Peter Schippel, Assa Abloy Sicherheitstechnik

Der digitale Schlüssel zur cyberphysischen Resilienz

ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH

Peter Schippel ist seit 2023 bei Assa Abloy Sicherheitstechnik tätig. Als Business Development Manager KRITIS verantwortet er derzeit die Kundenberatung in Süddeutschland mit Fokus auf Groß- und Mittelstandsunternehmen aus dem Bereich kritischer Infrastrukturen. Seine Schwerpunkte liegen auf Zutrittslösungen sowie auf branchenspezifischen Vorgaben und Richtlinien der Sicherheitstechnik für alle KRITIS-Sektoren. Der gelernte Elektroinstallateur und Groß- und Außenhandelskaufmann verfügt über rund 25 Jahre Erfahrung in der Kundenberatung zu unterschiedlichsten Fragestellungen.

Bild: ASSA ABLOY
15.10.2026

Die Bedrohungslage für die Industrie hat sich fundamental gewandelt. Während Cyberattacken oft als rein virtuelles Problem verstanden werden, bleibt die physische Sicherheit die Achillesferse moderner Unternehmen. Digitale Zutrittskontrolle schließt heute die gefährliche Lücke zwischen Bits und Bytes und mechanischem Schutz.

Wer über Sicherheit in der Industrie spricht, darf die physische Komponente niemals isoliert betrachten. Physische Sicherheit bedeutet heute weit mehr als nur ein Schloss in der Tür; sie ist der Schutz von Mitarbeitern, Hardware, Programmen und Netzwerken vor äußeren Gefahren, die einen ernsthaften Verlust oder Schaden für eine Organisation anrichten können. Wir beobachten eine Zunahme von Vorfällen, bei denen Cyberangriffe physisch vor Ort eingeleitet werden, etwa durch das Einschleusen von Schadsoftware über unbefugten Zugang zu IT-Anlagen.

Um die Widerstandsfähigkeit, die sogenannte cyberphysische Resilienz, zu erhöhen, müssen wir den Schutz vor Einbruch, Diebstahl und Vandalismus mit der digitalen Welt verknüpfen. Die rechtliche Grundlage hierfür wird durch die europäische Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit (NIS2) massiv verschärft. In Deutschland wird diese Richtlinie durch das Netz- und Informationssicherheit-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz (NIS2UmsuCG) in nationales Recht gegossen. Davon sind allein in Deutschland rund 30.000 zusätzliche Unternehmen betroffen, insbesondere in Sektoren wie Chemie, Pharma oder der Lebensmittelproduktion. Diese Betriebe müssen ein aktives Risikomanagement nach dem Stand der Technik nachweisen, ansonsten drohen ab Januar 2027 empfindliche Strafen, die sich am weltweiten Konzernumsatz orientieren können.

Ein zentraler Baustein in diesem Sicherheitsgefüge ist die Zutrittskontrolle. In vielen Unternehmen begegne ich noch klassischen mechanischen Schließanlagen, die in der modernen Sicherheitsarchitektur ein erhebliches Risiko darstellen. Illegale Schlüsselkopien sind dort oft problemlos möglich, und bei einem Schlüsselverlust leidet die Sicherheit der gesamten Anlage sofort massiv. Zudem fehlt jede Nachvollziehbarkeit: Wer hat wann welchen Raum betreten? In einem Kritis-Umfeld (Kritische Infrastrukturen) ist diese Unwissenheit fatal.

Die Lösung liegt in einem skalierbaren, rein elektronischen Schließsystem wie eCLIQ. Das System basiert auf kabellosen Schließzylindern und elektronischen Schlüsseln. Die Montage ist denkbar einfach, da lediglich der mechanische Zylinder gegen einen elektronischen getauscht wird, ohne dass eine Verkabelung oder WLAN-Anbindung an der Tür notwendig ist. Der Schlüssel selbst dient als Energieträger für den batterielosen Zylinder und kommuniziert über Metallkontakte statt über Funkprotokolle, was die Manipulationssicherheit erhöht. Durch diese Technologie gewinnen Unternehmen die volle Kontrolle zurück. Zutrittsberechtigungen können zeitlich präzise begrenzt werden – ein externer Dienstleister erhält beispielsweise nur am Montag zwischen acht und achtzehn Uhr Zugang. Verliert ein Mitarbeiter seinen Schlüssel, wird dieser einfach im System gesperrt; ein teurer Austausch der Zylinder entfällt komplett. Zudem lässt sich jeder Schließvorgang dokumentieren, was für die Revisionssicherheit und die Erfüllung gesetzlicher Meldepflichten unerlässlich ist.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt die Leistungsfähigkeit: Der Energiekonzern E.ON nutzt dieses System für seine weit verstreuten technischen Anlagen, vom Schaltschrank am Waldrand bis zum Umspannwerk in der Stadt. Da das System offline funktioniert, ist es unabhängig von der Netzabdeckung vor Ort. Sogar Fahrzeuge oder Spinde können integriert werden, sodass der Mitarbeiter für alle Bereiche nur noch einen einzigen, intelligenten Schlüssel benötigt.

Wir müssen verstehen, dass physische Sicherheit die Basis für eine funktionierende Cybersicherheit ist. Ein effektives Risikomanagement umfasst heute Konzepte für die Sicherheit des Personals, das Management von Anlagen und die lückenlose Überwachung der Zutrittsrechte. Nur durch diese Verknüpfung von mechanischer Robustheit und digitaler Intelligenz können wir den steigenden Anforderungen an den Schutz unserer industriellen Infrastruktur gerecht werden.

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