Auch vertrauliche Daten werden weitergegeben

Zwei Drittel der Büroangestellten nutzen nicht autorisierte KI-Tools

Wenn mehr als 30 Prozent der Mitarbeitenden vertrauliche Unternehmensdaten in öffentliche Modelle eingeben, kann ,Schatten-KI‘ zu einem erheblichen Haftungsrisiko für Unternehmen werden.

Bild: publish.industry, Gemini
16.06.2026

Schatten-KI wird für Unternehmen zunehmend zum Governance- und Sicherheitsrisiko: Laut einer aktuellen internationalen Studie von PagerDuty haben 66 Prozent der Büroangestellten bereits nicht autorisierte KI-Tools am Arbeitsplatz genutzt, während 88 Prozent arbeitsbezogene – und damit teils vertrauliche – Informationen in öffentliche KI-Anwendungen eingegeben haben. Damit zeigt sich: Der KI-Gebrauch durch Mitarbeitende in großen Organisationen hat die Unternehmensrichtlinien bereits überholt – ein Haftungsrisiko, mit dem Unternehmen umzugehen lernen müssen.

PagerDuty, Anbieter für KI-gestütztes Operations-Management, hat die Ergebnisse einer internationalen Umfrage veröffentlicht, die eine wachsende Kluft zwischen der KI-Nutzung durch Mitarbeitende und den unternehmensinternen Governance-Regeln aufzeigt. Wenn diese Lücke nicht geschlossen wird, entstehen messbare Risiken in Bezug auf Datensicherheit, Vertrauen in der Belegschaft und Mitarbeiterbindung.

Die PagerDuty Shadow AI Survey wurde unter 1.250 Büroangestellten in Nicht-IT- und Technologierollen durchgeführt, die bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen US-Dollar arbeiten. Befragt wurden Personen in Australien, Japan, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.

KI-Tool-Nutzung nimmt zu – Unternehmensrichtlinien hinken hinterher

Büroangestellte werden zunehmend selbstbewusster hinsichtlich ihrer KI-Kenntnisse, doch Unternehmensrichtlinien scheinen ihre Nutzung von KI-Tools zu behindern:

  • Laut den Ergebnissen berichten zwei Drittel der Büroangestellten, dass sie bei der Arbeit KI-Tools oder -Dienste genutzt haben, obwohl sie davon ausgingen, dass dies gemäß Unternehmensrichtlinien nicht erlaubt sei.

  • Unter denjenigen, die möglicherweise nicht erlaubte KI-Tools genutzt haben, erhielten mehr als die Hälfte (53 Prozent) informelles Feedback oder die Aufforderung, die Nutzung einzustellen. 48 Prozent sahen sich mit formalen Konsequenzen konfrontiert, etwa einer Verwarnung oder disziplinarischen Maßnahmen.

  • Die Befragten möchten ihre Karriere mithilfe von KI weiterentwickeln, fühlen sich dabei jedoch im Unternehmen ausgebremst. 77 Prozent glauben, dass die Einschränkungen oder Richtlinien ihres Unternehmens zur KI-Nutzung ihr berufliches Wachstum oder ihre Karrierechancen begrenzen. 75 Prozent sagen, dass sie wahrscheinlich nach einem neuen Job suchen würden, der bessere Möglichkeiten zur Entwicklung von KI-Kompetenzen bietet. Bei Unternehmen mit einem Umsatz von 1 Milliarde US-Dollar oder mehr steigt dieser Wert auf 80 Prozent.

Vertrauliche Informationen werden witergegeben

Eine klare Mehrheit der Büroangestellten (88 Prozent) hat arbeitsbezogene Informationen mit öffentlichen KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini geteilt. Zu diesen weit verbreiteten Informationen gehören:

  • 43 Prozent, die E-Mails und andere Arten von Korrespondenz geteilt haben,

  • 40 Prozent, die Besprechungsnotizen oder Zusammenfassungen geteilt haben,

  • 34 Prozent, die Kundendaten oder Kundeninformationen eingegeben haben.

Zusätzlich haben 31 Prozent der Beschäftigten Finanzinformationen oder vertrauliche Unternehmensdokumente und Strategien geteilt.

Weitere zentrale Ergebnisse

Drei Ergebnisse stechen hervor:

1. Eine Mehrheit der Mitarbeitenden (72 Prozent) ist der Meinung, dass sie KI besser verstehen als ihre eigenen Technikteams. Bei Unternehmen mit Milliardenumsatz steigt dieser Wert auf 80 Prozent. Führungskräfte (77 Prozent) empfinden dies häufiger so als mittlere Führungsebenen oder darunter (66 Prozent).

2. Richtlinien sind uneinheitlich und werden vielfach als ungerecht wahrgenommen. Zwar arbeiten 86 Prozent der Befragten in Organisationen, von denen sie glauben, dass es dort KI-Richtlinien gibt, doch mehr als vier von fünf (81 Prozent) meinen, dass für die Unternehmensführung andere Regeln gelten als für den Rest des Unternehmens, wenn es um KI geht. Mitarbeitende in größeren Organisationen – sowohl gemessen am Umsatz als auch an der Mitarbeiterzahl – nehmen diesen Doppelstandard häufiger wahr (jeweils 85 Prozent).

3. Die private Nutzung von KI treibt die Einführung am Arbeitsplatz voran. Fast neun von zehn Büroangestellten (89 Prozent), die KI für die Arbeit genutzt haben, geben an, dass sie das jeweilige Tool zuerst im privaten Umfeld kennengelernt haben. Ist KI einmal eingeführt, verlagert sich die Nutzung stark auf den Arbeitsplatz: 79 Prozent berichten, dass sie KI bei der Arbeit häufiger nutzen als zu Hause.

„Wenn mehr als 30 Prozent der Mitarbeitenden vertrauliche Unternehmensdaten in öffentliche Modelle eingeben, wird ,Schatten-KI‘ zu einem erheblichen Haftungsrisiko für Unternehmen“, sagte Tim Armandpour, CTO bei PagerDuty. „Wir wissen, dass die Nachfrage nach KI vorhanden ist, weil wir sie auch auf unserer eigenen Plattform sehen – PagerDuty-Kunden nutzen zunehmend unsere KI- und agentischen Produkte, um komplexe operative Herausforderungen sicher zu bewältigen. Das Ziel jeder Führungskraft sollte heute nicht darin bestehen, die KI-Einführung zu verlangsamen, sondern diese Energie in bewährte Plattformen zu lenken, die Governance und Automatisierung im großen Maßstab ermöglichen.“

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