Ansgar Hinz ist seit 2016 CEO der VDE-Gruppe mit weltweit 2.000 Mitarbeitern. Nach dem Studium der Allgemeinen Elektrotechnik an der RWTH Aachen begann er seine Karriere bei der Reinhausen-Unternehmensgruppe in Regensburg. Vor seiner Berufung als VDE-Vorstandsvorsitzender war Hinz mehr als 15 Jahre Geschäftsführer der Messko GmbH in Oberursel.

Bild: Uwe Noelke, VDE

Cultural Change Ein Plädoyer für ein „Weiter so!“

20.07.2020

Covid-19 hält die Welt in Atem. Schulen, Fabriken, Geschäfte geschlossen: Von einem flächendeckenden Wiederanfahren kann noch keine Rede sein. Ein Feind, den man nicht sieht, nicht hört und nicht riecht, beherrscht die Welt. Ein Feind, der gleichzeitig unsere Stärken wieder aufleben lässt.

Ansgar Hinz ist mit diesem Beitrag im E&E-Kompendium 2020 als einer von 100 Machern der Elektronikwelt vertreten. Alle Beiträge des E&E-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Was unsere Branche die nächste Zeit prägt? Wie ein Phönix aus der Asche aufzusteigen! Letztes Jahr rief ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu auf, aufzuwachen und die Ärmel hochzukrempeln. Sich raus aus der Lethargie, raus aus der Komfortzone zu bewegen, in der wir uns seit Jahren befanden. Die stets vollen Auftragsbücher machten uns bequem. Die Digitalisierung im eigenen Unternehmen voranzutreiben? Warum? Es funktionierte doch auch so.

Letztes Jahr zur Hannover Messe stuften in einer Umfrage unter den VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen der Elektro- und Informationstechnik über die Hälfte der Befragten Deutschland bei KI als mittelmäßig ein. Ihrer Meinung nach – auch meiner – waren die führenden Nationen stattdessen USA und China, gefolgt von Japan. Was hätten unsere Unternehmen dieses Jahr gesagt, wäre nicht der Covid-19-Virus über uns alle eingebrochen?

Umgang mit dem Virus: Die Welt schaut auf Deutschland

Mag die Stimmung derzeit verhalten sein, schließlich weiß keiner, wie lange uns der Virus im Griff halten wird, wie lange Wirtschaft und Gesellschaft stillstehen. Dennoch: Ich blicke optimistisch in die Zukunft. Wenn die Pandemie eines bewiesen hat, dann dass Deutschland in der Lage ist, innerhalb kürzester Zeit den Kurs zu drehen, aus der Lethargie aufzuwachen und die Ärmel hochzukrempeln. Wie Phönix aus der Asche aufzusteigen.

In den Unternehmen herrscht flächendeckend jetzt das Primat des „Einfach machen!“. Undenkbar noch vor ein paar Monaten! Ganz Deutschland im Homeoffice, und es funktioniert. Der Wir-versus-Virus-Hackathon zeigte bereits zu Beginn der Krise, wozu unsere Start-up-Szene fähig ist, wenn die Welt stillsteht. Unser Jobmotor Mittelstand bewies, dass er sehr wohl in der Lage ist, die Digitalisierung im eigenen Hause voranzutreiben und seine Produktion noch dazu innerhalb kürzester Zeit umzustellen. Und die Welt blickt staunend auf uns. Erlauben Sie mir die selbstbewusste Aussage: Wie Deutschland mit der Krise umgeht, ist internationaler Benchmark.

Unsere Industrie kann stolz auf sich sein

Die Krise ist unsere Chance. Unser Mindset hat sich bereits gewandelt. Einige Geschäftsmodelle stehen gerade auf dem Prüfstand beziehungsweise werden sicherlich verschwinden. Schnell agieren heißt es nun für viele Unternehmen – und sie tun es. Der Erfindergeist ist wieder auferweckt.

Vielerorts entstehen neue, innovative Geschäftsideen. Innerhalb kürzester Zeit heben Unternehmen Kooperationen mit ihren Mitbewerbern genauso wie mit Start-ups aus der Taufe. Unterbrochene Lieferketten führen uns vor Augen, was wir in den letzten Jahren verschlafen haben und generieren wiederum damit neue Geschäftsideen; entwickeln neue Wertschöpfungsketten hier, in Deutschland.

Die Krise zeigt unsere Stärke. Wir lamentieren nicht, wir machen, wenn es darauf ankommt. Dies schließt auch die Politik mit ein, die erkannt hat, dass es ohne unsere Branche nicht geht; der Seitenhieb in Richtung Corona-App sei mir erlaubt. Unsere Branche kann stolz auf sich sein. Unsere Technologien helfen, die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Ich wünsche mir, dass viele Jugendliche dies jetzt erkennen und sich für eine Ausbildung in der Elektro- und Informationstechnik, im Maschinenbau oder in der Informatik entschließen. Lassen wir die Ärmel hochgekrempelt und machen weiter so. Hauptsache wir fallen nicht wieder in alte „Wohlfühlmuster“ zurück!

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