Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) haben sich innerhalb weniger Jahre zu einem zentralen Baustein moderner Energieinfrastrukturen entwickelt. Sie stabilisieren elektrische Netze, unterstützen die Integration erneuerbarer Energien und sichern in Rechenzentren oder Industrieanlagen eine zuverlässige Energieversorgung. Der weltweite Markt verzeichnete 2024 ein Rekordjahr – die Installationen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 53 Prozent. Mit dem anhaltenden Wachstum des globalen Stromverbrauchs nimmt auch die technische Komplexität der Systeme zu. Entwickler stehen vor der Aufgabe, leistungsstarke, effiziente und langzeitstabile BESS zu konstruieren. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei die Multiphysik-Modellierung und -Simulation, wie sie von Comsol bereitgestellt wird.
Warum das thermische Verhalten über den Erfolg eines BESS entscheidet
Unzureichendes thermisches Management gilt als einer der Hauptfaktoren für Leistungsverlust, Alterung und Sicherheitsrisiken in Batteriesystemen. Die Zyklenfestigkeit, der Wirkungsgrad und selbst grundlegende Betriebsfunktionen hängen entscheidend davon ab, wie gleichmäßig Wärme im System verteilt und abgeleitet wird. Physische Tests sind dafür nach wie vor relevant, stoßen jedoch schnell an Grenzen: Sie sind zeit- und kostenintensiv, und sie erlauben nur das Austesten eines Bruchteils der Varianten, die für ein robustes Systemdesign notwendig ist.
Simulation und virtuelle Prototypen bieten hier einen entscheidenden Vorteil. Ingenieure können Wärmeübertragungsprozesse detailliert untersuchen, Hotspots identifizieren und Kühlstrategien vergleichen – lange bevor erste Hardware aufgebaut wird. Das ermöglicht schnellere Designzyklen, geringere Entwicklungskosten und am Ende zuverlässigere Produkte.
Zellebene: Grundlagen für robuste Systemarchitekturen
Schon die thermischen Eigenschaften einzelner Zellen beeinflussen, wie ein Batteriepack später ausgelegt werden muss. Mithilfe von Multiphysik-Tools lassen sich unterschiedliche Zellformate, Materialien und chemische Systeme virtuell entwickeln und testen. Die Modelle bilden typische Kenngrößen wie Spannung, Innenwiderstand oder Ladezustand (SOC) ab und simulieren deren Verhalten unter verschiedenen Lastprofilen.
Wesentlich ist dabei die Einbeziehung von Alterungsmechanismen. Hohe Temperaturen beschleunigen beispielsweise elektrochemische Degradationsprozesse, während sehr niedrige Temperaturen metallische Lithium-Plattierung begünstigen können. Durch die Kopplung elektrischer und thermischer Modelle entsteht ein elektrothermischer Ansatz, der solche Effekte sichtbar macht. Entwicklungsingenieure können Strategien zur Lebensdauerverlängerung ableiten, geeignete Kühlkonzepte definieren und die Zellchemie gezielt auf die spätere Anwendung abstimmen.
Pack-Ebene: Thermik, Sicherheit und Effizienz im Zusammenspiel
Auf der nächsten Skalierungsebene wird deutlich, wie essenziell präzise Vorarbeit auf Zellebene ist. Im Batteriepack kommen mechanische, elektrische und thermische Wechselwirkungen zusammen, was ein ideales Einsatzfeld für Multiphysik-Simulationen darstellt. Designer können unterschiedliche Geometrien, Zellanordnungen oder Kühlkonzepte analysieren und deren Einfluss auf Temperaturverteilung, Leistungsabgabe und Lebensdauer quantifizieren.
Besonders relevant ist die virtuelle Bewertung von Hotspot-Bildung und potenziellen Sicherheitsrisiken. Durch frühzeitiges Erkennen thermischer Engpässe lassen sich robuste, skalierbare Kühlstrategien entwickeln – von Luft- über Flüssig- bis hin zu kontaktlosen Kühlkonzepten. Darüber hinaus unterstützt die Simulation dabei, die Effizienz der Systeme zu steigern, indem unnötige thermische Verluste minimiert werden.
Fazit: Simulation ist ein Schlüssel zur nächsten BESS-Generation
Angesichts steigender Leistungsanforderungen, wachsender Systemgrößen und immer kürzerer Entwicklungszeiten wird die Multiphysik-Modellierung zu einem unverzichtbaren Werkzeug im BESS-Design. Sie ermöglicht es, Zell- und Pack-Architekturen ganzheitlich zu verbessern, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Lebensdauer der Systeme deutlich zu erhöhen. Anwenderbeispiele bei Comsol belegen: Unternehmen, die auf virtuelle Entwicklungsmethoden setzen, können sowohl schneller als auch kosteneffizienter agieren und gleichzeitig den steigenden Anforderungen der Energiewende gerecht werden. Multiphysik-Simulation fungiert so als echter Katalysator in der Entwicklung fortschrittlicher BESS-Lösungen für heute, morgen und übermorgen.