CO2-Fußabdruck und Verbrauch fossiler Rohstoffe reduzieren Käseverpackungen chemisch recyceln

SÜDPACK Verpackungen SE + Co. KG

Mittels chemischem Recycling können Reifebeutel für Mozzarellakäse kreislauffähig gemacht werden.

Bild: iStock, Dmytro
19.09.2023

Beim mechanischen Recycling von Kunststoffen können nicht alle Materialströme erfasst werden. Beispielsweise lassen sich mehrschichtige Folien aus Lebensmittelverpackungen so nicht trennen und wiederverwenden. EinFolienhersteller hat deshalb mit Arla Foods ein Modell entwickelt, um die Herstellung von Reifebeuteln für Mozzarellakäse kreislauffähig zu machen.

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Chemisches Recycling ist ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil für eine Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie – und zwar immer dann, wenn das werkstoffliche Recycling trotz „Design for Circularity“ an seine Grenzen stößt. Denn mit dem chemischen Recy­cling können sowohl mehrschichtige Materialien als auch verunreinigte und gemischte Kunststoffe recycelt werden, die mit mechanischen Recyclingverfahren nicht verwertbar sind. Für Lebensmittelverpackungen hält Südpack deshalb die Kombination von werkstofflichen und chemischen Recyclingverfahren für eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative. So können leicht trennbare Kunststofffraktionen sensorisch aussortiert und werkstofflich verwertet werden, während andere Materialfraktionen durch chemisches Recycling zu Neuware verarbeitet werden können.

Aus diesem Grund ist Südpack vor zwei Jahren eine strategische Kooperation mit Carboliq eingegangen. Primäres Ziel war es zunächst, die Pilotanlage für das Recycling der eigenen Materialien zu nutzen, die bei der Produktion von Verpackungsfolien anfallen. Jetzt werden erste Kundenprojekte realisiert.

Neue Wege zur 
Wiederverwertung

So hat Südpack gemeinsam mit Arla Foods ein Modell entwickelt, um die Herstellung von Reifebeuteln für Mozzarellakäse kreislauffähig zu machen. Durch den Einsatz des chemischen Recyclingverfahrens bleibt der Kunststoff im Kreislauf und wird zu neuen Verpackungen verarbeitet, anstatt verbrannt zu werden. Der Gesamtbedarf an fossilen Rohstoffen und der Kohlenstoff-Fußabdruck verringern sich.

Der Mozzarella-Käse wird in der Molkerei Rødkærsbro in Dänemark hergestellt. Er muss etwa zwei Wochen lang in speziell entwickelten Reifebeuteln reifen. Die Kunststofffolien müssen aus Gründen der Lebensmittelsicherheit mehrlagig sein. Dies bedeutet aber auch, dass sie nicht durch mechanisches Recycling aufbereitet werden können, wie es in ganz Europa Standard ist. Daher mussten sie bisher verbrannt werden, nachdem sie ihre wichtige Rolle im Produktionsprozess erfüllt hatten.

Um einen höheren Verwertungsgrad zu erreichen und im Rahmen des Engagements von Arla, die Kreislaufwirtschaft zu optimieren und die Verwendung fossiler Rohstoffe zu reduzieren, führen Südpack und die Molkereigenossenschaft einen groß angelegten Test durch, bei dem 80 t Kunststoffabfälle durch chemisches Recycling in neue Verpackungen umgewandelt werden. „Anstatt unsere Kunststofffolien zu verbrennen, was zu einem einmaligen Energiegewinn führt, recyceln wir sie und verwenden das recycelte Material für die Herstellung neuer Verpackungen. Dies verringert den Kohlenstoff-Fußabdruck und den Bedarf an neuen fossilen Rohstoffen“, sagt Grane Maaløe, Lead Packaging Development Manager bei Arla Foods. „Es mag offensichtlich klingen, aber in der komplexen Welt des Recyclings ist dies ein spannender Schritt auf unserem Weg zu einer vollständig kreislauffähigen Verpackung.“

Kunststoff im 
Kreislauf halten

Selbst wenn die Reifebeutel für das werkstoffliche Recycling geeignet wären, dürfte das Rezyklat nicht wieder mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Infolgedessen würden die Folien nicht als neue Lebensmittelverpackungen recycelt, sondern downgecycelt und anderweitig verwendet werden und damit den Kreislauf verlassen. „Durch die Nutzung der Kapazitäten von Carboliq, unserer chemischen Recyclinganlage in Deutschland, können wir sicherstellen, dass die für die Käsereifung von Arla hergestellten Folien nicht aus dem Kreislauf ausscheiden, sondern zu neuen Verpackungen recycelt werden. Eine Tonne Mischkunststoff entspricht zwar nicht einer Tonne neuer Verpackungen, aber sie reduziert den Bedarf an fossilen Rohstoffen und ebnet den Weg für weitere Investitionen in diese Infrastruktur“, sagt Dirk Hardow von Südpack.

Berücksichtigt man den Verlust an Strom und Wärmeenergie, der bei der Verbrennung entsteht, und die negativen Auswirkungen des Transports der Folien von Dänemark nach Deutschland, so fällt die Berechnung, die dem Test zugrunde liegt, immer noch zugunsten des chemischen Recyclings aus, wenn es um die gesamten Kohlenstoffemissionen geht. Pro Tonne Kunststoffabfall werden bei der vollständigen Verarbeitung einschließlich des chemischen Recyclings bis zu 50 Prozent weniger Emissionen ausgestoßen als bei der Verbrennung.

Bildergalerie

  • Die gebrauchten Käsereifebeutel werden per LKW zur Carboliq transportiert.

    Die gebrauchten Käsereifebeutel werden per LKW zur Carboliq transportiert.

    Bild: Südpack

  • Arla Pizzakäse, darunter Käsereifebeutel auf Paletten

    Arla Pizzakäse, darunter Käsereifebeutel auf Paletten

    Bild: Südpack

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