Bei Navoiyazot, dem größten Chemieunternehmen Usbekistans, hat ein Kompressorstrang für die Salpetersäureproduktion ferngesteuert seinen Betrieb aufgenommen.

Bild: MAN

Salpetersäureproduktion in Usbekistan Kompletter Kompressorstrang aus dem Homeoffice in Betrieb genommen

20.08.2020

Die Installationsarbeiten für eine Salpetersäureanlage in Usbekistan liefen auf Hochtouren. Dann kam die Corona-Krise dazwischen. Die Ingenieure mussten das Land verlassen. Per Ferninbetriebnahme konnte das Projekt trotzdem abgeschlossen werden – in dieser Größenordnung eine Novität für alle Beteiligten.

JSC Navoiyazot ist das größte Chemieunternehmen Usbekistans. Dort sollte eine neue Salpetersäureanlage zur Düngemittelproduktion entstehen. Doch aufgrund der Lockdown- und Reisebeschränkungsmaßnahmen musste das zuständige Commissioning-Team von MAN Energy Solutions das Land mitten in der Installationsphase verlassen.

„Es gab keine Blaupause für eine derartige Situation. Alle an diesem Projekt beteiligten Parteien waren aufgefordert, neue Arbeitsweisen auszuprobieren“, berichtet Luca Frediani, Senior Machinery Engineer beim ebenfalls involvierten EPC-Unternehmen Casale. „Gemeinsam mit unserem Kunden JSC Navoiyazot haben wir beschlossen, die Inbetriebnahme der Salpetersäureanlage per Fernservice mit Ingenieuren durchzuführen, die im Homeoffice arbeiten.“

Laut Frediani eine mutige Entscheidung: Denn eine vollständige Ferninbetriebnahme für eine Maschine solcher Größe und Komplexität sei noch nie zuvor durchgeführt worden. „Um diese wichtige Aufgabe ausführen zu können, haben wir mit großem Engagement und in enger Zusammenarbeit mit MAN Energy Solutions gearbeitet und von deren digitaler Expertise profitiert“, sagt der Ingenieur.

Zusammenarbeit über Augmented Reality

Der Turbomaschinenstrang in Navoiyazot war via Web mit MAN verbunden, sodass er während der gesamten Inbetriebnahme aus der Ferne kontrolliert und gesteuert werden konnte. Ein Team aus rund 30 Ingenieuren bildete das Rückgrat für das Projekt. MAN stellte zudem ein Paket mit diversen digitalen Neuheiten bereit, um die Aufgabe zu bewältigen.

Einen Schwerpunkt bildete dabei das Fernsupport-Tool PrimeServ EyeTech, das 2019 eingeführt wurde. Die Augmented-Reality-Anwendung ermöglicht die mobile Zusammenarbeit über eine Datenbrille oder über andere videofähige Geräte wie Smartphones oder Laptops. Das technische Fachpersonal in den MAN-Remote-Operation-Centern oder im Homeoffice konnte so die Perspektive des Kunden einnehmen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen.

Darüber hinaus ist die installierte Turbomaschine mit digitalen Hardware-Komponenten ausgestattet, die den Fernzugriff auf die Maschinensteuerung erlauben sowie Betriebs- und Sensordaten sammeln und nahezu in Echtzeit auswerten. Ferner überwachen sie den Betrieb der Maschine rund um die Uhr über die Anwendung PrimeServ Assist, der auf MAN Ceon basierenden digitalen Servicelösung von MAN.

„Die neu entwickelte Technologie hilft unseren Kunden nicht nur dabei, während der Quarantänemaßnahmen einsatzbereit zu bleiben, sondern sie ist aufgrund der reduzierten Reiseemissionen auch umweltfreundlich“, sagt Jörg Massopust, Head of Digital Sales & Alliances bei MAN Energy Solutions. In einem nächsten Schritt wolle das Unternehmen überprüfen, wie sich die gewonnenen Erfahrungen zukünftig in das Tagesgeschäft übertragen lassen. „Dies ergänzt unsere strategischen Entwicklungen im Hinblick auf einen digital ermöglichten unbemannten Betrieb, der für Midstream- und Upstream-Anwendungen bereits realisierbar ist.“

Von der Dampfturbine bis zum Steuerungssystem

Im Juni 2020 hat die Salpetersäureanlage von Navoiyazot mit einer Kapazität von 500.000 Tonnen pro Jahr erfolgreich die Produktion aufgenommen. Der MAN-Kompressorstrang als Herzstück der Anlage besteht aus vier Maschinen: einer Dampfturbine, einem Axial-Luftkompressor, einem Nitrosegas-Radialkompressor, einem Abgasexpander und Hilfssystemen einschließlich des Steuerungssystems. Da der gesamte Maschinenstrang aus einer Hand kommt, lässt er sich flexibel an die Kundenbedürfnisse anpassen und den Prozess der Salpetersäureproduktion auf maximale Effizienz trimmen.

„Während der Corona-Krise mussten wir über die gewohnten Grenzen unseres Geschäfts hinaus denken und handeln“, fasst Mathias Scherer André, Head of Sales & Execution Turbomachinery bei MAN Energy Solutions, zusammen. „Die erste vollständig ferngesteuerte Inbetriebnahme eines Turbomaschinenstrangs, die jemals in der Branche durchgeführt wurde, unterstreicht die Innovationskraft und Flexibilität unseres Unternehmens.“

Bildergalerie

  • Der Kompressorstrang setzt sich aus Dampfturbine, Axial-Luftkompressor, Nitrosegas-Radialkompressor, Abgasexpander und Hilfssystemen zusammen.

    Bild: MAN

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