Stefan Hoppe, OPC Foundation

Brückenbau im Daten-Dschungel: OT und IT sprechen eine Sprache

Stefan Hoppe ist seit 2018 Präsident und Executive Director der OPC Foundation. Bereits ab 2015 trieb er als Vizepräsident die weltweite Expansion von OPC UA in die Bereiche IoT und Industrie 4.0 voran. Hauptberuflich ist der studierte Elektroingenieur seit 1995 bei Beckhoff Automation tätig, derzeit als Senior Manager Strategic Technologies. Hoppe gilt als wichtiger Impulsgeber für internationale Kooperationen und Companion Specifications, die heute maßgeblich die herstellerübergreifende Interoperabilität in der Industrie prägen.

04.11.2026

Die Einführung des Digitalen Produktpasses bis 2027 stellt die Industrie vor gewaltige Herausforderungen. Interoperable Standards sollen die Brücke zwischen Fabrikhalle und Cloud schlagen, unterschiedliche Systeme verbinden und Unternehmen helfen, Daten effizient und kostengünstig zu nutzen.

Die Digitalisierung macht nicht an der Werkstorgrenze halt. Interoperabilität wächst über die klassische Welt der Operational Technology (OT) hinaus – in Europas Lieferketten. Eine Einigung auf eine Firma, ein Format und ein Protokoll wäre einfach. Doch genutzt werden Google Cloud Platform (GCP), Microsoft Azure und Amazon Web Services (AWS). Daten müssen fließen; CO2-Berechnungen sind hochkomplex und parameterabhängig.

Die Europäische Kommission hat den Digitalen Produktpass (DPP) vorgegeben. Ab Februar 2027 wird er beispielsweise für industrielle Batterien ab zwei Kilowattstunden Kapazität scharf geschaltet. Der Pass enthält statische Produktionsdaten wie Seriennummern und Live-Daten zum CO2-Fußabdruck aus Lieferkette und Nutzung.

Der DPP ist kein Aufkleber, sondern ein lebendes Datensystem in einer Cloud-Datenbank. Die CEN/CENELEC-Gruppe JTC24 hat Daten und Datenzugriff festgelegt: Die Daten sind als Elemente und Werte definiert; die Schnittstelle ist REST. Der Versuch aus Deutschland, die Verwaltungsschale (Asset Admin Shell – AAS) als Technologie zu setzen, wurde abgelehnt – und das ist gut so.

Für die Umsetzung des Battery Passports initiierte die OPC Foundation die Arbeitsgruppe „Battery Solutions“ mit Catena-X, IDSA, IDTA, VDA und VDMA. Am Batterie-Hub Deutschland, dem Fraunhofer FFB in Münster, soll die Lösung umgesetzt werden. Ursprünglich sollten AAS und OPC UA dort den „Digitalen Batterie Passport“ ermöglichen.

OPC UA sollte dabei das Herzstück bilden: Die Modellierungssprache ist leistungsfähig, international verbreitet, seit 20 Jahren rückwärtskompatibel und bietet integrierte Security sowie Transportmechanismen. Ein Proof of Concept bei Siemens zeigte, dass AAS und OPC UA harmonieren: AAS-Modelle lassen sich verlustfrei in OPC UA wandeln und dort betreiben. Auch Catena-X-Modelle stehen kostenlos in der UA Cloud Library – der größten kostenfreien Bibliothek für standardisierte Informationsmodelle in der Automatisierung.

Die Umsetzung des OPC-UA-Batteriepasses aus der UA Cloud Library, aus Catena-X- und AAS-Modellen gewandelt, dauerte einen Tag; das CEN/CENELEC-definierte REST-Interface war in einem halben Tag implementiert. Für jede Batterie wurde eine OPC-UA-Batterie-Model-Instanz mit Produktionsdaten erzeugt. Zur Hannover Messe 2026 war eine halbe Million Batteriepässe angelegt und befüllt.

Die Umsetzung hat funktioniert, wird aber optimiert: Das Basis-AAS-Modell bringt gegenüber OPC UA als Modellierungssprache bis zu achtfach höheres Datenvolumen und höhere Kosten. Die AAS-Komplexität bläht vieles auf. Deshalb werden die 130 Parameter direkt mit OPC UA, ohne AAS, modelliert. Der Informationskern basiert auf OPC UA; die Außenschnittstellen bleiben flexibel und erweiterbar. Die CEN/CENELEC-Vorgaben sind umgesetzt; OPC UA unterstützt TCP, UDP, MQTT, Kafka, REST und Filetransfer. REST-Interfaces lassen sich in einem halben Tag integrieren, auch per agentenbasierter KI.

Das Angebot an den Markt lautet: Jedem seine gewohnte Schnittstelle! Die Datenbasis bleibt einheitlich; Modellierungstools gibt es kostenlos und kommerziell. Maschinenbauer und IT-Business-Welt investieren einmal in OPC-UA-Modellierung und bedienen damit künftige Anforderungen, auch den digitalen Produktpass, ohne Folgekosten. Angesichts dieses Nutzens ist ein halber Tag für 130 Parameter ein überschaubarer Aufwand – Peanuts!

Die OPC Foundation hat über 1.000 Mitglieder und mehr als 450 kostenlose Modelle. Microsoft, Amazon, Google, Huawei und SAP sitzen mit klassischen OT-Größen im Vorstand. Sie gründeten dafür eine Cloud-Initiative mit Budget. Wir liefern Lösungen für die Industrie: Semantische Informationen sollen über alle Automatisierungsebenen bis in die Cloud und digitale Zwillinge erhalten bleiben. Die Daten stehen der KI per MCP-Server zur Verfügung; Success Stories gibt es von Philipp-Morris und Airbus.

2026 feiern wir 20 Jahre OPC UA ohne Bruch der Rückwärtskompatibilität. Eine heutige IT-Anwendung kommuniziert damit noch mit einer 2007 ans Netz gegangenen Windturbine in der Nordsee. Das ist die nötige Verlässlichkeit. Der Schlüssel ist eine gemeinsame Beschreibungssprache vom Sensor bis in die Business-Welt – und dieser Schlüssel heißt OPC UA.

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