Resiliente Versorgungsstrukturen für Wasser, Energie und Ressourcen sind die Grundlage für den zuverlässigen Betrieb von Standorten – auch unter unsicheren externen Bedingungen. Veolia unterstützt Industrieunternehmen mit integrierten Lösungen dabei, ihre Infrastruktur nachhaltig, effizient und zunehmend autark auszurichten. Jeremy Müller, CEO von Veolia Industrial Solutions Deutschland, erläutert, warum industrielle Resilienz immer wichtiger wird und welche Rolle dabei vernetzte Versorgungssysteme spielen.
Die Industrie befindet sich in einem Umfeld aus geopolitischer Unsicherheit, technologischer Beschleunigung und zunehmendem Ressourcendruck. Was bedeutet das aus Managementsicht?
Jeremy Müller
Wir erleben keinen isolierten Wandel, sondern eine strukturelle Neuordnung des industriellen Umfelds. Geopolitische Spannungen, Klimarisiken, volatile Energiemärkte, Wasserstress und fragile Lieferketten verändern die Bedingungen für Wachstum. Der verlässliche Zugang zu Wasser, Energie und Rohstoffen wird damit zum Wettbewerbsfaktor. Resilienz ist heute nicht mehr nur Absicherung, sondern Teil einer aktiven Wachstumsstrategie.
Strategische Industrien wie Halbleiter, Rechenzentren oder Pharma wachsen dynamisch und stellen zugleich hohe Anforderungen an Wasser, Energie und Umweltleistungen. Warum ist das so relevant?
Jeremy Müller
Diese Industrien stehen exemplarisch für die neue industrielle Realität: Sie sind technologiegetrieben, systemrelevant und ressourcenintensiv zugleich. Der Ausbau digitaler Infrastrukturen, die Stärkung lokaler Halbleiterkapazitäten oder die Weiterentwicklung pharmazeutischer Produktion sind wirtschaftlich und geopolitisch hochrelevant, setzen aber voraus, dass die zugrunde liegende Umweltinfrastruktur mitwächst. Produktionsstandorte können nur dann nachhaltig und zuverlässig betrieben werden, wenn Abfall- und Wertstoffmanagement, Wasserverfügbarkeit, Wasserqualität, Energieeffizienz und Emissionskontrolle, also das gesamte Ressourcenmanagement, auf höchstem Niveau gesichert sind. Die Relevanz liegt also darin, dass industrielle Expansion heute nicht mehr losgelöst von Umweltinfrastruktur gedacht werden kann. Wachstum braucht belastbare Systeme im Hintergrund und genau diese Systeme werden zunehmend zu einem strategischen Differenzierungsfaktor für Standorte und Unternehmen.
Sie sprechen davon, dass Umweltdienstleistungen zu kritischer Infrastruktur werden. Warum ist dieser Perspektivwechsel so entscheidend?
Jeremy Müller
Weil er die tatsächliche Bedeutung dieser Leistungen für die industrielle und wirtschaftliche Stabilität sichtbar macht. Lange wurden Wasser, Abwasser, Energie- und Abfallmanagement vor allem als unterstützende Services verstanden. Tatsächlich sind sie jedoch längst ein integraler Bestandteil resilienter Industriestandorte. Wo der verlässliche Zugang zu Wasser fehlt, Abwasser nicht sicher behandelt werden kann oder Energie- und Abfallströme nicht effizient gesteuert werden, gerät nicht nur die Nachhaltigkeitsbilanz unter Druck, sondern vor allem die operative Kontinuität. Der Begriff „kritische Infrastruktur“ beschreibt damit eine neue Realität: Umweltleistungen sichern Produktionsfähigkeit, Investitionsfähigkeit und wirtschaftliche Souveränität – für Unternehmen ebenso wie für Regionen und Volkswirtschaften.
Welche Rolle spielen dabei Lösungen und technologische Innovationen von Veolia?
Jeremy Müller
Unsere Rolle ist es, Industriekunden mit Lösungen zu unterstützen, die über klassische Versorgung hinausgehen – besonders dort, wo Standardansätze den Anforderungen komplexer Prozesse nicht mehr genügen. Gefragt sind integrierte, praxiserprobte Lösungen für Wasser-, Energie- und Abfallmanagement, die Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit zugleich stärken. Veolia entwickelt solche Ansätze entlang der gesamten Wertschöpfung – von Wasseraufbereitung und Wiederverwendung bis hin zu Kreislauf- und Ressourcenschonungslösungen. Ihr strategischer Mehrwert liegt darin, Versorgung zu sichern, Risiken zu reduzieren, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und die industrielle Leistungsfähigkeit langfristig zu stärken.
Welchen Vorteil bietet es, Wasser, Entsorgung und Energie nicht getrennt, sondern integriert zu betrachten?
Jeremy Müller
Der entscheidende Vorteil liegt in der Systemperspektive: Wasser, Entsorgung und Energie sind in industriellen Prozessen eng miteinander verknüpft und sollten nicht isoliert betrachtet werden. Ein integrierter Ansatz eröffnet Effizienzpotenziale, ermöglicht die Mehrfachnutzung von Ressourcen, schließt Stoffkreisläufe und macht Prozesse insgesamt resilienter. So lassen sich nicht nur Kosten und Emissionen reduzieren, sondern auch Versorgungssicherheit und Standortstabilität stärken. Gerade für die Industrie ist das ein wesentlicher Vorteil: Unternehmen erhalten von Veolia nicht nur Einzellösungen für einzelne Herausforderungen, sondern ein vernetztes Ressourcenmanagement, das ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander verbindet. Genau diese integrierte, ganzheitliche Betrachtung kann meiner Meinung nach zunehmend zu einem Erfolgsfaktor für nachhaltiges industrielles Wachstum werden.
Wenn Sie nach vorn blicken: Worauf wird es für die Industrie künftig besonders ankommen?
Jeremy Müller
Entscheidend wird sein, wie schnell es Unternehmen gelingt, die eigene Entwicklung, Energiekosten und Bürokratiehürden im Kontext von Ressourcen neu zusammenzudenken. Die Frage ist künftig nicht mehr nur, ob nachhaltiger gewirtschaftet werden muss, sondern vor allem auch, wie konsequent und intelligent Unternehmen ihre Prozesse, Infrastrukturen und Standorte darauf ausrichten werden. Dabei wird es vor allem auf Investitionen in zukunftsfähige Systeme ankommen: in Technologien, die Verbräuche senken, Kreisläufe ermöglichen, Abhängigkeiten reduzieren und die Anpassungsfähigkeit von Standorten erhöhen. Wer diese Transformation frühzeitig angeht, verschafft sich nicht nur ökologische Vorteile, sondern stärkt auch seine Innovationskraft und Attraktivität im Wettbewerb.
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