Seit dem 12. August sind die gesetzlichen Grenzwerte für die Ewigkeitschemikalien PFAS in Lebensmittelverpackungen so niedrig, dass sie praktisch nicht mehr absichtlich verwendet werden können.
Für welche Lebensmittelverpackungen gelten die neuen PFAS-Grenzwerte?
Die neuen PFAS-Grenzwerte gelten für Verpackungen, die unmittelbar mit Lebensmitteln in Berührung kommen. PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) wurden bisher in vielen beschichten Fast-Food-Verpackungen verwendet, wie zum Beispiel für Pizzakartons, Burger-Boxen oder Pommestüten. Seit heute sind die Grenzwerte dafür innerhalb der EU so niedrig, dass es einem Verbot nahe kommt. Bereits produzierte Verpackungen dürfen weiter verwendet werden, bis der Lagerbestand leer ist.
Warum sind PFAS in Lebensmittelverpackungen problematisch?
Durch Hitze können PFAS aus der Verpackung gelöst werden und ins Essen übergehen. Das passiert zwar meist in kleinen Mengen, doch da PFAS inzwischen überall sind, nehmen wir sie ständig unbemerkt auf. So hat beispielsweise ein BUND-Trinkwassertest ergeben, dass in 42 von 46 Trinkwasserproben und in drei von fünf Mineralwasser PFAS enthalten ist. PFAS sind auch in vielen anderen Alltagsprodukten wie Pfannen, Airfryern, Zahnseide, Outdoorkleidung oder Partyartikeln.
Sind PFAS gesundheitsschädlich?
PFAS können das Immunsystem schwächen und einige sind nachweislich gesundheitsgefährdend: Sie können Krebs, Schilddrüsenkrankheiten und erhöhte Fehlgeburtsraten auslösen. Sie werden auch mit Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Menschen nehmen PFAS zum Beispiel über Lebensmittel und Kontakt mit PFAS in Alltagsprodukten auf. So reichert sich immer mehr PFAS im Körper an.
Welche Auswirkungen haben PFAS auf die Umwelt?
PFAS werden auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, weil sie sich quasi nicht abbauen. Einmal in die Umwelt gelangt, verbreiten sie sich in Böden, Gewässern und Luft. Sie belasten Tiere und Pflanzen. Da PFAS so weit verbreitet sind, steigt die Konzentration immer weiter an. Technische Möglichkeiten, PFAS aus der Umwelt zu entfernen, sind extrem teuer und aufwendig und nicht überall einsetzbar.
Reichen die neuen PFAS-Grenzwerte aus?
Die neuen PFAS-Grenzwerte für Lebensmittelverpackungen sind ein wichtiger Schritt. Doch PFAS nur in dieser Produktgruppe zu verbieten, reicht nicht aus. Über die Hälfte der PFAS kommt durch die Herstellung von fluorierten Kältemitteln in die Umwelt. Weitere 30 Prozent PFAS entstehen durch die Produktion von Materialien. Ein sehr enger Grenzwert für Lebensmittelverpackungen reduziert die PFAS-Verschmutzung kaum.
Wie kann PFAS-Belastung reduziert werden?
Bis 2030 muss die Produktion und Verwendung von PFAS beschränkt werden. Die Beschränkung muss für die gesamte PFAS-Gruppe gelten. Die EU-Kommission muss dafür den von der Europäischen Chemikalienagentur ECHA erarbeiteten Beschränkungsvorschlag zügig umsetzen. Das schafft auch Planungssicherheit für die Industrie. Für die Sanierung kontaminierter Orte muss die deutsche Regierung eine nationale Strategie entwickeln und die Verursacher in die Pflicht nehmen.