieter setzen. Dadurch könnten sich Beschaffungsstrategien und Produktionsstrukturen dauerhaft verändern. Die Nachfrage nach Chemieprodukten aus deutscher Fertigung könnte dann auch über die akute Krisenphase hinaus steigen.

Der VCI betont, entscheidend sei derzeit nicht, ob die Industrie kurzfristig Rückenwind spüre, sondern ob daraus trotz der strukturellen Standortnachteile in Deutschland ein nachhaltiger Aufschwung entstehen könne. Die Erholung steht damit auf einem unsicheren Fundament: Kurzfristig verschafft die geopolitische Krise der deutschen Chemiebranche Rückenwind. Längerfristig könnte sie Lieferketten und Produktionsstrukturen zugunsten deutscher Anbieter verändern. Eine echte Trendwende ist daraus jedoch erst abzuleiten, wenn sich die Nachfrage verstetigt und zugleich die strukturellen Standortnachteile verringert werden.

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