Die Automatisierungstechnik ist eine Schlüsseltechnologie – und Deutschland gilt dafür als globaler Hotspot. Doch um diesen Spitzenplatz in einer sich rasant verändernden Welt langfristig zu behaupten, müssen wir alte Muster aufbrechen und radikal neu denken.
Die klassische industrielle Steuerungstechnik ist im Kern rund 60 Jahre alt. Abgesehen von schickeren Gehäusen hat sich das Grundprinzip – abgeleitet von der traditionellen Verdrahtung in Schaltschränken – bis heute kaum verändert. Nun treffen jedoch zwei gewaltige Strömungen aufeinander: Ein technologischer Umbruch durch künstliche Intelligenz (KI) und das Zusammenwachsen von Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) auf der einen Seite, und ein spürbarer Generationenwechsel bei den Anwendern auf der anderen Seite. Die Ingenieurinnen und Ingenieure von morgen wachsen selbstverständlich mit Smartphones auf und erwarten intuitive, flexible Software-Lösungen.
Vor einigen Jahren haben wir uns daher eine neue Mission gegeben: Automatisierung offen zu gestalten und Programmierbarkeit für jeden zu ermöglichen. Das Ergebnis ist ctrlX AUTOMATION. Wir haben einen Baukasten entwickelt, der stark steuerungszentriert auf dem Betriebssystem Linux basiert, konsequent auf App-Technologie setzt und webbasiertes Engineering sowie moderne Programmiersprachen unterstützt. Analog zu einem Smartphone mit Betriebssystem und einem digitalen Marktplatz verbinden wir die Welten miteinander. Bereits bei der Entwicklung haben wir außerdem Anforderungen wie Cybersicherheit von Grund auf berücksichtigt.
Doch ein offenes System lebt niemals von einem Hersteller allein. Deshalb haben wir ein weltweites Partner-Netzwerk gegründet, die ctrlX World. Somit können Partner ihre eigenen Hardware- und Softwarebausteine nahtlos in ctrlX AUTOMATION integrieren. Was vor wenigen Jahren mit zwölf Pionieren begann, umfasst heute bereits über 110 Partner – von spezialisierten Sensorik-Herstellern über Softwarekonzerne bis hin zu Chip-Herstellern wie AMD. Der ctrlX OS Store bietet neben Apps von Bosch Rexroth eine Vielzahl dieser Partnerlösungen an. Über die Hälfte stammt inzwischen von Drittanbietern. Das erweitert den Lösungsraum enorm und ermöglicht Anwendungen, die wir alleine nicht hätten entwickeln können.
Diese Form der Kollaboration erfordert auch einen kulturellen Wandel. Wir müssen aufhören, in proprietären Egosystemen zu denken. Wenn wir gemeinsam mit Unternehmen auf Messen auftreten, die in manchen Bereichen auch Mitbewerber sind, dann entscheiden am Ende die Anwender, was für sie die beste Lösung ist. Niemand schafft es heute mehr, alle Technologien alleine zu entwickeln. Man muss Stärken gezielt verzahnen und Synergien nutzen.
Der nächste logische Schritt war die Öffnung des Betriebssystems ctrlX OS für andere Gerätehersteller. Nach dem Prinzip von Android stellen wir unsere Softwarebasis Partnern zur Verfügung, die damit eigene Steuerungen betreiben, ohne das Rad neu erfinden zu müssen.
Zudem integrieren wir KI-Funktionen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg – beispielsweise über Schnittstellen wie das Model Context Protocol (MCP), um Steuerungssysteme direkt mit Large Language Models (LLM) interagieren zu lassen.
Heute nutzen bereits über 2.000 Kunden unsere Plattform. Die Offenheit führt uns in neue Märkte wie die Energietechnik. Echte Offenheit ist der wahre Gamechanger für unsere Industrie.