Josef Art, 46 Jahre, ist Vice President Recycling Technology bei Zeppelin Systems, einem Anlagenbauer mit 1.600 Mitarbeitern. Zuvor arbeitete Art neun Jahre bei BMW, dann wechselte er in die Zulieferindustrie als Einkaufsleiter, Werksleiter und Geschäftsführer. Anschließend war er im Maschinen- und Anlagenbau bei KraussMaffei als Leiter einer BU und eines digitalen Corporate Startups tätig.

Bild: Zeppelin

Josef Art, Zeppelin Systems Nachhaltigkeit plus – was ist das und wie kann es gelingen?

27.10.2022

Stellen Sie sich ein großes Unternehmen deutscher Industriegeschichte vor, welches einen Großteil seines Umsatzes in der erdölbasierten Kunststoffindustrie verdient. Ist Nachhaltigkeit hier Chance oder Risiko? Und wie gelingt ein Wandel insbesondere in der Phase voller Auftragsbücher? Nachhaltigkeit plus – was ist das und wie kann es gelingen?

„Weiße Elefanten“, so werden Großaufträge intern im Polyolefinbereich mit vielen Silos, großer Förder- und Dosiertechnik genannt. Als Anlagenbauer und Experte im Schüttguthandling ist dies nur ein Bereich, in dem Zeppelin Systems tätig ist und die Nachfrage der Kunden nach Anlagenkonzepten mit hohen Leistungen bei gleichzeitig hoher Produktqualität beantwortet. Aber welche Rolle spielt Nachhaltigkeit hier? Für das Unternehmen selbst sind Energieeinsparung, Fotovoltaikanlagen, gedämmte Gebäude, Elektrofahrzeuge und Weiterentwicklung der Organisation über Kennzahlen und Zertifizierungen ein wichtiger Beitrag. Aber was kann man darüber hinaus tun und welchen Einfluss haben der European Green Deal, Rezyklateinsatzquoten und die Plastiksteuer? Was können wir hier als Unternehmen beitragen, um diese Veränderungen als Chance zu nutzen?

Unter dem neuen CEO, Dr. Markus Vöge, hat sich Zeppelin Systems in dieser Situation einem nächsten Schritt verschrieben – Nachhaltigkeit plus: Aufbau des Geschäftsfelds Recycling Plants, um einen relevanten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu leisten. Ziel ist es, Komponenten und Anlagen zur professionellen Industrialisierung im stark wachsenden Kunststoffrecycling zu liefern. Das ist schnell entschieden, aber wie groß ist so ein Change, nicht nur selbst nachhaltig zu handeln, sondern auch neue Geschäftsfelder aufzubauen? Der erste Schritt war das Zusammenstellen eines Teams und die Besetzung der Führungsposition. Nach drei Monaten Marktscreenings und Strategieentwicklung wurden die Erkenntnisse in den internen Gremien vorgestellt und verabschiedet, inkl. Repriorisierung von Organisationseinheiten und neue Planstellen im Vertrieb mit Expertise entlang der Recyclingprozessstufen.

Um die Kunden noch besser zu verstehen, fürte das Team sogenannte „Pain Point Interviews“, in denen mit aktuellen oder auch zukünftigen Kunden einstündige, strukturierte Interviews über aktuelle Herausforderungen oder Wünsche nach Effizienz-, Qualitäts- oder Profitabilitätsverbesserungen oder auch Risikominimierungen besprochen wurden. Dieses kundenfokussierte „Design Thinking“ in Verbindung mit dem erfahrenen Team aus dem Bereich Technologie und Innovation soll Lösungen mit Kundenmehrwert, ergänzt durch Kooperations- und M&A-Gespräche entlang der Wertschöpfungskette bieten. Zeppelin Systems geht die Veränderung gesamtheitlich an, also mit Strategie, Ressourcen, Know-How, Prozessen, Strukturen und auch dem notwendigen Veränderungsklima. Es gibt Wochensprints, Prozessreflexionen und viel offene und auch digitale Kommunikation, ähnlich einem Startup. So präsentiert das Unternehmen bereits zur K Messe 2022 erste Lösungen zum Entgasen, Desodorieren von Rezyklaten und zum Kompaktieren, Lagern und sicheren Dosieren von fluffigen Materialien. Das bedeutet Nachhaltigkeit plus.

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