Klaus Wammes ist Geschäftsführer von Wammes & Partner. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Forschung und Produktion im Bereich der Optoelektronik. Durch mehr als 20 Jahre Erfahrung in Entwicklung und Herstellung von Flachbildschirmen und Displays für extreme Anwendungsbereiche ist Klaus Wammes im EDCG–Electronic-Displays-Center-Gundersheim zu einer Anlaufstelle für Fragen rund um elektronische Displays geworden – in allen Applikationen und für alle Hersteller.

Bild: Michael Reichel, Wammes & Partner

Cultural Change Plötzlich überall Corona-Spezialisten?

05.08.2020

Bisher war Corona – abgesehen von Markennamen – eher wirklich was für Spezialisten. Für uns zum Beispiel war und ist es ein physikalischer, plasma-generierender Effekt, der allerdings zugegebenermaßen doch einige Charakterzüge mit dem jetzt dominierenden Virus teilt: Man weiß nicht so ganz genau, wie dieser Effekt entsteht, was er im Detail bewirkt und wie man ihn zum Vorteil nutzt oder wirksam verhindert. Der Vergleich geht weiter, denn beide Coronas verbreiten in ihrem Umfeld zumindest unklare Verhältnisse und erzeugen damit viele neue „Spezialisten“, die den „richtigen“ Weg zeigen wollen.

Klaus Wammes ist mit diesem Beitrag im E&E-Kompendium 2020 als einer von 100 Machern der Elektronikwelt vertreten. Alle Beiträge des E&E-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Neue Spezialisten braucht das Land: Die Digitalisierung nimmt schneller zu, wird auf breiter Front genutzt – ohne geht es gar nicht – und zeigt sogar neue Vorteile. Liebgewonnene Alltäglichkeiten haben völlig neue Wertigkeiten und Prioritäten bekommen und müssen neu organisiert werden. Im globalen Getriebe muss ein anderer Gang eingelegt werden, ohne Kupplung oder Automatik.

Vielleicht sollten wir mit dem neuen Corona strategisch ebenso wie mit dem uns bisher bekannten physikalischen Corona umgehen: Technisch gesprochen können generell gültige, zweiwertige Aussagen wie richtig und falsch nicht gegeben werden. Möglich sind nur situations- und systembedingte Entscheidungen in einem gut abstimmbaren Regelkreis. Bei der hochansteckenden Infektionskrankheit Corona physikalisch, wie bei Corona neu, werden Quick-&-Dirty-Steuerungen mit immer wieder nur wechselndem „Ein“ und „Aus“ nicht wirklich weiterhelfen.

Was wir aus Corona machen, liegt an uns

Der aktuelle weltweite Zustand, den man aus den Nachrichten erfährt, spiegelt nach meiner Empfindung genau dieses zwittrige Suchen zwischen einfachem Handeln und dem ursächlichem Verstehen der unbekannten Situation – mit all seinen Auswirkungen wie aktuell gänzlicher Unplanbarkeit in allen möglichen geschäftlichen Belangen und lokaler Hysterie bis zum absoluten Chaos und auch opportunistischem Pragmatismus bis hin zum Phlegma. Hier sind wir wohl alle gemeinsam mehr oder weniger auf dem Weg zur „Improvisations-Großmeisterschaft“.

Kurz: Alles ist in Bewegung und wird damit auch zu einer großen Möglichkeit – mit viel weniger zusätzlichem Aufwand als ohne diesen weltweit synchronisierten Riesen-Schubs Coronavirus –, alles neu und hoffentlich sinnvoller zu sortieren. De facto hatten wir in unserer Generation noch keine bessere Chance und größere Herausforderung, uns global neu aufzustellen.

Es liegt jetzt tatsächlich nur an uns. Den beiden, wie allen anderen Coronas auch, ist egal, was wir daraus machen. Uns sollte es das nicht!

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