Eine neue Studie von Ernst & Young geht der Frage nach, welche Arbeitgeber attraktiv für Studierende sind.

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EY-Studentenstudie 2018 Maschinenbau und Autoindustrie verlieren an Attraktivität als Arbeitgeber

26.07.2018

Die meisten Studierenden in Deutschland setzten bei der Arbeitsplatzwahl auf Sicherheit. In der aktuellen Studentenstudie der Unternehmensberatung Ernst & Young gaben die meisten Befragten an, den öffentlichen Dienst als besonders attraktiven Arbeitgeber anzusehen. Eine besonders gravierende Veränderung fällt bei den Ingenieuren auf: Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, die IT- und Softwarebranche für besonders interessant zu halten, wohingegen das vom Maschinenbau nur noch jeder Vierte denkt.

41 Prozent der deutschen Studierenden zieht es in den öffentlichen Dienst, während die Automobilindustrie - vor zwei Jahren mit 22 Prozent noch drittbeliebtester Arbeitgeber - nur noch für acht Prozent der Studenten attraktiv ist. Das ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die rund 2.000 Studierenden in deutschen Universitätsstädten befragt wurden. Weiterhin hoch oben in der Gunst stehen demnach Kultureinrichtungen und Wissenschaft. Dabei dürfte die hohe Attraktivität des öffentlichen Dienstes vor allem auf das Bedürfnis der Studenten nach Sicherheit zurückzuführen sein. Über die Hälfte (57 Prozent) nennt Jobsicherheit als wichtigsten Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers – damit ist dieser Aspekt das wichtigste Kritierium bei der Wahl des Arbeitsplatzes. Gehalt und mögliche Gehaltssteigerungen sind für 44 Prozent wichtig und Kollegialität wird von 41 Prozent genannt.

So ist den Studierenden durchaus bewusst, dass Vater Staat ihnen zwar Sicherheit bietet, allerdings auch ein vergleichsweise geringes Gehalt. Das Einstiegsgehalt, das sie im öffentlichen Dienst erwarten, liegt mit durchschnittlich 37.500 Euro noch unter dem Durchschnitt aller Branchen von 37.900 Euro. Trotzdem ist der öffentliche Dienst selbst bei Studenten mit Top-Leistungen, die also auf dem Arbeitsmarkt beste Chancen hätten, attraktiv wie nie. 41 Prozent von den Studenten mit überdurchschnittlichen Studienleistungen zieht es in den öffentlichen Dienst. Bei der vorherigen Befragung waren es nur 22 Prozent. Das höchste Einstiegsgehalt erwarten Studenten bei den Banken (40.100 Euro) in der Industrie (40.000 Euro) und in der Automobilindustrie (39.500 Euro).

Bezogen auf die Industrie kann auch Stefan Hoitz von der Personalvermittlung Michael Page diesen Eindruck bestätigen. So bezifferte er im März diesen Jahres im Interview mit der A&D das Einstiegsgehalt von die Ingenieuren mit entsprechendem Studienabschluss bei rund 40.000 bis 50.000 Euro. Im weiteren Verlauf meinte er außerdem, dass das Gehalt und mögliche Boni nach wie vor wichtige Faktoren für Bewerber sind.

Hohe Unsicherheit in der Industrie

Trotzdem wird gerade in der Industrie die Unsicherheit aktuell als besonders hoch empfunden, da die Digitalisierung ganze Geschäftsmodelle verändert und die Konvergenz der Branchen beschleunigt. Oliver Simon, Leiter der Personalabteilung von EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz erklärt dazu: „„Ganze Branchen sind im Umbruch begriffen. Start-ups können mit neuen, digitalen Geschäftsmodellen bisherige Gewissheiten auf den Kopf stellen. Der öffentliche Dienst wirkt da wie ein Hort der Beständigkeit inmitten des Umbruchs.“ Bei der Autoindustrie kämen derzeit mehrere Faktoren zusammen: „Möglicherweise hat die Dieselkrise auch einige potenzielle Bewerber abgeschreckt. Gravierender dürfte allerdings sein, dass Ingenieure inzwischen vermehrt in die IT streben.“

Denn schaut man sich die Branchen an, in die es Studierende verschiedener Fachrichtungen zieht, fällt insbesondere bei den Ingenieuren eine gravierende Veränderung auf: Die IT- und Softwarebranche ist für eine Mehrheit von 53 Prozent besonders interessant, das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2016 als 35 Prozent die Branche als besonders attraktiv bezeichneten. Erst mit einem Anteil von 25 Prozent folgt die sonstige Industrie. Die Autoindustrie – vor zwei Jahren mit 58 Prozent der Nennungen noch unangefochtener Spitzenreiter – landet mit 19 Prozent nur noch auf Rang vier der Beliebtheitsliste.

„Die Digitalisierung führt dazu, dass die Software- und IT-Komponenten von Produkten und Maschinen immer wichtiger werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Studienfachwahl der jungen Menschen“, so Simon. „Softwareingenieure werden in nahezu allen Branchen gesucht, weil mittlerweile alles vernetzt ist.“ Schließlich erfordern viele der Themen, die aktuell wichtig für die Industrie sind, wie zum Beispiel Predictive Maintenance, Fernwartung oder Data Analytics.

Unternehmen müssen attraktiver werden

Welche wichtigen Erkenntnisse lassen sich also aus der Studie gewinnen? „Es natürlich erfreulich, dass sich viele der besten Studenten in den Staatsdienst begeben wollen. Es gibt allerdings zu denken, dass die freie Wirtschaft trotz besserer Bezahlung für viele junge Menschen offenbar nicht allzu attraktiv ist. In den Unternehmen entstehen die Innovationen und Produkte, die Deutschlands Wirtschaft weltweit so erfolgreich gemacht haben. Dafür brauchen sie aber auch kluge Köpfe. Die Unternehmen sollten sich Gedanken darüber machen, wie sie weiter für Berufsanfänger attraktiv sein können. Geld alleine reicht dafür nicht“, sagt EY-Personaler Simon abschließend. Sollte das nicht gelingen, droht diese Situation langfristig zu einem ernst zunehmenden Problem für die deutsche Wirtschaft zu werden. Der Leiter der VDMA-Bildungsabteilung, Dr. Jörg Friedrich, warnte bereits eindringlich vor der Wachstumsbremse Fachkräftemangel im Maschinenbau.

Doch wie können es Unternehmen schaffen, geeignete Fachkräfte zu finden und zu binden? In einer gemeinsamen Umfrage der A&D und der E&E verrieten Personalverantwortliche verschiedener Industrieunternehmen, mit welchen Strategien sie gegen den Fachkräftemangel kämpfen. Persoblogger Stefan Schellers sah in seinem Gastbeitrag die Unternehmen in der Verantwortung, im Bereich Mitarbeitergewinnung deutlich aktiver zu werden. Selina Doulah ging in ihrem Artikel der Frage nach, wie gutes Employer Branding aussehen kann.

Nach Material von Ernst & Young: https://www.ey.com/de/de/newsroom/news-releases/ey-20180724-hohes-sicherheitsbeduerfnis-immer-mehr-studenten-zieht-es-zu-vater-staat

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