Logistik der Zukunft Autonome Drohnen fliegen im 5G-Netz der Telekom

Das Projekt „Drone4Parcel5G“ könnte eine Vorreiterfunktion für die Logistik der Zukunft einnehmen.

Bild: Deutsche Telekom
01.03.2023

Die Deutsche Telekom stellt für das Forschungsprojekt „Drone4Parcel5G“ in der Region Südwestfalen ein 5G-Campus-Netz bereit. Ziel des Vorhabens ist es, den Betrieb von autonomen Lieferflügen mit Paketdrohnen auf Basis von 5G zu erproben. Die Technologie soll in Zukunft den Straßenverkehr entlasten und Lieferzeiten minimieren.

Die Deutsche Telekom hat ein Testgelände in Rüthen im Kreis Soest mit einem speziellen mobilen 5G-Mobilfunk-Container ausgerüstet, der das Areal mit dem neusten Mobilfunkstandard versorgt. Dies ermöglicht den Forschenden, Lieferdrohnen-Flüge im Zusammenspiel mit der 5G-Technologie unter realen Bedingungen zu testen. Über das 5G-Campus-Netz können die Drohnen dabei zuverlässig Sensor-, Bild- und Flugdaten übertragen. Mit dem kurzfristig eingerichteten lokalen 5G-Netz setzt die Deutsche Telekom erstmals das neue Geschäftskunden-Produkt „Campus-Netz Temporär“ für einen Kunden um.

„Im Projekt Drone4Parcel5G zeigt sich das enorme Innovationspotential von 5G für die Logistik der Zukunft. Damit Drohnen künftig Pakete automatisiert fliegend und unter höchsten Sicherheitsstandards zustellen können, liefern wir mit unserem Netz schon heute volle 5G-Leistung“, sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer für den Bereich Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland. „Mit unserem neuen temporären 5G-Campus-Netz-Angebot für Geschäftskunden bieten wir eine zeitlich flexible Lösung, die sich optimal für den Testbetrieb der Drohnenflüge eignet.“

5G liefert Grundlage für autonomen Drohnen-Lieferdienst

Bisher müssen Drohnen noch von einem Piloten oder einer Pilotin auf Sicht gesteuert werden. Bei einem autonomen Drohnenlieferdienst über 5G könnten in Zukunft mehrere Drohnen gleichzeitig über einen zentralen Leitstand außerhalb der Sichtweite in Echtzeit koordiniert und überwacht werden. Dabei bringen die 5G-Drohnen selbstständig Waren von A nach B, übernehmen die optimale Routenplanung und reagieren auf Hindernisse, um Kollisionen zu vermeiden.

Eine auf diese Weise betriebene Drohnen-Flotte erhöht massiv die Reichweite und Effizienz der Drohnenflüge. Gleichzeitig stellt der autonome Drohnenbetrieb besonders hohe Anforderungen im Hinblick auf Sicherheit und Stabilität der Datenübertragung. Das Projekt in Südwestfalen untersucht daher sowohl die Kommunikation über 5G zwischen Drohne und Basisstation als auch von Drohne zu Drohne.

„Mit hohen Datenübertragungsraten, niedrigen Latenzzeiten und höherer Netzkapazität stellt 5G als Schlüsseltechnologie die Grundlage für einen sicheren Einsatz autonomer Transport-Drohnen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Andreas Schwung von der Fachhochschule Südwestfalen und Leiter des Konsortiums „Drone4Parcel5G“. „Wir freuen uns daher, mit der Deutschen Telekom den führenden 5G-Netzanbieter und Experten in Sachen Campus-Netze für unser Projekt an der Seite zu haben.“

Drone4Parcel5G: Forschung für die Zukunft der Logistik

Bis Ende 2023 entwickelt das Projekt „Drone4Parcel5G“ unter Federführung der Fachhochschule Südwestfalen zusammen mit weiteren Partnern aus der Region ein System zur Planungs- und Bewegungssteuerung von Paket-Drohnen. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte im Rahmen des Wettbewerbs „5G.NRW“ eine Förderung von 1,6 Millionen Euro bereitgestellt.

Im Projekt soll die Zustellung per Drohne anhand erster Einsätze für Apotheken sowie im industriellen Sektor für das sogenannte C-Teile-Management erprobt werden – zum Beispiel für die Zustellung von Werkzeugen und Metallwaren im technischen Großhandel oder die Auslieferung von Medikamenten in ländliche Regionen. Ebenfalls am Projekt beteiligt sind dazu der Drohnenhersteller Third Element Aviation GmbH sowie die KL-Group | Koerschulte + Werkverein, ein auf Kunden aus Industrie und Handwerk spezialisierter Großhändler.

„Wir können mit 5G-Mobilfunk größere Distanzen überbrücken und den Ort des Piloten komplett vom Ort der Drohne entkoppeln. Damit eröffnen sich gänzlich neue Möglichkeiten und Anwendungsfelder für den Betrieb von Transportdrohnen“, sagt Marius Schröder, Geschäftsführer der Firma Third Element Aviation.

„Dank 5G und Lieferdrohnen sind wir unabhängig vom Straßenverkehr sowie von klassischen Zustellungswegen und haben in Zukunft die letzte Meile in unserer Hand. So können wir unsere Ware direkt zum Kunden ausliefern - schnell, zuverlässig und mit modernster Technologie“, sagt Norman Koerschulte, verantwortlich für Digitales in der Geschäftsführung der KL-Group.

„Campus-Netz Temporär“ sorgt für kurzfristiges 5G-Upgrade

Das im Lieferdrohnen-Projekt erstmals eingesetzte „Campus-Netz Temporär“ ermöglicht es, ein definiertes Gebiet über das öffentliche Netz der Telekom kurzfristig und flexibel mit zusätzlicher 5G-Konnektivität zu versorgen. Es kombiniert dabei die Stärken des öffentlichen 5G-Netzes mit der Exklusivität eines virtuellen privaten Netzes. Denn bei Bedarf wird im lokal verstärkten öffentlichen 5G-Netz der Telekom ein bestimmter sicherheitskritischer Teil des Datenverkehrs logisch getrennt über ein virtuelles privates Netz übertragen.

Dieser private Datenverehr kann zudem priorisiert werden. Das garantiert hohe Sicherheit und maximale 5G-Verfügbarkeit für unternehmenskritische Anwendungen – wie etwa für die Daten-Kommunikation zwischen autonomen Lieferdrohnen.

Flexibel einsetzbar: Das 5G-Campus-Netz aus dem Container

Mit der neuen Campus-Lösung kann die 5G-Netzkapazität beispielsweise auch bei Events, Open-Air-Veranstaltungen, Baustellen oder in Neubaugebieten temporär aufgestockt werden. Um das neue Campus-Netz-Produkt nutzen zu können, wird am Kundenstandort eine transportable Sendestation inklusive Mast und Antennentechnik eingerichtet. Je nach Bedarf stehen hierfür unterschiedliche Mobilfunk-Container mit Masthöhen zwischen 10 und 30 m zur Auswahl. Die Telekom übernimmt die Planung und Einholung von Genehmigungen sowie den Aufbau und Betrieb des Container-Masten. Von der Beauftragung bis zur Übergabe an den Kunden kann die Realisierung des Netzes innerhalb von rund 20 Wochen erfolgen.

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