Wer auf dem Weg nach Berlin im Stau stand – teils wegen hitzebedingter „Blow-Ups" im Asphalt oder vergeblich auf ihren oder seinen Flug oder Zug wartete – hatte die Metapher für den INDUSTRY.forward SUMMIT 2026 schon erlebt, bevor er im Spreespeicher angekommen war. Veränderung ist keine Option mehr. Sie ist Realität und wer sie ignoriert, steht still.
Vom 1. bis 2. Juli 2026 versammelte die Zukunftskonferenz der Industrie über 140 Entscheider mittelständischer Industrie- und Familienunternehmen in Berlin – unter dem Motto „Alles in Bewegung – Zeit für Richtung!“ Was folgte, waren zwei Tage ohne Schonkost: Keynotes, die unbequemen Wahrheiten aussprachen, Panels, die Reibung erzeugten, und Gespräche auf Augenhöhe – auf der Bühne, an den Themen-Tables, auf solarbetriebenen Themen-Booten auf der Spree und bei ausgiebigem Networking.
Der Ton: Klartext, kein Schönreden
Was den INDUSTRY.forward SUMMIT 2026 von anderen Veranstaltungen unterscheidet, ist nicht das Programm allein – es ist die Haltung im Raum. Niemand hat die Lage schöngeredet. Und doch war die Grundstimmung keine des Jammerns, sondern des Aufbruchs.
Martin Jauss, CEO der Würth Industrie Service, brachte es auf den Punkt: Die Herausforderungen der deutschen Industrie wurden schonungslos benannt – und dann der Blick radikal auf die Chancen gelenkt. „Think Positive“ als Führungsmotto in der Krise – nicht als Verdrängen der Realität, sondern als bewusste Entscheidung für Handlungsfähigkeit.
Diese Haltung zog sich wie ein roter Faden durch beide Tage.
Geopolitik: Die Spielregeln haben sich geändert – dauerhaft
Den Auftakt setzte Prof. Dr. Peter R. Neumann, Sicherheitsexperte am King's College London, mit einer Keynote, die den Raum in Bewegung brachte. Seine These: Die Weltordnung befindet sich in einem historischen Umbruch. Zölle, Handelsbarrieren und die Verschiebung geopolitischer Einflusssphären sind keine vorübergehenden Phänomene – sie sind die neue Normalität. „Der Westen wird kleiner. Nicht weil wir schrumpfen, sondern weil der Rest wächst.“
Neumanns Forderung war klar: Deutschland braucht eine Außenpolitik, die nationale Interessen klar definiert und wirtschaftliche, technologische sowie sicherheitspolitische Vernunft verbindet. Unternehmen, die auf die Rückkehr alter Muster warten, warten vergeblich.
Handlungsempfehlungen aus der Diskussion: Regionalisierung bedeutet nicht Rückzug, sondern strategische Marktpräsenz; Lokale Potenziale in Engineering und Produktion müssen adaptiert – nicht von der Zentrale übergestülpt – werden; Wer am Markt sein will, muss vor Ort denken; Indien stärker ins Blickfeld rücken: Es ist heute da, wo China vor 30 Jahren war.
„Made in Germany“ – ein Qualitätssiegel, das sich täglich neu erfinden muss
Deutschland – Automatisierungsweltmeister? Der Vortragstitel von Steffen Winkler (Bosch-Rexroth) trug eine unbequeme Wahrheit in sich: Was gestern groß gemacht hat, trägt heute noch – aber morgen nicht mehr.
Dr. Sebastian Durst, CEO von Weidmüller, setzte ein klares Signal: 60 Millionen Euro Investition in den Standort Detmold. Konsequente Automatisierung, digitale Fertigungsintegration, humanoide Roboter in der Produktion. Die Botschaft: „Made in Germany“ ist kein Lohnkostenversprechen – es ist ein Kompetenzwettbewerb. Und den kann Deutschland gewinnen, wenn die Hausaufgaben gemacht werden.
Ergänzend dazu zeigte Thomas Böck, CEO von Festo, wie Innovationsführerschaft in der Praxis aussieht: agile Innovationscluster, mutige Allianzen mit Start-ups, AI Automation Labs als Experimentierräume. Nicht Technologie-Push, sondern konsequente Ausrichtung am Kundennutzen.
Drei Take-aways aus dem Teilnehmerkreis, die auf breite Zustimmung stießen:
Regionalisieren – Strukturen hinterfragen, lokale Stärken aktivieren, nicht aus der Zentrale verwalten.
Geschäftsmodelle verschieben – weg vom Komponentenlieferanten, hin zum Lösungsanbieter mit digitalen Assets.
Kompetenzwettbewerb annehmen – Prozesse schlank und digital gestalten, Varianz beherrschen, Exzellenz auf allen Ebenen anstreben.
KI: Kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem
Das Thema KI durchzog beide Tage – aber nicht als Hype, sondern als harte Frage: Warum erzielen viele Unternehmen trotz KI-Einführung noch keinen echten Mehrwert?
Die Paneldiskussion „AI Disruption: Produktivitätsschub oder Organisationsversagen?“ (powered by Deutsche Telekom MMS) machte deutlich, wo der Engpass liegt: nicht in der Technologie, sondern in ihrer konsequenten Anwendung. Schatten-IT, Akzeptanzkrisen und das Ende klassischer Führungsmodelle – das sind die eigentlichen Herausforderungen der KI-Transformation.
Der Konsens auf der Bühne und an den Themen-Tables war eindeutig: KI ist keine Option mehr, sondern Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Robotik, Physical AI und Industrial AI werden die Industrie strukturell verändern – wer jetzt nicht in Datenkompetenz und Change Management investiert, verliert den Anschluss.
Verteidigung als Wachstumsmarkt – die unbequemste Diskussion
Der kraftvollste Moment des zweiten Tages war gleichzeitig der Unerwartete: die Abschlussdiskussion „Verteidigung als Wachstumsmarkt – welche Rolle spielt die zivile Industrie?“
Neben Philipp Steinberger (ZVEI-Vorstand) und Catharina Dohmeier (Stadler Rail Service) saßen auf dem Podium Stimmen, die den Raum veränderten: Léocadie Reimers, junge Bundeswehr-Reservistin, die ihren Purpose in einem Münchner Scale-Up für autonome Transportfahrzeuge in der Verteidigung gefunden hat– und Fedo Hagge-Kubat, der im Deutsch-Ukrainischen Büro als Leiter Defence Innovation seine Erfahrungen direkt im Kriegsgebiet gesammelt hat.
Die Abschlussfrage war programmatisch: Was soll erreicht sein, wenn wir uns in einem Jahr wieder treffen?
Während viele im Raum – verständlicherweise – an Prozessoptimierung und den Abbau bürokratischer Hürden dachten, rückte Fedo Hagge-Kubat den Blick zurecht: „Dass der scheiß Krieg endlich zu Ende ist.“ Stille. Dann Nicken. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Format als Statement: Wenn Gespräche in Bewegung kommen
Dass der INDUSTRY.forward SUMMIT kein klassisches Konferenzformat ist, machte schon das Vorabend-Get-together deutlich – auf einem Rooftop mit Blick über Berlin, powered by KEYPLAYER. Erste Gespräche, erste Verbindungen.
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal waren die drei solarbetriebenen Themen-Boote auf der Berliner Spree – powered by Soley, Zühlke Group & FREDDIE. Hier entstanden Diskussionen, die auf einer Bühne so nicht möglich gewesen wären: eng, direkt, ohne Agenda. Das Auditorium wurde zum Mitdenker, nicht zum Publikum.
Der Networking-Abend am Spreeufer – powered by SEW-EURODRIVE – verlängerte das, was begonnen hatte: Gespräche, die dort weitergingen, wo die Sessions aufgehört hatten. Offen, intensiv, auf Augenhöhe.
Fazit: Die Richtung ist bekannt – jetzt kommt es auf den Schritt an
Der INDUSTRY.forward SUMMIT 2026 hat bewegt: Er hat 140+ Entscheider nicht mit Antworten nach Hause geschickt, sondern mit Richtung – und dem Impuls, nicht mehr zu warten.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
Geopolitik ist Unternehmensstrategie. Die neue Weltordnung erfordert klare Positionierung – regional, technologisch, sicherheitspolitisch.
„Made in Germany“ ist ein Kompetenzversprechen, kein Kostenvorteil. Wer es halten will, muss in Automatisierung, Digitalisierung und Qualifikation investieren – jetzt.
KI ist Pflicht, nicht Kür. Das Problem ist nicht die Technologie, sondern ihre konsequente Anwendung. Change Management und Führung sind die eigentlichen Hebel.
Transformation gelingt nicht allein. Partnerschaften, Allianzen und Ökosysteme sind keine Schwäche – sie sind die Antwort auf steigende Komplexität.
Leadership ist die Antwort auf Unsicherheit. Ein Plan darf sich ändern – aber ohne Richtung keine Orientierung. Menschen befähigen, nicht verwalten.
Das Beste: Niemand hat die Lage schöngeredet. Und trotzdem war der Grundton: Die produzierende Industrie ist bereit – nicht nur zu reden, sondern zu handeln.
Der INDUSTRY.forward SUMMIT 2027 findet vom 30. Juni bis 1. Juli 2027 statt. Weitere Informationen finden Sie hier!
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Sie gaben starke Impulse auf dem INDUSTRY.forward SUMMIT 2026:
Prof. Peter R. Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King's College London
Dr. Irene Bader, Vorständin bei DMG MORI
Martin Jauss, Executive Vice President bei der Würth Group und CEO bei Würth Industrie
Dr. Sebastian Durst, Dr. Wilhelm Nehring
Thomas Böck, CEO bei Festo
Frank Possel-Dölken, CDO bei Phoenix Contact
Dr. Wilhelm Nehring, CEO von Pepperl+Fuchs
Dr. Peter Selders, CEO von Endress+Hauser
Hubertus Breier, CTO & Member of the Executive Board bei Lapp
Catharina Dohmeier, Projektmanagerin Dual Use & Spezialfahrzeuge bei Stadler Rail Service
Jörg Scheer, Senior Vice President Market der Harting Technologiegruppe
Henrik Schunk, Geschäftsführer Next Level Mittelstand und Vorsitzender des Verwaltungsrates bei Schunk
Dr. Ralf Sauter, Partner bei Horváth & Partner
Viktor Brandenburg, Director IT bei Fr. Fassmer
Stefan Fritz, Head of Global Mass Manufacturing bei ZEISS Vision Care
Adrian König, Head of Corporate Innovation & Digital Transformation bei Jenoptik
Sebastian Semrok, IT-Leiter bei Rheinmetall Naval Systems
Ralf Pechmann, CEO der Deutsche Telekom MMS
Katrin Fischer, Principal Consultant Digital Innovation & AI bei Deutsche Telekom MMS
Leocadie Reimers, International Sales bei ARX Robotics
Philipp Steinberger, CEO bei Wöhner
Fedo Hagge-Kubat, Leiter Defence Innovation bei Deutsch-Ukrainisches Büro
und viele weitere ...!