Die EEG-Festvergütung läuft bis 2030 für viele Anlagen aus, daraus ergeben sich auch für Biogasanlagen neue Anforderungen und Herausforderungen.

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Biogas 2030 – Post EGG Neue Konzepte für den Biogasanlagenbestand

17.04.2020

Der Bestand an Biogasanlagen in Deutschland umfasst derzeit rund 9.000 Biogasanlagen, die im Wesentlichen erneuerbaren Strom und Wärme erzeugen. Da die EEG-Festvergütung bis zum Jahr 2030 für eine Vielzahl von Anlagen ausläuft, ergeben sich auch für Biogasanlagen neue Anforderungen und Herausforderungen. Ziel des nun abgeschlossenen Vorhabens „Biogas2030“ war es, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Anlagenkonzepte für den Biogasanlagenbestand aufzuzeigen.

Ausgehend vom Bestand der Anlagen zur Produktion von Biogas in Deutschland wurden im Forschungsvorhaben „Optionen für Biogas-Bestandsanlagen bis 2030 aus ökonomischer und energiewirtschaftlicher Sicht“ Anlagenkonzepte identifiziert, für die drei verschiedene Betriebsmodelle näher betrachtet wurden.

Auf der Basis der ausgewählten Modelle (Substratreduktion, Flex-Konzept, Umrüstung VOV zu Biomethan) wurden Kostenbetrachtungen und THG-Bilanzen erstellt, Hemmnisse für deren Umsetzbarkeit identifiziert und Handlungsoptionen abgeleitet.

Differenzierung nach Anlagengröße und regionalen Rahmenbedingungen

Zur angemessenen Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und energiesystem-technischen Aspekte empfehlen die Wissenschaftler des Projektkonsortiums, nach Anlagengröße und regionalen Rahmenbedingungen zu differenzieren. Während für die kleineren Bestandsanlagen Anreize für Substratreduktion (Betriebsmodell 1) oder zur Flexibilisierung der Anlagen (Betriebsmodell 2) zu setzen sind, wird ausschließlich für die größeren Biogasanlagen (> 250 m3 Biogas/h) die Umstellung der Anlage zur Bereitstellung von Biomethan (Betriebsmodell 3) empfohlen.

Die Betriebsmodelle

Um die Substratreduktion des NawaRo-Anteils (Betriebsmodell 1) für landwirtschaftliche Biogasanlagen anzureizen, sollten für Anlagen mit hohem Gülleanteil die EEG-Festvergütung fortgeführt, beziehungsweise eine gesetzliche Anschlussförderung in Erwägung gezogen werden. Die Reduktion der Substratmenge im Betriebsmodell 1 (50 Prozent energetisch) führe letztlich zu einer Flexibilisierung der Anlage und eröffne damit auch die Möglichkeit, die Flexibilitätsprämie in Anspruch nehmen zu können, so die Wissenschaftler.

Für die Flexibilisierung der Biogasanlage (Betriebsmodell 2) werden darüber hinaus Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen durch eine Optimierung des Ausschreibungsmanagements für Bestandsanlagen empfohlen. So sind in erster Linie konkrete Ausschreibungsvolumina für Strom aus Biomasse für den Zeitraum ab 2023 festzulegen und frühzeitig bekannt zu machen. Bei der Umstellung auf Biomethan (Betriebsmodell 3) bedarf es unter anderen einer Änderung des rechtlich regulatorischen Regelwerks, um die Anreize zur vollkostenoptimierten Erzeugung und Einspeisung von Biomethan zu erhöhen. Eine Option, die spezifischen Bereitstellungskosten von Biomethan zu reduzieren, könnte beispielsweise im Bereich der Gaskonditionierung (unter anderen Brennwertanpassung) sowie einer Anpassung an der 38. BImSchV bestehen.

Eine Lenkung der Entwicklung von Biogasbestandsanlagen in die strategisch gewünschte Richtung erfordert, so das Projektkonsortium, neben der Anpassung der wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in erster Linie eine Gesamtstrategie für Biogas beziehungsweise Biomethan, in der eine klare Richtungsentscheidung und Lenkungsmechanismen für den Bestand der Biogasanlagen festgehalten werden.

Das Vorhaben wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes im Rahmen des Energieforschungsplanes – Forschungskennzahl 37EV 16 111 0 – unter der Fachaufsicht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durchgeführt und mit Bundesmitteln finanziert.

Smart Bioenergy

Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit hoher Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden.

Abschlussbericht

Bildergalerie

  • Größenklassenverteilung der Biogasproduktionsanlagen nach DBFZ-Datenbasis Anlagendatenbank; installierte Anlagenleistung und Stromerzeugung nach AGEE-Stat 2/2019 (UBA 2019), eine Prognose des DBFZ.

    Bild: DBFZ

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