Norbert Gaus Metaverse & Mittelstand

Dr. Norbert Gaus, Executive Vice President bei Siemens Technology, ist bei Siemens verantwortlich für Forschung und Vorentwicklung. Im Jahr 1991 trat er in die Siemens Technology ein. Von 2005 bis zur Übernahme seiner jetzigen Position hatte er verschiedene Führungspositionen bei Siemens Healthcare inne. Seit Mai 2015 ist er in seiner aktuellen Position bei Siemens Technology tätig.

Bild: Siemens
23.10.2023

Das Metaverse für die Industrie: ist es Hype, Horror oder Hoffnung für eine gelungene digitale Transformation in eine nachhaltige Zukunft?

Metaverse – der Begriff stammt ursprünglich aus der Spieleindustrie. Der Hype um diese virtuellen Welten, die sich vor allem um Spiele, Konsum und Unterhaltung drehen, hat sich allerdings etwas gelegt. Ist es also nur Hype?

Nein, im Gegenteil. Das Interesse am industriellen Metaverse ist enorm, in der gesamten Industrie. Und den ersten Prognosen zufolge wird es in diesem Jahrzehnt weitaus schneller und stärker wachsen als das sogenannte „Consumer Metaverse“. Das Potenzial für die Industrie ist riesig: Energieeinsparungen, geringerer Ressourcenverbrauch, Abfallreduzierung, verkürzte Produktentwicklungszeiten, optimierter Betrieb von Anlagen und vieles mehr. Also doch Hoffnung, statt Hype oder gar Horror?

Das industrielle Metaverse ist im Kern ein weiterer und konsequenter Schritt in der Evolution des digitalen Zwillings. Im industriellen Metaverse geht es darum, die reale und die digitale Welt miteinander zu verknüpfen, über den gesamten Lebenszyklus und immer synchronisiert – um reale Probleme zu lösen.

Teilaspekte dieser umfassenden Vision sind bereits heute realisiert: bestehende Fabriken werden so optimiert, um mehr Effizienz und Nachhaltigkeit zu erreichen; Fabriken zur Herstellung von Batterien können dadurch effizienter und nachhaltiger geplant werden; synthetische Modelle, die von KI erzeugt werden, trainieren Roboter; die Klimasteuerung in Fahrzeugen wird dadurch verbessert; und vieles mehr.

Der digitale Zwilling ist die Basis dafür. Er besteht aus mehreren Modellen, die verschiedene Aspekte eines physischen Systems beschreiben. Dazu gehören zum Beispiel Geometrie, mechanische Eigenschaften, das Strömungsverhalten, die Elektronik und die Software. Durch Simulation dieser Modelle kann das Verhalten der physischen Systeme vorhergesagt und somit optimiert werden.

Der digitale Zwilling kommt bereits in vielen Branchen wie der Automobilindustrie, der Luftfahrt, der Fertigungstechnik und der Konsumgüterindustrie zum Einsatz. Im Zusammenspiel mit einer Reihe anderer Technologien wird er eingesetzt, um höhere Produktivität und Flexibilität, Nachhaltigkeit und Effizienz zu erreichen.

Der digitale Zwilling ist die Basis für das industrielle Metaverse, das wir mit verschiedenen Partnern, wie Nvidia, gestalten wollen. Es ist gleichermaßen physik-basiert, wo sinnvoll fotorealistisch visualisiert und wird in Echtzeit arbeiten – und so ganz neue Formen der Arbeit und vor allem Zusammenarbeit ermöglichen.

Entscheidend für den Erfolg sind volle Interoperabilität von Datenstrukturen, Kommunikationsprotokollen und Anwendungen, sowie die zuverlässige Konnektivität zu den physischen Systemen und schnelle, also echtzeit-nahe, physikalisch korrekte Simulationen. Ein starkes Ökosystem und die Integration weiterer Technologien wie KI, Edge- und Cloud-Computing, Cyber Security oder Blockchain sind notwendig. Eine Herausforderung, die kein Unternehmen allein bewältigen kann. Dafür braucht es starke Partnerschaften.

Der Siemens Xcelerator, ein Ökosystem für die digitale Transformation, bringt Partner zusammen und ebnet mit seinen Angeboten den Weg zum Industrial Metaverse. Hier können Unternehmen jeder Größe die Software und die Maschinen, aber auch kundige Beratung finden, um ihren Platz im Industrial Metaverse zu gestalten und anzubieten. Aus einem Ökosystem von Partnern, deren Lösungen als „plug and play“ funktionieren und „as-a-service“ gebucht werden können – und so einfach umzusetzen und zu skalieren sind.

Das industrielle Metaverse ist noch eine Vision, aber aktuelle Anwendungen des digitalen Zwillings und erste Use Cases des Industrial Metaverse deuten bereits auf sein enormes Potenzial hin. Um diese Zukunft zu ermöglichen, müssen wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen. Damit aus dem Hype schließlich echter Nutzen entsteht.

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