Wann Peak Shaving wirtschaftlich wird

Kurzer Peak, hohe Rechnung: So werden Netzentgelte gesenkt

Peak Shaving glättet die Lastkurve: Das Energiemanagement erkennt Lastspitzen und reduziert sie mithilfe von Batteriespeichern, Lastmanagement oder Eigenstromnutzung, um die Netzentgelte zu senken.

Bild: Gemini, publish-industry
08.04.2026

Eine kurze Lastspitze kann die Stromkosten für ein ganzes Jahr beeinflussen. Durch Peak Shaving wird die maximale Leistungsaufnahme am Netzverknüpfungspunkt gesenkt und somit auch der Leistungspreis. Welche Strategie geeignet ist, hängt jedoch davon ab, wie flexibel der Betrieb Lasten verschieben oder drosseln kann.

Steigende Energiepreise und leistungsabhängige Netzentgelte stellen Unternehmen vor immer größere wirtschaftliche Herausforderungen. Neben dem eigentlichen Stromverbrauch ist vor allem die maximale Leistungsanforderung eines Standorts entscheidend für die Höhe der Energiekosten. Viele Unternehmen unterschätzen diesen Zusammenhang: Schon kurze Lastspitzen können die Stromrechnung für ein gesamtes Jahr maßgeblich beeinflussen.

Genau hier setzt das Peak Shaving an. Durch gezielte Laststeuerung lassen sich kurzfristige Leistungsspitzen reduzieren, wodurch die leistungsabhängigen Netzentgelte deutlich sinken können. Insbesondere in Industrie und Gewerbe entwickelt sich Peak Shaving daher zu einem wichtigen Baustein moderner Energiemanagementstrategien.

Was bedeutet eigentlich Peak Shaving?

Als Peak Shaving wird die gezielte Reduzierung von Lastspitzen im Stromverbrauch bezeichnet. Das Ziel besteht darin, die maximale Leistungsaufnahme eines Unternehmens zu begrenzen, die am Netzverknüpfungspunkt gemessen wird. Relevant ist dieses Thema vor allem für Industrie- und größere Gewerbekunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM). In Deutschland wird diese in der Regel ab einem Jahresverbrauch von etwa 100.000 kWh verpflichtend, sodass für diese Kundengruppe eine viertelstündliche Leistungsmessung erfolgt.

Erst dadurch wird Peak Shaving wirtschaftlich interessant. Denn nur bei RLM-Kunden fließt die tatsächlich gemessene Leistungsspitze direkt in die Berechnung der Netzentgelte ein. In vielen Stromtarifen für diese Industrie- und Gewerbekunden wird ein erheblicher Teil der Netzentgelte über den sogenannten Leistungspreis bestimmt. Dieser orientiert sich an der durchschnittlich höchsten gemessenen Leistung eines Abrechnungszeitraums, in der Regel eines 15-Minuten-Intervalls.

Erreicht ein Unternehmen beispielsweise kurzfristig eine sehr hohe Leistungsaufnahme, kann dieser Wert als Grundlage für die Berechnung der Netzentgelte dienen. Selbst wenn diese Leistung nur einmal im Jahr auftritt, kann sie die Kostenstruktur dauerhaft erhöhen.

Peak Shaving setzt genau hier an: Durch technische oder organisatorische Maßnahmen wird die maximale Leistungsaufnahme gezielt reduziert oder zeitlich verschoben. Die Lastkurve des Unternehmens wird dadurch geglättet und extreme Verbrauchsspitzen werden vermieden. Für kleinere Unternehmen ohne RLM-Zähler, die ein reines Standardlastprofil und verbrauchsabhängige Tarife haben, ist dieser Ansatz in der Regel wirtschaftlich nicht relevant, da dort keine leistungsabhängigen Netzentgelte anfallen.

Warum ein kurzer Peak teuer wird

Stromkosten für Unternehmen bestehen in der Regel aus mehreren Komponenten:

  • Den Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde,

  • den Leistungspreis auf Basis der maximalen Leistung sowie

  • den Netznutzungsentgelten (insbesondere Entgelte für Netznutzung, Messstellenbetrieb sowie Messung und Abrechnung) sowie den gesetzlich festgelegten Umlagen und Abgaben (insbesondere KWKG-Umlage, Offshore-Netzumlage und Umlage nach Paragraf 19 StromNEV).

Während der Arbeitspreis den tatsächlichen Energieverbrauch abbildet, basiert der Leistungspreis auf der höchsten gemessenen Leistungsanforderung eines Standorts. Gerade in energieintensiven Betrieben kann dieser Kostenfaktor einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen.

Typische Ursachen für Lastspitzen sind beispielsweise:

  • Gleichzeitiges Anlaufen mehrerer Maschinen,

  • hohe Ladeleistungen für Elektrofahrzeuge,

  • energieintensive Produktionsprozesse,

  • gleichzeitige Nutzung großer Kühl- oder Klimasysteme

In der Praxis: Peaks erkennen und kappen

Peak Shaving ist heute kein statischer Eingriff mehr, sondern ein dynamischer, datenbasierter Prozess. Grundlage hierfür ist ein intelligentes Energiemanagementsystem, das den Verbrauch, die Leistung und die Lastverläufe kontinuierlich überwacht. Der Ablauf folgt dabei im Kern drei Schritten:

1. Analyse der Lastprofile: Zunächst wird das Lastprofil eines Unternehmens im Detail ausgewertet. In kurzen Zeitintervallen erfassen Energiemanagementsysteme den Stromverbrauch und machen sichtbar, wann und wodurch Lastspitzen entstehen. So wird klar:

  • Welche Verbraucher treiben die Leistung?

  • Wann treten kritische Spitzen auf?

  • Und vor allem: Wo bestehen überhaupt Eingriffsmöglichkeiten?

2. Prognose und Steuerung: Das System prognostiziert auf Basis historischer Daten und aktueller Messwerte, wann eine Lastspitze droht. Wird ein definierter Schwellenwert erreicht, werden automatisierte Maßnahmen ergriffen.

3. Technische Umsetzung: Reduzieren, Verschieben oder Puffern. An diesem Punkt entscheidet sich, wie die Lastspitze konkret reduziert wird. In der Praxis haben sich drei Ansätze etabliert:

  • Batteriespeicher stellen kurzfristig Energie bereit und reduzieren den Netzbezug

  • Lastmanagement verschiebt oder drosselt nicht kritische Verbraucher

  • Eigenstromnutzung (zum Beispiel PV) wird gezielt zur Entlastung des Netzes eingesetzt

Welche Strategie passt zu welchem Lastprofil?

Obwohl das Ziel identisch ist – die Reduktion der Spitzenlast –, unterscheiden sich die Wege dorthin grundlegend. Batteriespeicher setzen auf Entkopplung. Lastspitzen werden abgefangen, ohne dass Prozesse im Unternehmen verändert werden müssen. Der Betrieb läuft wie gewohnt weiter, denn der Speicher arbeitet im Hintergrund.

Beim Lastmanagement steht die Steuerung im Vordergrund. Verbraucher werden aktiv beeinflusst, das heißt sie werden verschoben, priorisiert oder temporär reduziert. Das erfordert Eingriffe in die Abläufe, bietet dafür aber geringere Investitionskosten. Die entscheidende Frage lautet also nicht: Was funktioniert besser? Sondern: Wie viel Flexibilität lässt der eigene Betrieb überhaupt zu?

Beispiel 1: Produzierendes Unternehmen mit Batteriespeicher. In produzierenden Betrieben entstehen Lastspitzen häufig durch das gleichzeitige Anlaufen energieintensiver Maschinen. Oft reichen wenige Minuten, und die Leistung schießt nach oben. Gegensteuern ließe sich theoretisch, indem Maschinen zeitversetzt gestartet und Prozesse entzerrt werden. In der Praxis ist das jedoch selten realistisch. Produktionsabläufe sind eng getaktet und Lieferketten sind aufeinander abgestimmt. Jede Abweichung kostet Effizienz. Ein Batteriespeicher löst dieses Problem, ohne in den Betrieb einzugreifen. Er fängt die Lastspitze im Hintergrund ab – automatisch und unauffällig. Die Produktion läuft wie gewohnt weiter. Das Ergebnis: Die gemessene Netzleistung sinkt, obwohl der tatsächliche Energiebedarf unverändert bleibt. Oder anders formuliert: Die technische Realität im Betrieb bleibt unverändert, aber die abrechnungsrelevante Last wird verbessert.

Beispiel 2: Ladeinfrastruktur (Peak Shaving durch Lastmanagement). Ein anderer Ansatz zeigt sich im Bereich der Elektromobilität. In Gewerbebetrieben oder Logistikzentren laden häufig mehrere Elektrofahrzeuge gleichzeitig. Ohne Steuerung entstehen schnell Lastspitzen im Bereich mehrerer 100 kW. Hier setzt intelligentes Lastmanagement an. Ein Lademanagementsystem verteilt die verfügbare Leistung dynamisch auf die Fahrzeuge. Ladeprozesse werden dabei zeitlich verschoben, priorisiert oder bewusst begrenzt. Der Unterschied zu einem Batteriespeicher ist grundlegend: Es geht nicht ums Puffern, sondern ums Steuern. Nicht Entkopplung, sondern aktive Einflussnahme. In der Regel erreichen die Fahrzeuge ihr Ziel-Ladeniveau, allerdings nur, wenn ausreichend Zeitfenster vorhanden sind.

Check: Lohnt sich Peak Shaving für Ihren Standort?

Peak Shaving ist besonders wirtschaftlich für Unternehmen mit:

  • hohem Stromverbrauch,

  • stark schwankenden Lastprofilen,

  • leistungsabhängigen Netzentgelten (typisch bei RLM-Kunden),

  • vorhandenen oder geplanten Batteriespeichern sowie

  • Photovoltaik-Anlagen oder flexiblen Verbrauchern.

Ein zentraler, oft unterschätzter Faktor ist dabei die sogenannte Jahresnutzungsdauer (Benutzungsstunden). Unternehmen mit mehr als 2.500 Benutzungsstunden haben in der Regel einen hohen Anteil leistungsabhängiger Netzentgelte. In diesen Fällen ist Peak Shaving besonders attraktiv, da sich jede Reduzierung der Leistungsspitze direkt auf die Kosten auswirkt. Klassische Beispiele hierfür sind Produktionsbetriebe mit kontinuierlichem Energiebedarf und punktuellen Lastspitzen.

Unternehmen mit weniger als 2.500 Benutzungsstunden zahlen hingegen meist höhere Arbeitspreise pro kWh. Hier steht nicht die Leistungsspitze, sondern Themen wie Eigenverbrauchsoptimierung oder flexible Strombeschaffung im Fokus. Peak Shaving kann dennoch sinnvoll sein, allerdings meist nur in Kombination mit weiteren Anwendungsfällen.

Je höher der Anteil des Leistungspreises an den Stromkosten ist, desto größer ist das Einsparpotenzial insgesamt. In vielen Industrie- und Gewerbebetrieben lassen sich durch Peak Shaving 10 bis 20 Prozent der Energiekosten einsparen. Der tatsächliche Effekt hängt jedoch stark vom Lastprofil, der Netzstruktur und der gewählten Strategie ab. Es kommt also darauf an, ob Speicher, Lastmanagement oder eine Kombination dieser Maßnahmen sinnvoll eingesetzt werden.

Baustein der Energiewende: Flexible Energiesysteme

Im Zuge der Energiewende gewinnen flexible Energiesysteme zunehmend an Bedeutung. Unternehmen betreiben immer häufiger eigene Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher oder Ladeinfrastrukturen.

Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten zur intelligenten Steuerung von Energieflüssen. Peak Shaving wird dadurch zu einem zentralen Bestandteil moderner Energiemanagementsysteme. In Kombination mit weiteren Verbesserungsstrategien lassen sich zusätzliche Potenziale erschließen, etwa durch:

  • Eigenverbrauchsoptimierung von PV-Strom

  • dynamische Stromtarife

  • Lastverschiebung in günstige Marktzeiten

  • Integration von Batteriespeichern

Spitzen raus, Kosten runter: Warum Peak Shaving wirkt

Peak Shaving ist ein wirksames Instrument, um leistungsabhängige Stromkosten zu reduzieren und Lastprofile zu stabilisieren. Durch die gezielte Glättung von Lastspitzen können Unternehmen ihre Netzentgelte senken und die Effizienz ihrer Energieinfrastruktur steigern. Mit intelligenten Energiemanagementsystemen lassen sich diese Prozesse automatisiert steuern. In Kombination mit Batteriespeichern, Photovoltaikanlagen und Ladeinfrastruktur entstehen so besonders flexible Energiesysteme, die wirtschaftliche Vorteile mit einem nachhaltigen Energieeinsatz verbinden.

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