Interview: So setzt PTR Hartmann auf Wachstum und Wandel

„Mut zum Standort Deutschland“

„Während viele gerade restrukturieren, gehen wir bewusst einen Schritt nach vorne: Wir investieren. Wir bauen aus. Wir wachsen“, sagt PTR-Hartmann-Geschäftsführer Ralf Klein.

Bild: Tim Luhmann für PTR HARTMANN
29.10.2026

Technologischer Wandel und globale Unsicherheiten: Wie bleibt ein Mittelständler trotzdem flexibel und wettbewerbsfähig? PTR-Hartmann-Geschäftsführer Ralf Klein spricht mit der E&E über kundennahe Innovation, präzise Komponenten und Prüftechnik sowie den Wandel in der Industrie. Es geht um Vertrauen in die Mitarbeitenden, internationale Zusammenarbeit und darum, warum überzeugende Lösungen für den langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sind.

Herr Klein, Sie sind seit Mai 2025 Geschäftsführer bei PTR Hartmann. Was hat Sie persönlich an diesem Unternehmen gereizt – und was hat Sie in den ersten Monaten am meisten beeindruckt?

PTR Hartmann ist Teil der Phoenix-Mecano-Gruppe mit Sitz in der Schweiz. In meinen ersten Gesprächen mit der Konzernleitung begeisterten mich die Wertschätzung und das Vertrauen, das ich erfahren habe und das unternehmerische Denken. Die Freiheitsgrade haben mich gereizt und ich hatte unheimlich Lust, mit den Menschen, die ich kennengelernt hatte, zusammenzuarbeiten. Am meisten beeindruckt hat mich in den ersten Monaten das familiäre Wir-Gefühl an allen unseren Standorten. Man hilft sich gegenseitig, wenn Not am Mann ist, ohne sich an Stellenbeschreibungen festzuhalten.

Sie haben angekündigt, neue Impulse setzen und Innovationen gezielt fördern zu wollen. Wie definieren Sie Innovation – und wie wollen Sie eine Unternehmenskultur schaffen, in der genau das gelingt?

Der Begriff Innovation wird sehr unterschiedlich benutzt und zum Teil auch überstrapaziert. Unser Ziel ist vor allem, den Kunden zufriedenzustellen und von unseren Lösungen zu überzeugen. Das ist nicht immer eine spektakuläre Innovation, aber für mich das Wichtigste für langfristigen Unternehmenserfolg. Für entscheidend halte ich, den Menschen Vertrauen zu schenken, kreativ und mutig zu sein. Nicht jeder neue Weg führt zum Erfolg und niemand wird bestraft, weil er etwas Neues ausprobiert hat, das am Ende nicht funktioniert hat.

PTR Hartmann investiert derzeit in ein neues, nachhaltiges Betriebsgebäude in Baiersdorf. Was bedeutet dieser Schritt für Sie und welchen Einfluss wird der neue Standort auf das Unternehmen haben?

Das war ein großer Schritt für uns, denn wir wollen wachsen. Und wir haben dafür Platz geschaffen. Mit einer Grundstücksfläche über 13.000 m2 und einer Produktionsfläche, von der zu Beginn noch ein Drittel frei ist. „Fill the fab“ – das ist unser klares Ziel. Dieses Projekt war ein Meilenstein. Mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro ist das ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und ein starkes Signal des Vertrauens in unser Unternehmen.

Mut für den deutschen Mittelstand?

Wir leben in einer Zeit globaler Unsicherheiten. Und gerade in Deutschland kennen wir auch ein Phänomen sehr gut: die berühmte „deutsche Angst“. Diese Investition ist ein klares Zeichen für Zuversicht, für Zukunft – und ja, auch für ein bisschen Optimismus. Denn während viele gerade restrukturieren, gehen wir bewusst einen Schritt nach vorne: Wir investieren. Wir bauen aus. Wir wachsen.

Was tun Sie, um als mittelständisches Unternehmen in einer zunehmend deglobalisierten Welt wettbewerbsfähig zu sein?

PTR Hartmann steht auf einem starken Fundament: drei Standorte in Deutschland – perfekt positioniert in wichtigen Industrieclustern, internationale Präsenz mit Standorten in Tunesien, China und Mexiko sowie die Fähigkeit, unsere Kunden weltweit zu bedienen. Gerade in Zeiten von „local for local“ oder „in the region for the region“, wie es in vielen Unternehmen heißt, wird diese Aufstellung immer wichtiger. Wir investieren viel Aufmerksamkeit und Energie, um unser globales Teamplay zu sichern und weiter auszubauen. Das beginnt im internationalen Management-Team mit dem Ziel, dies in der gesamten Organisation vorzuleben und zu unterstützen. Für mich spielen Unternehmen hier eine wichtige Rolle, um Brücken zwischen verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Kulturen zu bauen, während die Politik häufig das Gegenteil bewirkt.

Sie feiern hier auf der Messe Electronica Ihr 65. Firmenjubiläum?

Das ist richtig. PTR Hartmann ist über die Jahre durch mehrere Firmenverschmelzungen zu dem Unternehmen geworden, das wir heute sind. Unsere älteste Wurzel reicht bis ins Jahr 1961 zurück, als Fritz Hartmann die Firma Hartmann Codier gründete, auf die unser Standort in Baiersdorf zurückgeht. Wir sind sehr stolz auf dieses Jubiläum darauf, dass wir ein kleines bisschen deutsche Industriegeschichte mitschreiben durften. Viele Unternehmen vergessen ihre Vergangenheit. Das halte ich für falsch. Sie ist die Basis für die Zukunft. Gleichzeitig darf man sich natürlich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Das verzeiht unsere schnelllebige und teils chaotische Gegenwart nicht.

Es findet seit einigen Jahren ein starker struktureller Wandel in der Industrie statt. Welche Herausforderungen sehen Sie hier für das Unternehmen?

Die größte Herausforderung liegt wahrscheinlich darin, dass Planbarkeit nicht mehr möglich ist. Die Veränderungen durch regionale Verschiebungen, durch Wandel in den Branchen und verschiedenste Krisen lassen Unternehmen nur eine Wahl: flexibel bleiben. Das kostet Kraft. Traditionelle Branchen wie die Automobilindustrie verlieren an Bedeutung, gehypte Branchen wie zum Beispiel die E-Mobilität entwickeln sich anders als von vielen erwartet. Unser Ziel ist es, flexibel und anpassungsfähig zu sein. Gleichzeitig wollen wir an Wachstumstreibern wie künstlicher Intelligenz oder erneuerbaren Energien partizipieren.

Die Kombination aus Anschlussklemmen, Schalter, Induktivitäten und Federkontakte für die Prüftechnik macht PTR Hartmann besonders vielseitig. Wie gelingt es Ihnen, diese Technologiefelder strategisch zu verzahnen und wo sehen Sie hier die spannendsten Zukunftschancen?

Wir haben heute schon ein breites Portfolio an Produkten. Gleichzeitig suchen wir konstant, welche Produkte unser Angebot für unsere Kunden sinnvoll ergänzen können. Hier werden wir Chance aus Marktkonsolidierungen nutzen. Was alle Produkte verbindet ist miniaturisierte Fertigungstechnologie, hochpräzise Kunststoffteile und Kontakte. Wir investieren gerade für alle Produktfamilien in Automatisierungstechnik, um fertigungstechnologisch und kostentechnisch weiter vorne zu bleiben.

Sie waren lange Jahre in der Bosch-Gruppe und zuletzt in leitender Position bei der Harting-Gruppe tätig. Wie haben Sie Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit geprägt und in welcher Hinsicht möchten Sie bei PTR Hartmann jetzt vielleicht sogar bewusst neue Wege gehen?

In der Bosch-Gruppe habe ich als junger Mensch viel an strukturiertem Arbeiten und Führung in einem internationalen Konzern erlernt. Von diesem “Methoden-Koffer“ profitiere ich heute noch. Auch, sich selbst nicht über die Sache zu stellen, habe ich aus dieser Zeit für mich mitgenommen. In der Harting-Gruppe durfte ich Erfahrungen in einem traditionellen, global gut aufgestellten Familienunternehmen sammeln. Aus meinen verschiedenen Erfahrungen habe ich für mich mitgenommen, wie wichtig es ist, gute und motivierte Mitarbeiter zu halten und zu gewinnen. Ich möchte ein positives Momentum erzeugen, den Menschen Mut machen, Freiräume zu nutzen und Verantwortung zu übernehmen. Ich kann und möchte nicht immer alles am besten wissen und ich kann gut damit leben, wenn jemand etwas besser kann als ich. Was ich bei allem, was wir tun, hinterfrage ist: Wieviel Struktur und Methodik bringt uns als mittelständisches Unternehmen weiter und wo fängt es an, uns zu bremsen.

Wenn Sie fünf Jahre vorausblicken: Was wäre für Sie wichtige Meilensteine bei PTR Hartmann – technisch, strategisch, aber vielleicht auch ganz persönlich?

Wichtige Meilensteine wären, den eingeschlagenen Weg fortgesetzt zu haben und weiter vorangekommen zu sein. Dies zeigt sich vor allem in unserer Geschäftsentwicklung, der Auslastung unserer getätigten Wachstumsinvestitionen, einem weiteren Portfolioausbau und Internationalisierung und am wichtigsten: zufriedenen Kunden. Für mich ganz persönlich: Wenn irgendwann jemand zu mir sagt: „Ralf, du warst ein guter Chef“ oder „Herr Klein, das war eine gute Zeit mit Ihnen“, dann bin ich stolz, glücklich und zufrieden.

Lesen Sie hier das Titelinterview!

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel