Kreislaufwirtschaft hält Produkte im Wiederverwertungsprozess und geht über ökologische Aspekte und Recycling hinaus.

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Studie deckt Potenziale auf Kreislaufwirtschaft für Maschinenbauer auch ökonomisch sinnvoll

05.06.2019

Das globale Müllaufkommen steigt, Ressourcen schwinden und die Klimabilanz ist ein Alarmsignal. Deshalb gewinnt das Konzept der Kreislaufwirtschaft immer mehr an Bedeutung: Es verlängert den Nutzungsprozess für Produkte und sorgt für eine weitgehende Wiederverwertung. Eine Umsetzung kann Vorteile bringen. Vorher jedoch gilt es, einige Hürden zu überwinden.

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Das Konzept der Kreislaufwirtschaft gehe weit über das pure Recycling hinaus, wie Dr. Eric Maiser, Leiter VDMA Competence Center Future Business, anlässlich des fünften VDMA Future Business Summit in Hanau erklärt. Reduce, Repair, Reuse, Refurbish seien wichtige Schritte, bevor Material zu Müll wird.

„Die Digitalisierung ist ein Instrument, das die Umsetzung dieser Vision unterstützen und beschleunigen kann“, merkt Maiser zudem an. Auf dem Fachkongress zur digitalen Kreislaufwirtschaft diskutierten Experten aus Industrie und Wissenschaft Zukunftsbilder für das Jahr 2030 und Wege, diese Visionen umzusetzen.

Circular Economy ist wirtschaftlich

Für Maschinen- und Anlagenbauer ist die Kreislaufwirtschaft doppelt relevant, denn sie sind Kunden und Lösungsanbieter gleichermaßen. „Für die Unternehmen ist die Kreislaufwirtschaft nicht nur aus Gesichtspunkten der Energie- und Ressourceneffizienz, der Corporate Social Responsibilty sowie des Klimaschutzes enorm wichtig“, betont Naemi Denz, Geschäftsführerin VDMA Abfall- und Recyclingtechnik und Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung. Wesentlich sei zudem, dass Nachhaltigkeit wirtschaftlich sinnvoll ist. Durch Ressourcenschonung würden Unternehmen unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten und können Kosten senken.

Umsetzung der Kreislaufwirtschaft steht noch aus

Obwohl in der Kreislaufwirtschaft enorme ökologische und wirtschaftliche Potenziale stecken, werden diese heute kaum ausgeschöpft: „Bisher sind erst 14 Prozent der in der Industrie eingesetzten Rohstoffe recycelte Stoffe (Rezyklate). Die Möglichkeiten von Reparatur, Wiederverwendung und Aufbereitung von Materialien werden noch viel zu wenig ausgenutzt“, sagt Prof. Dr. Anke Weidenkaff, geschäftsführende Institutsleiterin der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS.

Das gelte insbesondere bei Kunststoffen und Materialverbünden oder Elektronikschrott. „Neue Technologien, wie Selbstheilungsprozesse, Entfüge- und Sortierverfahren, können entscheidende Verbesserungen bringen. Als Hürden bleiben jedoch fehlende skalierbare Prozesstechnologien, Qualitätsstandards für Sekundärrohstoffe und zu hohe Kosten“, erläutert Weidenkaff.

Digitalisierung als Katalysator

Mit Industrie 4.0 und Big Data entstehen nun vielfältige Möglichkeiten für die Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Produkten entlang der Wertschöpfungskette. Etwa bei der Sammlung und Vermarktung von Daten zur Zusammensetzung von Sekundärrohstoffen, oder wenn Angebot und Nachfrage über eine automatisierte Markt- und Logistikplattform zusammengeführt werden.

„Die Digitalisierung stiftet Anreize für Unternehmen zur Beteiligung und kann Treiber sein“, analysiert VDMA-Experte Maiser. „Eine koordinierte Digitalisierungsoffensive könnte alle Player beflügeln: Kaum ein Umweltleitmarkt profitiert so stark von der Digitalisierung wie die Kreislaufwirtschaft – sie kann das entscheidende Instrument zur Verbreitung und Beschleunigung der Kreislaufwirtschaft und zu neuen Chancen durch neue Geschäftsmodelle werden.“

Vier Szenarien für das Jahr 2030

Wie Kreislaufwirtschaft im Maschinen- und Anlagenbau 2030 aussehen könnte, ist Gegenstand der Szenariostudie Circular Economy 4.0 von VDMA Future Business in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Sie spitzt die möglichen Entwicklungen mit Fokus auf den Maschinen- und Anlagenbau zu und destilliert daraus vier Zukunftsbilder:

  • Im Szenario Hand in Hand ist die Kreislaufwirtschaft lukrativ und daher in vielen Branchen und Industriezweigen etabliert. Dabei wird über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg kooperiert und ein nahezu idealer Stoffkreislauf realisiert.

  • Beim Staatliche-Impulse-Szenario wird die Kreislaufwirtschaft durch staatlich induzierte Rahmenbedingungen sowie Konsumentenbedürfnisse gefördert.

  • Eine noch höhere Bedeutung kommt den Konsumenten im Szenario Gesellschaft macht Druck zu: Hier wird die Kreislaufwirtschaft von der Nachfrageseite – etwa durch die Kundenwünsche nach Siegeln oder modularisierten und recyclingfähigen Produkten – eingefordert. Der Staat reagiert nur zögerlich.

  • Im Szenario Dinosaurier-Denken ist das Thema Kreislaufwirtschaft weder in Gesellschaft, Politik noch im Markt angekommen. Aufgrund mangelnder Nachfrage nach Circular-Economy-konformen Produkten bestehen keine Anreize, eine Kreislaufwirtschaft anzustoßen.

Für Maschinen- und Anlagenbauer steht damit ein fundamentaler Wandel an. „Die zukünftige Kreislaufwirtschaft geht deutlich über die heutige Abfall- und Recyclingwirtschaft hinaus. Denn Kreislaufwirtschaft bezieht sich auf die gesamte Wertschöpfungskette. Dadurch besteht in Zukunft ein hoher Bedarf an neuen Kooperationen. Aber auch alle produzierenden Unternehmen werden ihre Geschäftsmodelle prüfen und womöglich auf den Kopf stellen müssen“, folgert Dr. Björn Moller vom Fraunhofer ISI.

Grundlage für Kreislaufwirtschaft ist gelegt

Der VDMA bereitet seine Mitglieder bereits auf Kooperationen vor, vor allem im Umfeld der Digitalisierung und globaler Märkte. „Mit der Definition einer einheitlichen Schnittstelle für die Machine-to-Machine-Communication auf der Basis von OPC UA haben wir die Grundlage für eine international anschlussfähige Plug-&-Play-Lösung und damit die Grundlage der Kreislaufwirtschaft gelegt“, resümiert Denz. „Um das Themenfeld ‚digitale Kreislaufwirtschaft‘ weiterentwickeln zu können, werden wir unsere fachverbandsübergreifenden Aktivitäten ausweiten.“

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