Aufbereitungslösungen für die Umsetzung der PPWR

Wie Kunststoffrecycling trotz PPWR, Kostendruck und Verunreinigung gelingt

Die Qualität von Rezyklaten wird nicht allein durch Sortiertechnologien bestimmt, sondern maßgeblich durch die Zusammensetzung und den Verschmutzungsgrad des Inputmaterials.

Bild: Vecoplan
14.07.2026

Ab dem 12. August 2026 gilt die PPWR mit verbindlichen Vorgaben für den Einsatz von Rezyklaten in der Verpackungsindustrie. Doch was die Verordnung vorschreibt, lässt sich in der Praxis noch längst nicht überall umsetzen. Steigende Kosten und unsichere Rahmenbedingungen bremsen die Kreislaufwirtschaft aus. Dabei zeigen moderne Zerkleinerungs- und Reinigungstechnologien sowie durchdachte Aufbereitungskonzepte schon heute, wie der Weg von der Regulierung in die Realität gelingen kann.

Die Rohstoffkrise und steigender Kostendruck stellen die Kunststoffindustrie aktuell vor dramatische Herausforderungen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sehen sich mit steigenden Preisen und gleichzeitig fehlender Planungssicherheit konfrontiert, was Investitionen zunehmend hemmt. Doch Kunststoff wird auch in Zukunft werthaltig und ein zentraler Werkstoff moderner Wertschöpfungsketten sein. Daher gewinnt die europäische Regulierung – insbesondere die der europäischen Verpackungsverordnung PPWR – immer mehr an Bedeutung. Sie soll einen verbindlichen Rahmen für den Einsatz von Rezyklaten schaffen und damit langfristig Investitionssicherheit fördern.

Allerdings bestehen zur genauen Ausgestaltung immer noch erhebliche Unsicherheiten. Während die Einführung verbindlicher Rezyklatquoten als wichtiger Schritt hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft gilt, erschweren aktuelle Marktbedingungen deren kurzfristige Umsetzung. Insbesondere der Preisvorteil von Primärkunststoffen gegenüber Rezyklaten stellt ein strukturelles Hindernis dar. „Solange Primärkunststoffe häufig günstiger sind als aufbereitetes Rezyklat, haben wir ein strukturelles Problem“, so Tim Hamer, Director Sales bei Vecoplan. „Natürlich setzen Anwender Rezyklate daher nur in kleinerem Umfang ein; das ist ganz klar eine Frage der Wirtschaftlichkeit.“

Nicht nur sauber, sondern rein – Materialreinheit im Fokus

Mit der PPWR werden erstmals verpflichtende Mindestanteile für Rezyklate in Kunststoffverpackungen festgelegt. Damit wird die Verfügbarkeit hochwertiger Rezyklate, also von Wertstoffen, die über klassische Downcycling-Anwendungen hinaus auch für anspruchsvolle Verpackungslösungen geeignet sind, immer wichtiger. Vor diesem Hintergrund rückt ein zentraler Engpass zunehmend in den Fokus: die Reinheit der eingesetzten Materialströme. Denn die Qualität von Rezyklaten wird nicht allein durch Sortiertechnologien bestimmt, sondern maßgeblich durch die Zusammensetzung und den Verschmutzungsgrad des Inputmaterials. Fremdpolymere, Papieranteile, mineralische Rückstände sowie organische Verunreinigungen erhöhen den Aufbereitungsaufwand erheblich und führen zu steigenden Ausschussquoten.

Bereits geringe Verschmutzungen können dabei die mechanischen Eigenschaften von Rezyklaten deutlich beeinträchtigen und ihre Weiterverarbeitung erschweren. Mit zunehmender Verunreinigung steigen folglich die Kosten entlang der gesamten Prozesskette: von der Sortierung über die Reinigung bis hin zur Aufbereitung von Reststoffen. Gleichzeitig sinkt die erreichbare Materialqualität, sodass Rezyklate häufig nur noch in weniger anspruchsvollen Anwendungen eingesetzt werden können. Downcycling ist somit oftmals keine bewusste Marktentscheidung, sondern die direkte Folge unzureichender Reinheit. „Kunststoffreinheit entscheidet über die Wirtschaftlichkeit von Recyclingprozessen. Die Herausforderung besteht weniger im „Ob“, sondern im „Wie“ – also darin, die erforderliche Reinheit unter realen Bedingungen effizient und stabil zu erreichen“, sagt Tim Hamer.

Mit durchdachten Aufbereitungskonzepten zu mehr Effizienz

Genau an dieser Schnittstelle zwischen erforderlicher Reinheit und wirtschaftlichem Aufwand setzen moderne Aufbereitungskonzepte an. Entscheidend ist dabei das optimale Zusammenspiel aller Prozessschritte, also von der Zerkleinerung über die Sortierung bis hin zur Reinigung. Nur wenn diese aufeinander abgestimmt sind, lassen sich stabile Qualitäten erzeugen, die auch hohen Anforderungen, wie beispielsweise im Verpackungs- oder Food-Bereich, gerecht werden. Vecoplan bietet durch die Kombination aus Zerkleinerungskompetenz und integrierter Reinigungstechnologie genau einen solchen durchgängigen Ansatz, der sich klar von punktuellen Einzellösungen abgrenzt. Bei diesem stehen vor allem drei Aspekte im Vordergrund: Prozessstabilität, anwendungsspezifische Aufbereitung und wirtschaftliche Effizienz. Tim Hamer erläutert: „Ein wesentlicher Hebel zur Senkung der Betriebskosten liegt bereits in der Zerkleinerung. Energiebedarf und Durchsatz entscheiden hier maßgeblich über die Kosten pro Tonne. Durch optimierte Schneidgeometrien und anwendungsspezifisch ausgelegte Zerkleinerungssysteme lassen sich Effizienzgewinne von bis zu 30 Prozent realisieren.“

Die Trockenreinigung als essenzieller Baustein

Vecoplan, die kürzlich die Integration ihres Tochterunternehmens Pla.to, einem Spezialisten für Reinigungstechnologie, verkündete, stellt neben ihren Zerkleinerungslösungen den Prozess der Trockenreinigung in den Fokus. Dieser kommt komplett ohne den Einsatz von Wasser aus. Sowohl als eigenständiger Prozessschritt als auch in Kombination mit nasschemischen Verfahren gewinnt sie als flexibler Baustein innerhalb der gesamten Aufbereitungskette an Bedeutung. Denn je nach Anwendung erfüllt die Trockenreinigung unterschiedliche Funktionen. Für einige Recyclinganwendungen ermöglicht sie eine völlig ausreichende Materialqualität, sodass auf eine energieintensive Nassreinigung verzichtet werden kann. Darüber hinaus wird sie in komplexeren Prozessen als Vorreinigungsstufe eingesetzt, um den Wasserverbrauch in nachgelagerten Waschprozessen deutlich zu senken. Auch im chemischen Recycling spielt sie eine wichtige Rolle, da sie die Restfeuchte reduziert und damit die Herstellung extrudierfähiger Flakes ermöglicht. „Für uns liegt der Schlüssel in einem konsequent anwendungsorientierten Konzept. Nicht jede Anwendung erfordert maximale Reinheit, wohl aber eine gezielt erreichbare Qualität“, sagt Tim Hamer abschließend.

Unternehmen wie Vecoplan verdeutlichen vor dem Hintergrund der PPWR, dass die technologische Umsetzung längst möglich ist. Es wird entscheidend sein, regulatorische Zielvorgaben und wirtschaftlich tragfähige Lösungen in Einklang zu bringen. Während die Grundpflichten der PPWR ab dem 12. August 2026 feststehen, werden konkretisierende Rechtsakte zu einzelnen Detailanforderungen – etwa zu den ab 2030 gestaffelten Rezyklatquoten – noch bis 2040 erwartet. Flexible Technologien wie die Trockenreinigung können jetzt schon dazu beitragen, Investitionsunsicherheiten zu reduzieren und bestehende Aufbereitungskonzepte schrittweise weiterzuentwickeln.

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  • Vecoplan stellt neben ihren Zerkleinerungslösungen den Prozess der Trockenreinigung in den Fokus. Dieser kommt komplett ohne den Einsatz von Wasser aus.

    Vecoplan stellt neben ihren Zerkleinerungslösungen den Prozess der Trockenreinigung in den Fokus. Dieser kommt komplett ohne den Einsatz von Wasser aus.

    Bild: Vecoplan

  • Flexible Technologien wie die Trockenreinigung können jetzt schon dazu beitragen, bestehende Aufbereitungskonzepte schrittweise weiterzuentwickeln.

    Flexible Technologien wie die Trockenreinigung können jetzt schon dazu beitragen, bestehende Aufbereitungskonzepte schrittweise weiterzuentwickeln.

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  • Mit der PPWR werden erstmals verpflichtende Mindestanteile für Rezyklate in Kunststoffverpackungen festgelegt.

    Mit der PPWR werden erstmals verpflichtende Mindestanteile für Rezyklate in Kunststoffverpackungen festgelegt.

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