Neun Schritte helfen Automatisierern und Maschinenbauern, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Bild: McKinsey

Umsätze anzukurbeln, Lieferketten stabilisieren, Arbeitsplätze schützen Gestärkt aus der Krise: 9 Schritte für Automatisierer und Maschinenbauer

11.08.2020

Automatisierungs- und Maschinenbauunternehmen sind von den Einschränkungen betroffen. Wichtig ist deshalb, so schnell wie möglich zu handeln und die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen. Neun Schritte können dabei helfen.

Die Corona-Krise hat Maschinenbau- und Automatisierungsunternehmen unter einen enormen Druck gesetzt. So haben in einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau vom April bereits 77 Prozent der befragten Unternehmen angegeben, dass die Nachfrage stark oder sogar sehr stark eingebrochen ist.

Und bis es zu einer Erholung kommt, kann es noch dauern: Denn insbesondere B2B-Unternehmen wie der Maschinen- und Anlagenbau werden erst dann wieder an Fahrt aufnehmen, wenn ihre Kunden erstarkt sind. Diese Erholung setzt aber erst neun bis zwölf Monate später ein, das hat eine McKinsey-Analyse mit Blick auf die Konsequenzen der Finanzkrise aus dem Jahr 2008 ergeben. Kurz: Es muss jetzt gehandelt werden.

Neun wichtige Schritte

Die folgenden neun Schritte können Maschinenbau- und Automatisierungsunternehmen dabei helfen, wichtige Chancen zu ergreifen, während sich ihre Kunden erholen.

1. Fokus auf die Kundenbedürfnisse
Kunden sollten auf Basis ihrer aktuellen Situation während oder unmittelbar nach der Corona-Krise segmentiert werden, insbesondere nach geplanten Investitionsvorhaben und möglicher Verschiebungen oder finanzieller Restriktionen. Auf dieser Basis können Maschinenbauer und Automatisierter maßgeschneiderte Produkt- und Serviceangebote machen, die auch die Termin- und Finanzsituation des Kunden berücksichtigen. Gerade in Krisen sind verlässliche Partner mit einem Blick für das Kundengeschäft die erste Wahl.

2. Vertrieb aktivieren
Wenn Unternehmen verstehen, in welcher Form ihre Kunden die Produktion wieder anfahren, können sie das mit Produktangeboten, neu fokussierten Vertriebsaktivitäten und attraktiven Finanzierungsoptionen unterstützen. So eine Flexibilität benötigt allerdings einen Prozess mit klar definierten Erfolgskriterien und festgelegten Checkpoints, um sicherzustellen, dass alles nah an der Krisenstrategie ausgerichtet bleibt.

3. Lieferketten wiederherstellen und krisensicher machen
Maschinenbauer und Automatisierer haben oftmals hochkomplexe Lieferketten. Deshalb sollten sie ihre Strukturen, ihre Produktion und den Materialfluss innerhalb ihrer Netzwerke analysieren und so weit wie möglich optimieren, um etwaige Lücken und Schwachstellen bereits im Vorfeld des Erstarkens ihrer Kunden zu entdecken. Dies betrifft insbesondere die Stärkung der eigenen Lieferantenlandschaft zum Beispiel durch lokale Zweitlieferanten für kritische Komponenten, die gesamte Eingangs- und Ausgangslogistik sowie die Lagerhaltung.

4. Alle Aktivitäten analysieren und priorisieren
Unternehmen sollten alle ihre Projekte mit Blick auf die Auswirkungen der Krise unter die Lupe nehmen und unter den zu erwartenden finanziellen Einschränkungen neu priorisieren. Sind bestimmte Produkte, die entwickelt werden, überhaupt noch gefragt? Sind bestimmte Kooperations- oder Marketingprojekte noch zielführend? Sind die Personalplanungen aus Zeiten vor der Krise noch anwendbar?

5. Fokus bei Kosten und Return-on-Investment
Automatisierer und Maschinenbauer sollten unbedingt ihre erwarteten Kosten im Blick behalten. Dazu gehört auch eine eingehende Analyse der geplanten Investitionen und Ausgaben im Rest des Geschäftsjahres. Auch hier gilt die Reduzierung auf das Wesentliche, um mit beschränkten Mitteln einen möglichst hohen Return zu erzielen.

6. Strukturen konsequent anpassen
Maschinenbau- und Automatisierungsunternehmen sollten ihr Geschäftsmodell und ihre internen Strukturen mit Blick auf zukünftige Entwicklungen prüfen und entsprechend anpassen.

7. Bereichsübergreifende Expertenteams bilden
In der aktuellen Situation kann es eine Herausforderung sein, aus der Planungs- in die Umsetzungsphase von Projekten zu kommen. Dabei kann es helfen, Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen in Teams zusammenzubringen, um beispielsweise Pläne über Geschäftsbereiche und Regionen hinweg optimal umzusetzen.

8. Flexible Lösungen mit Blick auf ein neues Erstarken des Coronavirus entwickeln
Unternehmen sollten sich auf die Möglichkeit einer zweiten Corona-Welle einstellen. Dazu gehört, Strategien und Lösungen für diese Zeit zu entwickeln. Es lohnt sich, Best Practices zu sammeln: Etwa zum Umgang mit Problemen entlang der Lieferkette, inklusive Partnern, Lieferanten und Kunden. Dabei muss die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter stets höchste Priorität haben.

9. Weichen stellen für die „neue Normalität“ nach der Corona-Krise
Schließlich sollten so früh wie möglich die Weichen für die Zeit nach der Corona-Krise gestellt werden. Denn was früher galt, ist in der „neuen Normalität“ nicht zwangsläufig weiter strategisch sinnvoll. Dies beinhaltet etwa, Digitalisierung und Automatisierung konsequent voranzutreiben, Partnerschaften entlang der gesamten Lieferkette und gegebenenfalls mit Mitbewerbern auf- und auszubauen und die Richtung der Unternehmensentwicklung anzupassen.

Nicht zögern!

Es wird deutlich: Die Schritte, mit denen Maschinenbau- und Automatisierungsunternehmen auch in Zeiten von Corona erfolgreich sein können, sind nicht einfach. Doch eines ist sicher: Werden sie konsequent umgesetzt, leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, Umsätze anzukurbeln, Lieferketten zu stabilisieren, die Produktionskapazität zu erhöhen, Arbeitsplätze zu schützen und Kosten zu stabilisieren – und so, den langfristigen Erfolg abzusichern.

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