Felix Georg Müller ist CEO und Co-Founder der Plus10 GmbH, welche er 2019 zusammen mit Pablo Mayer und Thomas Hilzbrich als Hightech-Spinoff des Fraunhofer IPA gründete. Bei Fraunhofer entwickelte er neue Verfahren zur Produktionsoptimierung, patentierte und erprobte sie. Seine Expertise liegt insbesondere im Bereich KI beziehungsweise Machine Learning für Maschinen und Anlagen.

Bild: Fraunhofer IPA / Heike Quosdorf

Artificial Intelligence Kontinuierlich wirkende Optimierung statt Klemmbrett & Stoppuhr

20.11.2020

Viele produzierende Unternehmen setzen bei der Produktionsoptimierung auf altbewährte Methoden. Doch deren Grenzen sind in zunehmend automatisierten, technisch komplexen Produktionsumgebungen schnell erreicht. Die Zukunft ist datenbasiert und selbstlernend: Optimierungstools, die automatisiert und kontinuierlich Fehlerursachen im Produktionsablauf finden und passende Lösungen vorschlagen, um einen maschinell lernenden Optimierungsregelkreis zu etablieren.

Felix Georg Müller ist mit diesem Beitrag im A&D-Kompendium 2020 als einer von 100 Machern der Automation vertreten. Alle Beiträge des A&D-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen .

Komplexe Produktionsanlagen, die jede Sekunde fertig verpackte Ware rund um die Uhr herstellen, sind nicht nur beeindruckend schnell, sondern auch schwer maximal produktiv zu betreiben. Diese Herausforderung lässt sich mit manuellen Methoden aus dem Lean Management Werkzeugkasten nur bis zu einem bestimmten Grad meistern. Schon als Fraunhofer-Gruppenleiter für automatisierte Produktionsoptimierung forschte und arbeitete ich jahrelang intensiv in diesem Bereich.

Am Fraunhofer IPA in Stuttgart lernte ich dann Pablo Mayer und Thomas Hilzbrich kennen. Gemeinsam setzten wir uns zum Ziel, Unternehmen dabei zu unterstützen, auch technisch hoch komplexe Produktionsanlagen jederzeit maximal produktiv betreiben zu können. Durch Feedback zu unseren Algorithmenpaketen aus Pilotanwendungen konnten wir unsere KI-Tools immer weiter anpassen.

Automatisierte Produktionsoptimierung

Die Idee letztlich zur Ausgründung mit den lernenden Algorithmen für komplexe Produktionsanlagen entstand nicht von jetzt auf gleich. Vielmehr war die Entscheidung dazu das Ergebnis aus vielen kleinen Forschungsergebnissen, Patenten, Erfolgen, Rückschlägen und vor allem dem Zusammentreffen von Menschen mit Begeisterung für komplexe Automatisierungs- und Produktionstechnik und deren stetige Optimierung im Betrieb.

Wir als Gründer haben alle drei sehr unterschiedliche technische Hintergründe, von der Steuerungstechnik über Wirtschaftsingenieurwesen und Data Science hin zur Produktionstechnik. Das Finden und Entwickeln eines sich fachlich und menschlich perfekt ergänzenden Teams entscheidet meiner Meinung nach darüber, ob ein Start-up Erfolg hat oder nicht. Knapp zwei Jahre hat es dann gedauert, bis aus der Start-up-Idee das heutige Fraunhofer-Spinoff wurde.

Lernende Algorithmenpakete

Seit der Gründung von Plus10 im Januar 2019 sind wir auf ein Team von 15 „autonomen Optimierer/-innen“ gewachsen. Wir alle wissen, dass unsere Softwaretools die vierte industrielle Revolution mittragen. Branchenübergreifend bieten wir kontinuierlich lernende Algorithmenpakete speziell für vollautomatisierte und komplexe Anlagen der Stückgüterindustrie an. Im Gegenteil zu herkömmlichen Methoden finden wir automatisiert und kontinuierlich bereits während dem Betrieb die Ursachen zu Fehlern im technischen Produktionsablauf und weisen ihnen entsprechende Lösungen zu.

Die vorgeschlagenen Optimierungsmaßnahmen entstehen durch viele miteinander interagierende erklärbare Machine Learning Modelle und sind somit objektiv nachvollziehbar. Wir bei Plus10 entwickeln mit unserer Technologie also nicht das 99. Dashboard in der Produktion, sondern finden Zusammenhänge und vielversprechende Gegenmaßnahmen, wodurch wir einen geschlossenen Optimierungsregelkreis abbilden. Dies alles basiert auf der Nutzung hochfrequenter Signaldaten aller beteiligten Maschinen-, Roboter- und Prozesssteuerungen. Hierdurch erklären und reduzieren wir primär Kurzstopps, Verkettungsverluste und die Fehlersuchzeit bei technischen Problemen.

Fragen nach Effizienzsteigerung gibt es in nahezu jedem produzierenden Unternehmen. Genau bei solchen Herausforderungen unterstützen unsere KI-Tools. Wer tatsächlich die maximale Produktivität aus seinen immer komplexer werdenden Maschinen und Anlagen herausholen möchte, sollte auf die datengetriebene und automatisierte Optimierung setzen.

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