Nach der Abschwächung im Jahr 2024 hat sich der Markt 2025 wieder stabilisiert. Die Verfügbarkeit von Komponenten hat sich normalisiert und Lagerbestände in stark automatisierten Branchen wurden weitgehend abgebaut. Während der europäische Automobilsektor weiterhin unter Druck stand, erholte sich der Markt insgesamt leicht und Investitionen in neue Automatisierungsprojekte wurden in den meisten Regionen wieder aufgenommen.
Die Studie 2026 bestätigt die Erwartung von HMS Networks eines durchschnittlichen jährlichen Wachstums von rund 7,7 Prozent bei neu installierten Knoten in den kommenden fünf Jahren. Ein wesentlicher Wachstumstreiber bleibt dabei die die anhaltende Umstellung der verbleibenden Feldbus-Installationsbasis auf Industrial Ethernet.
Industrial Ethernet erreicht 79 Prozent der Neuinstallationen
Die Analyse 2026 zeigt, dass Industrial Ethernet inzwischen 79 Prozent aller neuen Knoten ausmacht und damit gegenüber 76 Prozent im Jahr 2025 weiter zugelegt hat. Die drei führenden Ethernet-Protokolle konnten ihre Position erneut ausbauen und repräsentieren zusammen inzwischen rund drei Viertel des kabelgebundenen Protokollmarktes.
Innerhalb des Segments Industrial Ethernet baut Profinet seine Führungsposition auf 30 Prozent aus, nach 27 Prozent im Vorjahr. EtherNet/IP folgt mit 25 Prozent nach zuvor 23 Prozent, während EtherCAT seinen Wachstumskurs mit nun 20 Prozent gegenüber 17 Prozent im Jahr 2025 fortsetzt. Modbus TCP behauptet sich stabil bei 5 Prozent, CC-Link IE bleibt bei 3 Prozent, und Powerlink geht von 3 Prozent auf 1 Prozent zurück. Sonstige Ethernet-Protokolle machen zusammen 2 Prozent aus, was die anhaltende Marktkonsolidierung rund um die führenden Netzwerke unterstreicht.
Feldbus und Profibus verlieren weiter an Bedeutung
Nur noch 14 Prozent der neu installierten Knoten entfallen auf Feldbus-Technologien, die damit unter dem Vorjahreswert von 17 Prozent liegen. Die von PI (Profibus & Profinet International) veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die Zahl der neu installierten Profibus-Knoten von 1,1 Millionen im Jahr 2024 auf 1,0 Millionen im Jahr 2025 zurückgegangen ist. Dieser Rückgang um 9 Prozent wird sowohl durch die internen Daten von HMS Networks als auch durch die Branchenumfrage des Unternehmens bestätigt.
Innerhalb des Feldbus-Segments bleibt Profibus mit 4 Prozent zwar der größte Standard, verliert jedoch gegenüber 5 Prozent im Vorjahr weiter an Boden. Modbus RTU hält sich stabil bei 3 Prozent und behauptet damit seine Rolle als universelles, kostengünstiges serielles Protokoll. CC-Link, DeviceNet sowie CAN/CANopen bewegen sich jeweils weiterhin im Bereich von 1 bis 2 Prozent, wenn auch mit leicht rückläufiger Tendenz. Sonstige Feldbus-Protokolle kommen zusammen nur noch auf 2 Prozent, nach zuvor 4 Prozent, was den fortschreitenden Rückgang älterer Netzwerktechnologien verdeutlicht.
Wireless bleibt stabil
Drahtlose Technologien verbinden weiterhin 7 Prozent aller neu installierten Knoten und bleiben damit auf dem Niveau von 2025. Wireless behauptet seine etablierte Rolle als Ergänzung zu kabelgebundenen industriellen Netzwerken und bietet insbesondere bei mobilen Anwendungen wie AGVs (fahrerlosen Transportsystemen) und AMRs (autonomen mobilen Robotern), bei nachgerüsteten Maschinen sowie bei IIoT-Sensoren an schwer zugänglichen Bereichen klare Vorteile.
5G bleibt zwar ein Thema von großem Interesse, wird in der Industrie jedoch weiterhin nur langsam eingeführt. Als häufigste Hürde gilt die Komplexität privater 5G-Infrastrukturen. Erste industrielle 5G-Anwendungen nehmen insbesondere in Asien weiter zu, doch der breite Durchbruch, den viele Marktteilnehmer erwartet hatten, ist bislang ausgeblieben.
Regionale Entwicklungen: Europa, Amerika, Asien
In Europa liegen Profinet und EtherCAT weiterhin vorn. Gleichzeitig nehmen die Aktivitäten rund um APL (Advanced Physical Layer) für die Prozessautomatisierung und SPE (Single Pair Ethernet) für die sensornahe Konnektivität an Fahrt auf. Der Rückgang von Profibus zeigt sich besonders deutlich in Europa, wo die installierte Basis am größten und die Umstellung auf Profinet bereits am weitesten fortgeschritten ist.
In Nordamerika bleibt EtherNet/IP das dominierende Protokoll, insbesondere in der Automobilindustrie und der diskreten Fertigung. Gleichzeitig gewinnen IO-Link, APL und SPE spürbar an Dynamik, getragen von einem wachsenden Interesse an OT-Cybersicherheit vor dem Hintergrund regulatorischer Entwicklungen rund um den Cyber Resilience Act und IEC 62443.
In Asien setzen Profinet und EtherCAT ihren Wachstumskurs auf dem chinesischen Markt fort. CC-Link IE, das erste industrielle Protokoll mit TSN-Unterstützung, behauptet zugleich seine starke regionale Position.
Zukunft industrieller Netzwerke
Ergänzend zur jährlichen Marktanalyse industrieller Netzwerke veröffentlicht HMS Networks den Bericht „State of Industrial Networking“, einen erweiterten Bericht, der die übergeordneten Einflussfaktoren der industriellen Kommunikation beleuchtet. Dazu zählen unter anderem Cybersicherheit, Einschätzungen führender Branchenstimmen aus aller Welt sowie regionale und branchenspezifische Entwicklungen.
Der erweiterte Bericht basiert auf der Studie „Future of Industrial Networks“, einer extern begleiteten Studie, deren zweite Ausgabe nun vorliegt. Für die Ausgabe 2026 wurden Antworten von Herstellern und Anwendern aus allen wichtigen Regionen und Branchen erfasst. Die Umfrage für die Ausgabe 2027 wurde im Juni dieses Jahres gestartet. Da sich Veränderungen auf Protokollebene von Jahr zu Jahr weiter verlangsamen, gewinnt das umfassendere Bild des erweiterten Berichts zunehmend an Bedeutung für die Frage, wohin sich industrielle Netzwerke künftig entwickeln.
Perspektive von HMS Networks
„Zwölf Jahre Marktanalyse erzählen eine bemerkenswert konsistente Geschichte. Die Umstellung von Feldbus auf Industrial Ethernet befindet sich inzwischen in einer späten Phase. Die spannende Frage ist heute, was danach passiert. Wenn nahezu alles auf Ethernet basiert, verlagert sich die Diskussion von der Frage ‚Welches Protokoll?‘ zur Frage, ‚Was setzt darauf auf?‘. Zum Beispiel funktionale Sicherheit, Cybersicherheit, TSN, OPC UA, Single Pair Ethernet oder die IT/OT-Konvergenz. Genau dort werden künftig sowohl die Komplexität als auch die Differenzierung liegen“, sagt Magnus Jansson, Director Product Marketing bei HMS Networks.
„Die Zahlen für 2026 unterstreichen zudem, was wir bereits in unserer Branchenumfrage sehen: Cybersicherheit wird inzwischen von nahezu der Hälfte der Befragten als zentrale Integrationsherausforderung genannt, und 93 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren tiefgreifende Veränderungen im Bereich OT-Cybersicherheit. Protokolle bleiben wichtig, doch zunehmend sind es die darüberliegenden Ebenen, die die Branche umtreiben“, so Jansson weiter.