Wie viele andere Branchen musste die deutsche Elektronik-Distribution im zweiten Quartal herbe Verluste hinnehmen. Am stärksten traf es die Sparte der passiven Bauelemente.

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Auswirkungen von Corona Bauelemente-Distribution durch Lockdown stark getroffen

20.08.2020

Die deutsche Elektronik-Distribution musste im zweiten Quartal starke Verluste hinnehmen. Umsatz und Aufträge sind gesunken, Besserungen werden frühestens zum Jahresende erwartet. Der Fachverband Bauelemente Distribution fordert einen „Innovations-Wumms“.

Der Covid-19-Lockdown in Deutschland hat tiefe Spuren in der Auftrags- und Umsatzentwicklung der deutschen Bauelemente-Distribution hinterlassen. So ging der Umsatz der im Fachverband Bauelemente-Distribution (FBDi) organisierten Unternehmen um 22 Prozent auf 682 Millionen Euro zurück. Die Auftragslage entwickelte sich mit -13 Prozent auf 643 Millionen Euro ähnlich negativ, die Book-to-Bill-Rate sank mit 0,94 wieder auf das Niveau von 2019.

Größte Verluste bei passiven Bauelementen

Auf Produktebene stechen vor allem die -29 Prozent bei den passiven Bauelementen hervor, die gegenüber Halbleitern (-17,8 Prozent) und Elektromechanik (-12,6 Prozent) weiter an Boden verloren. In absoluten Zahlen weisen die Halbleiter einen Umsatz von 468 Millionen Euro aus, die passiven Bauteile 77 Millionen Euro, die Elektromechanik 86 Millionen Euro und die Stromversorgungen 24 Millionen Euro.

In der Umsatzverteilung stellen die Halbleiter 69 Prozent des Gesamtumsatzes, Passive nur noch elf Prozent, Elektromechanik 13 Prozent, Stromversorgungen vier Prozent und alle anderen Produktgruppen zusammen drei Prozent.

Für den FBDi-Vorstandsvorsitzendern Georg Steinberger kommt dieser Einbruch nach den Ereignissen der vergangenen Monate nicht überraschend. „Viele Kunden haben ihre Aufträge verschoben, die Lage in der Supply Chain ist nicht sehr transparent, es fehlen nach wie vor Transportkapazitäten aus Asien“, sagt er. „Wir gehen davon aus, dass nach der Sommerpause eine Art Reset oder Bestandsaufnahme erfolgt und damit eine Neubewertung des künftigen Bedarfs an Bauelementen. Daran wird auch die positive Entwicklung in manchen Produktionsbereichen in Asien nichts ändern.“

„Es mangelt an Innovationsimpulsen“

Interessanterweise verläuft die psychologische Situation laut Steinberger dabei genau umgekehrt zur realen Entwicklung. „Während die IWF-Prognosen für das Jahr 2020 von einem Minus von 7,5 Prozent in der Wirtschaftsleistung in Europa ausgehen (Deutschland liegt bei minus sieben Prozent), hat sich die Stimmung in der Wirtschaft gedreht“, berichtet der Vorstandsvorsitzende. So stiegen die von IHS Markit veröffentlichten PMIs in ganz Europa auf teils deutlich über den Wert 50, was Hoffnung auf Wachstum bedeute. „Sollte sich die positive Stimmung in Wachstum in der zweiten Jahreshälfte verwandeln, steht auch der Bauelemente-Distribution ein interessanter Herbst bevor.“

Allerdings fehlt aus Sicht des FBDi der Anreiz aus der Politik, um Technik zur gesellschaftlichen Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu nutzen. Steinberger: „Wir wissen, dass Technologie nicht alles kann und auch nicht alle Sünden der Vergangenheit wettmachen kann. Wir wissen auch, dass Technologie ihre eigenen Herausforderungen wie Elektronikschrott, Konfliktmineralien und dergleichen hat, an denen wir arbeiten müssen. Was wir uns jedoch wünschen, ist, dass in einer Zeit, in der Abermilliarden von Euro zur Rettung von allen möglichen Wirtschaftszweigen ausgegeben werden, wenigstens Innovationsimpulse gesetzt werden, um unser Land nachhaltiger, digitaler und klimaneutraler zu gestalten.“

Weiter sei es laut Steinberger „beschämend“, dass seit 15 Jahren „Stillstand in der Klimapolitik“ herrsche und erneuerbare Energien eher blockiert als gefördert würden. „Umweltfreundlichere Antriebe fallen dem Lobbyismus zum Opfer“, sagt der Vorsitzende, „und digitale Offensiven gehen überwiegend im Föderalismus-Chaos unter. Wo bleibt der langfristig orientierte Innovations-Wumms?“

Bildergalerie

  • Entwicklung des deutschen Elektronik-Komponenten-Markts von 2018 bis 2020

    Bild: FBDi

  • Marktzahlen der Elektronik-Distribution nach Produktgruppen von 2019 bis 2020

    Bild: FBDi

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