Arcus Greencycling Technologies hat im Industriepark Höchst ein neues Verfahren für das kontinuierliche chemische Recycling von Kunststoffabfällen unter industriellen Bedingungen erfolgreich erprobt. Die Stoll Gruppe, ein Systemintegrator für industrielle Automatisierung, realisierte hierfür die Automatisierungs- und Steuerungstechnik. Aufgrund des neues chemischen Recyclingverfahrens, hoher Anforderungen an Safety und Explosionsschutz sowie ihres Prototypencharakters stellte das Projekt als industrielle Demonstrationsanlage besondere Anforderungen an Planung und Engineering.
Pyrolyseöl aus gemischten Kunststoffabfällen
Die Anlage führt gemischte und kontaminierte Kunststoffabfälle, die bislang überwiegend im Rahmen der Müllverbrennung thermisch verwertet wurden, wieder in den Rohstoffkreislauf zurück. Mithilfe einer patentierten Pyrolysetechnologie entsteht daraus hochwertiges Pyrolyseöl. Dieses kann als erdölähnlicher Ausgangsstoff für die Herstellung neuer Kunststoffe genutzt werden und reduziert somit den Bedarf an fossilen Rohstoffen. Zudem wird der Kohlenstoffkreislauf geschlossen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Pyrolyseanlagen wurde das Verfahren von Arcus von Beginn an für einen kontinuierlichen Betrieb statt für diskontinuierliche Batchprozesse ausgelegt. Gleichzeitig sollte die industrielle Demonstrationsanlage bereits wesentliche Merkmale späterer Produktionsanlagen abbilden.
Technik für einen anspruchsvollen Prozess
Die Stoll Gruppe übernahm im Rahmen des Projekts das Pre-Engineering der Bereiche Elektrotechnik und Stromversorgung, die Elektrokonstruktion, die Softwareentwicklung, den Schaltschrankbau sowie die Inbetriebnahme der Anlage. Darüber hinaus gehörten die Planung, der Bau und die Installation der Niederspannungshauptverteilung (NSHV) zum Leistungsumfang, über die die gesamte Anlage mit elektrischer Energie versorgt wird. Neben der Umsetzung der Automatisierung des kontinuierlichen Recyclingprozesses galt es, zahlreiche Messstellen zu integrieren, komplexe Safety-Funktionen umzusetzen und Anforderungen im Bereich des Explosionsschutzes zu erfüllen.
„Wir wollten von Anfang an zeigen, dass sich unser Verfahren nicht nur im Labor und Technikum, sondern auch im industriellen Maßstab kontinuierlich betreiben lässt. Die industrielle Demonstrationsanlage bildet dafür die Grundlage und liefert gleichzeitig wertvolle Erkenntnisse für die nächste Anlagengeneration“, sagt Daniel Odenthal, Geschäftsführer von Arcus Greencycling Technologies.
Automatisierung ohne Blaupause
Anders als bei klassischen Automatisierungsprojekten existierte für die Anlage keine fertige Vorlage. Während Arcus das chemische Recyclingverfahren kontinuierlich optimierte, mussten neue Erkenntnisse aus der Prozessentwicklung fortlaufend in die Automatisierungs- und Steuerungstechnik integriert werden. Daher unterstützte die Stoll Gruppe Arcus auch bei der technischen Projektleitung in diesen Bereichen.
Daniel Odenthal, Geschäftsführer von Arcus, bewertet das Projektergebnis wie folgt: „Für unsere Anlage gab es keine Blaupause. Umso wichtiger war es, einen erfahrenen Partner an unserer Seite zu haben, der neue Anforderungen gemeinsam mit uns in tragfähige Automatisierungslösungen übersetzen kann. Die Demonstrationsanlage liefert heute wie erhofft die Erkenntnisse, die wir für die weitere Skalierung unserer Technologie benötigen.“